Umwelt

Mit Dampf gegen den Riesenbärenklau

Mit dem Unkrautkocher macht ein SIH-Mitarbeiter der Herkulesstaude den Garaus. Kochendes Wasser wird durch die Spitze des Geräts zur Wurzel geführt.

Mit dem Unkrautkocher macht ein SIH-Mitarbeiter der Herkulesstaude den Garaus. Kochendes Wasser wird durch die Spitze des Geräts zur Wurzel geführt.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.  Der SIH kämpft seit Jahren gegen das hartnäckige Gewächs. Bürger können Bewuchs der Verwaltung melden.

Besonders in der Nähe der Bachläufe und auf brach liegenden Flächen tritt er auf: Der Riesenbärenklau oder auch Herkulesstaude genannt. Seit mehreren Jahren versucht die Stadt schon, die riesige Pflanze von Wohngebieten fernzuhalten, denn ihr Saft ist gefährlich und führt bei Sonneneinstrahlung zu Verbrennungen. Zudem breitet sich die Herkulesstaude schnell aus. Besonders in der Zeit von Ende Juli bis Mitte August fliegen die Samen über die Felder. Die Stadt bittet deswegen ihre Bürger darum, Wuchsorte in Bereichen von Wegen, Straßen, Schulen, Spielplätzen und Kindergärten zu melden.

Ein SIH-Mitarbeiter sticht eine Lanze in die Wurzeln eines etwa drei Meter hohen Exemplares des Riesenbärenklaus. Auf 100 Grad erhitztes Wasser fließt nun durch das als Unkrautkocher bekannte Gerät. Das kochende Wasser gerät blubbernd an die Oberfläche, Dampf steigt hinauf. Bald darauf gerinnt das Eiweiß in den Wurzeln der Pflanze. Die gerade noch hoch stehenden Blätter fallen nach unten. „Jetzt ist er am Ende“, sagt der SIH-Mitarbeiter. Diese Pflanze wird im nächsten Jahr nicht wiederkommen.

Wie ein Kampf gegen Windmühlen

Wird die Staude nämlich nur abgemäht, reckt sie sich im nächsten oder darauf folgenden Jahr wieder nach oben. „Dadurch verteilt man die Samen möglicherweise auch noch“, erklärt Christian Gernert, Leiter der Grünpflege beim SIH. Die Samen, die die Pflanze massenhaft verbreitet, halten sich zehn bis 15 Jahre im Boden. Drei bis vier Jahre dauert es, bis sie keimfähig werden. Und dann ist das zwei bis vier Meter hohe Unkraut plötzlich wieder da.

„Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Stefan Jäschke, Vorarbeiter bei der Grünpflege beim SIH. Für rund 100 Meter Fläche entlang des Ihmerter Baches hat er einen Tag benötigt. Mit Gummistiefeln und -hose musste er im Bachwasser die Stauden ausgraben. Bei der Arbeit trägt er immer Schutzkleidung: Kittel, Schutzbrille und Gummihandschuhe, die seine gesamten Unterarme bedecken.

Auch aufgrund des großen Aufwandes können die SIH-Mitarbeiter sich nicht um jedes Exemplar kümmern. „An manchen Flussläufen stehen ganze Plantagen“, sagt Stefan Jäschke. Für die Mammutaufgabe ist nicht genügend Personal da. Deswegen bekämpfen die SIH-Mitarbeiter den Riesenbärenklau nur dort, wo es nötig ist – in der Nähe von Wohngebieten und wo Menschen mit der Pflanze in Berührung kommen können. Über ein Online-Kontaktformular unter www.sih-online.de oder über die Verwaltung unter 02372/551-327 und per E-Mail j.kopecky@hemer.de können Wuchsorte gemeldet werden.

Auf Privatgrundstücken beseitigt die Stadt den Riesenbärenklau allerdings nicht. Dort müssen die Bewohner selbst aktiv werden. Wie das geschehen kann, macht Stefan Jäschke vor. Zuerst schneidet er den Stamm der Staude mit einer Heckenschere ab. Daraufhin gräbt er mit einer Hacke die Wurzeln des Riesenbärenklaus aus. Wichtig ist dabei, dass vor allem der obere Teil der Wurzel, zehn bis 15 Zentimeter unter der Erdoberfläche, beseitigt wird. Auch die Blüten schneidet er ab, damit sich die Samen bloß nicht weiter verteilen. „Die sollten aber auf keinen Fall in den Kompost oder die grüne Tonne“, sagt er. Der normale Restmüll oder die Verbrennung sei da ein besserer Ort für die Pflanzenabfälle.

Wichtig ist dabei auch ausreichender Schutz. Eine Berührung der Herkulesstaude führt noch nicht zu schlimmen Verbrennungen. Der Pflanzensaft jedoch, der besonders beim Aufschneiden aus der Pflanze herausspritzen kann, sollte nicht auf die Haut gelangen.

Welche Folgen das haben kann, hat auch Stefan Jäschke schon gemerkt. Unbemerkt ist ihm einmal Saft in die Handschuhe gelaufen. Einen Tag später bemerkte er Verbrennungen, als Sonne auf die Stelle schien. Der SIH-Mitarbeiter musste darauf ins Krankenhaus, die Stelle wurde bandagiert und mehrere Male ausgewaschen. „Heute habe ich davon immer noch eine Narbe“.

Reaktion von Remondis auf Anwohner-Beschwerden

Auf der ehemaligen Mülldeponie an der Gaxberger Straße reihte sich vor einem Jahr auch eine der großen Stauden an die andere (wir berichteten). Das ist heute nicht mehr der Fall, da der Eigentümer Remondis reagiert hat. „Nach der Berichterstattung in der Heimatzeitung ist die Firma aktiv geworden“, sagt Anwohner Günter Schulte. Er ist froh, dass die Pflanzen nun durch regelmäßiges Abmähen und der Behandlung durch Rindenmulch „kurz gehalten“ werden.

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