Volkstrauertag

„Ich habe mich geschämt, als Deutsche erkannt zu werden“

Die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr auf dem Ihmerter Friedhof statt. 

Die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr auf dem Ihmerter Friedhof statt. 

Foto: Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Die zentrale Gedenkfeier am Volkstrauertag der Stadt Hemer fand am Ehrenmal auf dem Ihmerter Friedhof statt.

17 Millionen Kriegstote im Ersten Weltkrieg und 50 Millionen als Opfer des Zweiten Weltkrieges – all dieser Menschen wurde am Volkstrauertag gedacht. Die zentrale Gedenkfeier der Stadt Hemer fand dieses Jahr am Ehrenmal auf dem Ihmerter Friedhof unter Beteiligung der Freiwilligen Feuerwehr, der Schützenvereine und des MGV Ihmert statt. Die Ansprachen hielten Bürgermeister Michael Heilmann und Pfarrerin Gaby Bach. Auch wenn die Resonanz auf diese Gedenkveranstaltung nicht sehr groß war, gibt es die Hoffnung, dass viele andere den Weg zu den anderen Veranstaltungen dieser Art in Hemer gefunden haben.

Dankbar sein für den Frieden im Land

„An einem Tag wie heute sollten wir nicht nur zurückblicken auf zwei schreckliche Weltkriege mit unzähligen Toten – und eine Mauer, die fast 30 Jahre lang unser Land teilte. Wir sollten ihn auch nutzen, uns des Friedens in unserer heutigen Gesellschaft bewusst zu werden. Und wir sollten dankbar dafür sein und uns daran erinnern, dass Friede nicht selbstverständlich ist“, sagte Michael Heilmann.

Menschen können nicht wieder so wahnsinnig sein

Sehr persönliche Gedanken teilte Gaby Bach mit den Besuchern der Gedenkfeier. Nur 16 Jahre nach der Beendigung des unsäglichen Gräuels sei sie geboren, vom Gefühl her sei der Zweite Weltkrieg für sie aber schon immer lange vorbei gewesen. „Dabei erschien es mir manchmal nicht so nachvollziehbar, wie so ein kleiner, vor Hass und Wut schreiender Zwerg es schaffen konnte, die Massen auf seine Seite zu ziehen“, sagte die Pfarrerin, „gleichzeitig wurde mir und meiner Generation eingebläut, dass das nie wieder geschehen dürfe“. Sie sei sich immer sicher gewesen, dass die Menschen nicht ein zweites Mal so wahnsinnig sein könnten.

„Niemals hätte ich gedacht, dass ich heute zusehen muss, dass einer meiner Lehrer, den ich damals überheblich fand, recht behält. Er hat gesagt, Geschichte wiederholt sich immer wieder“, sagte Gaby Bach. Mit 15 Jahren habe sie das Konzentrationslager in Dachau gesehen, mit 17 habe sie in Polen Auschwitz besucht. „Mit fast 50 Jahren war ich in Yad Vashem und habe mich geschämt, als Deutsche erkannt zu werden“, so die Pfarrerin.

Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal ging es für alle zu den Kriegsgräbern auf dem Friedhof, um dort der Opfer zu gedenken.

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