Geschichte

Eine Zeitreise in Hemers Geschichte

Ein wunderschönes Bild aus den 60er Jahren hat Rolf Bour in seinem Fundus vom Alten Markt entdeckt.

Ein wunderschönes Bild aus den 60er Jahren hat Rolf Bour in seinem Fundus vom Alten Markt entdeckt.

Foto: Rolf Bour

Hemer.  Zusammen mit dem Hemeraner Rolf Bour geht es auf eine spannende Reise in die Vergangenheit.

Erinnerungen an vergangene Zeiten können sehr lebendig sein, vor allem, wenn man viele Fotos gemacht hat. So wie der Hemeraner Rolf Bour, denn er hat nach eigener Schätzung eine Million Bilder in seinem Archiv. Beim Durchsehen seiner historischen Stadtansichten hat der 80-Jährige viel Freude. Während viele immer wieder fragen, was das Bild denn überhaupt zeigt, lacht der Hemeraner. „Das kennst du nicht!? Das ist doch das Café Poggel“. Für den, der nicht in der Felsenmeerstadt geboren ist, nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber Rolf Bour erklärt alles ganz genau. „Hier ist die Metzgerei Webers, dort Uhren Pott.“ Und dann – mit ein wenig Vorstellungskraft – kommt Licht ins Dunkel. Die Reaktionen auf die historischen Fotos lauten so: „Meine Güte, wie hat sich das verändert!“

Rolf Bour als leidenschaftlicher Fotograf hat aber nicht nur viele Fotos aus den vergangenen Zeiten, er hat auch in unregelmäßigen Abständen seine Gedanken aufgeschrieben, auch zur langen Gechichte des Alten Marktes im Herzen der Stadt im Bereich des Cafés Poggel. Unter anderem hat er sich im Jahr 2001 hingesetzt und seine Gedanken aufgeschrieben.

„Das Dörfchen Oberhemer, das bisher durch die Industrie beherrscht wurde, bekam im Juli 1871 seinen ersten Viktualien-Markt. Viktualien sind Lebensmittel und diese wurden bisher in den kleinen Läden an der Hauptstraße verkauft. Immer mehr Industrie-Arbeiterfamilien siedelten sich im Dorfkern an, und so war es nur eine Frage der Zeit, wann die Frauen ihr Gemüse, Obst und auch andere wichtige Naturalien auf einem kleinen Ballungszentrum erwerben konnten.

Wichtiger Beschluss am 16. Februar 1870

Bereits am 16. Februar 1870 kam die Gemeindevertretung von Oberhemer, unter Vorsitz des Gemeindevorstehers Springmeyers, zu einem wichtigen Beschluss. Die Gemeinden Ober- und Niederhemer sowie Sundwig, wo viele Fabrikarbeiterfamilien lebten, sollte der preiswerte Einkauf auf einem öffentlichen Markt ermöglicht werden. Für die Randgebiete, wo das Bauerntum noch herrschte, war der Erwerb von Obst und Gemüse einfach. In den Dorfzentren hatten nur wenige Bürger auf Grund der dichten Bebauung eine Möglichkeit, einen kleinen Garten zu haben.

So wurde beschlossen, jeden Dienstag und Freitag einen sogenannten Wochenmarkt abzuhalten, der heute mittwochs und freitags stattfindet. Die Genehmigung bezog sich auf den Straßenteil vor dem Ladengeschäft von Caspar Dietrich Hoeborn an der Hauptstraße 72. Das ist ungefähr dort, wo sich heute der Häuserdurchgang Hauptstraße und Friedrich-Grohe-Straße befindet. Der bis dato hinderliche Petersbach hatte Dietrich Hoeborn bereits abdecken lassen, so dass vor seinem Geschäft genug Platz entstand, um einige Obst- und Gemüsestände aufbauen zu können.

Doch bald hatte sich der Marktbereich in Richtung Hemer Amt und weiter runter in Richtung Kolonialwarengeschäft Graumann ausgedehnt. Es dauerte noch bis zum 9. September 1870, bis die königliche Regierung in Arnsberg die Marktordnung für Oberhemer bewilligte – zur Freude auch für die Bewohner von Niederhemer und Sundwig.

Auch die Marktrechte fürOberhemer befürwortet

Am 8. April 1871 übermittelte der damalige Sundwiger Fabrikant und Gemeindevorsteher Adolf von der Becke einen Brief an Amtmann Thomas, in dem er auch für das südliche Dorf die Marktrechte für Oberhemer befürwortete. Schnell war auch ein Marktmeister gefunden, der an den jeweiligen Markttagen mit einer Glocke durch die Straßen zog, um den Wochenmarkt zu verkündigen. Außerdem wurde die Glocke für die Anfangs- und Schlusszeiten der Marktbetreiber genutzt, denn die Aufsicht hatte der Marktmeister. Was er anordnete, musste befolgt werden. Vor dem Glockenklang und auch nach dem Schlussgeläut durfte kein Behältnis für Obst und Gemüse geöffnet werden. Auch achtete der Marktmeister strengstens darauf, was auf dem Markt verkauft werden durfte. Mit Lebendem Vieh wie Hühner, Gänse, Enten und Schweine durfte auf dem Markt nicht gehandelt werden. Bald kamen Händler aus den benachbarten Städten wie Menden und Iserlohn. Aber auch Handelstreibende aus Unna und Soest waren in den späteren Jahren in Hemer zu sehen.

Der Bedarf an Platz für die Händler stieg in den ersten Jahren enorm. Gerade freitags mussten viele Verkäufer ohne Standplatz ohne Umsatz wieder nach Hause fahren. So kam es, dass viele der Händler einen festen Standort zugewiesen bekamen und für die Garantie, dass dieser auch an den Markttagen frei war, eine kleine Miete entrichten mussten. Doch das half in den kommenden Jahren trotzdem nichts. Durch die Vielzahl der Händler wurde der Markt bis zum heute bekannten „Alten Markt“ ausgedehnt, wo er bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch blieb. Später breitete er sich auf dem neugestaltetem Hademareplatz oder der frei gewordenen Elsa Brandströmstraße aus. Heute befindet sich der Hemeraner Markt in der Stadtmitte vor dem Kaufhaus Woolworth, zwischen der Adler Apotheke und der Stadtbücherei.“

Rolf Bour möchte seine alten Stadtansichten mit den Bürgern teilen, und so lässt er andere zum Beispiel auch in den sozialen Medien teilhaben. „Wenn ich vor den alten Fotos sitze, ist das Nostalgie pur. Mein Herz öffnet sich ruckartig, wenn ich die Bilder sehe, und die Erinnerung ist sofort wieder da.“

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