Statistik

Die Bevölkerung in Hemer wird immer älter

Bei Stadtfesten wie dem Klatsch ist in der Stadt viel los. Laut einer Statistik des Landesbetriebs IT.NRW sinkt die Bevölkerung insgesamt um 12,4 Prozent bis zum Jahr 2040. Ein besonderer Schwund ist in der Altersgruppe der 40- bis 65-Jährigen zu verzeichnen.

Bei Stadtfesten wie dem Klatsch ist in der Stadt viel los. Laut einer Statistik des Landesbetriebs IT.NRW sinkt die Bevölkerung insgesamt um 12,4 Prozent bis zum Jahr 2040. Ein besonderer Schwund ist in der Altersgruppe der 40- bis 65-Jährigen zu verzeichnen.

Foto: Ralf Engel

Hemer.  Das Statistische Landesamt prognostiziert einen Bürger-Schwund von mehr als zwölf Prozent bis zum Jahr 2040.

Die Bevölkerung in Hemer schwindet. Das ist zumindest das Ergebnis einer Modellrechnung des Statistischen Landesamtes IT.NRW. Bis 2040 soll sich die Einwohnerzahl in der Felsenmeerstadt von 34.016 auf 29.795 verringern. Ein Verlust von mehr als einem Zehntel – 12,4 Prozent.

Allerdings weist die Statistik auch darauf hin, dass im Jahr 2040 die Hemeraner Bevölkerung im Durchschnitt deutlich älter werden dürfte. Die Anzahl der über 80-Jährigen wird laut IT.NRW von 2139 auf 3524 um mehr als 64 Prozent steigen. Ebenso steigt die Zahl der Einwohner in der Altersgruppe von 65 bis 80 von 5234 auf 6652.

Besonders wenige Bürger in der Altersgruppe 40 bis 65

In allen jüngeren Altersgruppen verringert sich laut IT.NRW die Bevölkerung. Die größten Einbrüche sind merkwürdigerweise nicht bei den jüngsten, sondern in der Altersgruppe der 40 bis 65-Jährigen zu verzeichnen. 13.099 Menschen siedelt das Landesamt im Jahr 2018 in der Altersgruppe 40 bis 65 an. 8139 Menschen sind, so die Prognose, im Jahr 2040 in dieser Altersgruppe anzufinden. Ein Rückgang von über 37 Prozent – mehr als ein Drittel weniger.

Irene Vormweg, Expertin für Demografie und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hemer, könnte sich einen Grund vorstellen, warum gerade diese Bevölkerungsgruppe sich um einen so großen Anteil verringert. Sie glaubt, dass die sogenannte „Bildungswanderung“ für den großen Schwund der Bevölkerungsgruppe von 40 bis 65 im Jahr 2040 verantwortlich ist. Die Felsenmeerstadt leide darunter, dass viele junge Menschen nach dem Abitur ihre Heimat verlassen, studieren gehen und dann nicht mehr zurückkehren. „Das ist im gesamten Märkischen Kreis ein Problem“, sagt sie. Und diejenigen, die heute weggehen, sind selbstverständlich auch im Jahr 2040 nicht mehr da – eine mögliche Erklärung des Bevölkerungsschwunds in den Altersgruppen 40 bis 65.

„Das sind Personen im erwerbsfähigen Alter. Dass es immer weniger von ihnen gibt, ist auch ein alarmierendes Signal für die Wirtschaft“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Auch die steigende Zahl der alten oder sehr alten Bürger in der Prognose des Landesamtes stellt für Irene Vormweg keine Überraschung dar. „Es gibt eine Verschiebung in der Bevölkerungsstruktur. Die Menschen werden älter. Zudem hatten wir um 1960 die geburtenstarken Jahrgänge.“

Ob es aber tatsächlich so kommt, wie es das Landesamt prognostiziert, ist noch längst nicht sicher. Zum einen operiert IT.NRW mit anderen Zahlen als die Stadtverwaltung. Basis für die Zahlen des Landesamtes ist der Mikrozensus, Basis für die Stadt sind die amtlichen Daten aus dem Melderegister. „Die Verfahren sind nie ganz deckungsgleich“, erklärt Jörn Knipping, Leiter des Bürgerbüros.

Zum Stichtag 30.6.2018 verzeichnete IT.NRW beispielsweise 34.056 Einwohner in ihrer Statistik, laut dem Melderegister lebten aber zum Stichtag 35.504 Personen in Hemer. Auch eine graduelle Senkung der Bevölkerung ist für Knipping noch ein Blick in die Glaskugel. „Von 2017 bis 2018 ist die Bevölkerung in Hemer sogar leicht gewachsen. Welche Entwicklung das nimmt, kann ich heute nicht sicher sagen“, sagt der Leiter des Bürgerbüros.

Zudem hat die Stadt im Jahr 2016 eine eigene Prognose in Auftrag gegeben. Die Dortmunder Statistiker von Plan Lokal haben damals verschiedene Szenarien bis zum Jahr 2035 ausgerechnet.

Bei einer erhöhten Zuwanderung würde, so die Statistik, die Bevölkerung lediglich auf 33.727 Einwohner schrumpfen. Für das Szenario „Status quo“, das davon ausgeht, dass sich die „Wanderungstrends“ der Vergangenheit in der Zukunft fortsetzen, sehen die Statistiker eine Einwohnerzahl von 30.859 Personen im Jahr 2035.

Demografie ist wichtig für alle Bereiche der Verwaltung

Für die Stadt ist das Bevölkerungswachstum auf jeden Fall ein wichtiger Planungsfaktor. „Das Thema demografischer Wandel ist für uns allgegenwärtig“, sagt Irene Vormweg. Damit meint sie, dass die Altersentwicklung der Hemeraner Bürger nahezu für alle Bereiche der Verwaltung relevant ist. Viele ältere Menschen beantragen zum Beispiel aufgrund ihrer geringen Rente Sozialleistungen, für die Schulentwicklung ist die Zahl der kommenden Grundschulkinder interessant, für die städtischen Kitas die Zahl der Kindergartenkinder.

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