Kultur

Ein Stück der Berliner Mauer einfach entsorgt

Das Betonteil der Berliner Mauer grenzt auf dem ehemaligen Baubetriebshof einen Sandhaufen ab.

Das Betonteil der Berliner Mauer grenzt auf dem ehemaligen Baubetriebshof einen Sandhaufen ab.

Foto: Privat

Hemer.  Betonelement zur Erinnerung an den Mauerfall stand zeitweise in der Nähe der Blücherkaserne – und nun am ehemaligen Baubetriebshof in Westig.

Sie stehen an über 140 Orten in der ganzen Welt: Teile der Berliner Mauer mahnen in Seoul, Madrid, Canberra, London oder Los Angeles. Auch Hemer hatte ein Original-Mauerstück, doch im Gegensatz zu den Weltmetropolen hat das Betonteil die drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall nicht überstanden.

Als die Mauer 1989 fiel, wollten die Deutschen sie so schnell wie möglich loswerden. Kleine Mauerbrocken wurden zu begehrten Souvenirs, ganze Betonelemente gingen für teils enorme Summen in die Welt. Auch die Hemeraner Bundeswehr interessierte sich damals für ein Mauerstück als Mahnmal für die Blücher-Kaserne. Dem damaligen Kommandeur des Panzerbataillons 203, Oberstleutnant Gero Herrlinger, gelang es, ein Teilstück vor der Entsorgung zu retten und nach Hemer zu transportieren.

Mauerteil direkt hinterdem Wachgebäude aufgestellt

Auf der Rasenfläche hinter dem Wachgebäude erhielt es 1990 oder 1991 seinen markanten Platz. Die sogenannte Grenzmauer 75 bestand aus 3,60 Meter hohen Betonelementen. Auf der gegenüberliegenden Seite wurde ein alter Panzer ausgestellt. Mit dem Abzug der Bundeswehr wurde der Panzer zur Lehrbrigade nach Münster transportiert. Das Mauerstück blieb bis zum Baubeginn für die Deilinghofer Straße und die Landesgartenschau und wurde dann nicht mehr gesehen.

Johann Müller begab sich auf Spurensuche

Der Hemeraner Johann Karl Aljet Müller kann sich noch gut an das Berliner Mauerstück erinnern und hat sich auf Spurensuche begeben. Nachfragen beim Sauerlandpark und der Stadtverwaltung halfen nicht weiter. Beim Stadtbetrieb sollte das Mauerstück eingelagert sein, doch am Iserlohner Betriebshof war es nicht zu finden. Am ehemaligen Baubetriebshof in Westig wurde der Hemeraner fündig, allerdings erst bei genauerem Hinsehen. Das Betonteil wird liegend als Abgrenzung für einen Sandhaufen genutzt.

Auch wenn das Hemeraner Betonteil kein Graffiti-Kunstwerk wie manch anderes Berliner Mauerstück, sondern ein eher unscheinbar graues Beton-L mit reichlich verwittertem Beton ist, kann Johann Müller die Zweckentfremdung nicht nachvollziehen. „Es ist ein Kulturrelikt“, sagt der Hemeraner und plädiert für das Wiederaufstellen. So könnte das Stück Deutscher Geschichte mit einer entsprechenden Gedenktafel am Eingang zum Sauerlandpark aufgestellt werden. Drei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer wäre dies seiner Meinung nach auch ein guter Zeitpunkt.

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