Flüchtlinge

Niemand soll sprachlos zurückgelassen werden

In der KEA finden Sprachkurse in Trägerschaft der AWO für Flüchtlinge statt.

In der KEA finden Sprachkurse in Trägerschaft der AWO für Flüchtlinge statt.

Foto: Reinhard Köster

Hemer.   In der Kommunalen Erstaufnahmeeinrichtung finden Sprachkurse für Flüchtlinge statt, auch für diejenigen, die nicht anerkannt sind.

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„Sprache ist der wichtigste Baustein für eine erfolgreiche Integration“, sagt Bürgermeister Michael Heilmann und begründet damit das besondere Engagement der Stadt Hemer auf diesem Gebiet. Mit Sprachkursen für Flüchtlinge, die nicht anerkannt sind, sondern nur geduldet in Hemer leben, oder sich noch in einem offenen Asylverfahren befinden, geht die Stadtverwaltung bei der Integration über ihre Pflichtaufgaben hinaus. Allerdings gibt es dafür auch Unterstützung von anderer Seite. So hatte im vergangenen Jahr das Erzbistum Paderborn, vermittelt über den katholischen Pastoralverbund, 12.000 Euro für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Doch auch in diesem Jahr laufen die Kurse weiter, finanziert allein mit städtischem Geld.

60 Flüchtlinge ohne dauerhaftes Bleiberecht

60 Flüchtlinge ohne dauerhaftes Bleiberecht wohnen zurzeit in Hemer. „Es kann sein, dass diese Menschen über viele Jahre hier leben werden. Und da ist es wichtig, dass sie deutsche Sprachkenntnisse erwerben. Nur so können sie sich zurechtfinden. Nur so können viele Probleme gleich im Keim angegangen werden“, betont der städtische Integrationsbeauftragte Daniel Braun. Während die Sprachkurse für die anerkannten Flüchtlinge vom Land gezahlt werden, fallen die Geduldeten durchs Raster, wenn die Stadt nicht einspringt. Insbesondere bleiben die erwachsenen Flüchtlinge sprachlich auf der Strecke, denn Kinder und Jugendlichen besuchten Kitas und Schulen und lernen dort Deutsch, oftmals schnell und spielerisch.

Mit vier offenen Sprachkursen, die von der Arbeiterwohlfahrt organisiert und betreut werden, hat im vergangenen Jahr das Zusatzangebot für ausländische Mitbürger ohne Aufenthaltsstatus begonnen. Koordiniert werden die Kurse von Miriam Remmert von der Integrationsagentur der AWO, gehalten von Lehrerinnen und Lehrern oder Studenten, die dafür ein Honorar erhalten. Ein Problem dabei ist es, dass die Flüchtlinge und Asylbewerber, die sich freiwillig für die Teilnahme an den Kursen melden, völlig unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, erläutert Miriam Remmert: „Da gibt es solche, die schon in ihrer Heimat eine Schule besucht oder sogar eine Ausbildung absolviert haben. Und auf der anderen Seite haben wir es auch mit Analphabeten zu tun, die zunächst einmal Lesen und Schreiben lernen müssen.“

Unterricht von ersten Tagin deutscher Sprache

Eine Schwierigkeit besteht auch darin, dass Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen gemeinsam in den Kursen sitzen. Deshalb findet der Unterricht vom ersten Tag an auf Deutsch statt. Nur manchmal ist es möglich, auch das Englische als zusätzliches Sprachvehikel zur Hilfe zu nehmen. Am Anfang steht in einem sogenannten A1-Kurs die Vermittlung von Basiswissen – Begriffe und Sätze mit deren Hilfe das Alltagsleben gemeistert werden kann. Anschließend wird der Unterricht nach Sachthemen gegliedert: Dann dreht sich allen beispielsweise um das Einkaufen oder den Besuch beim Arzt. Weil eine intensive Betreuung der Lernenden nötig ist, werden pro Kurs zwei Lehrkräfte eingesetzt.

Damit Mütter (oder Väter) von kleinen Kindern bei den Kursen nicht außen vor bleiben, hat die Stadt in Kooperation mit der AWO eine Betreuungsmöglichkeit für die Kleinen geschaffen, während die Eltern die Schulbank drücken. Zusätzlich werden noch ein „Sprach-Café zur Vertiefung des Gelernten und ein Hauswirtschaftskurs angeboten, die allerdings aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert werden. Alle Kurse finden durchweg in der Kommunalen Erstaufnahme-Einrichtung statt. Für die Teilnehmer, die dort wohnen, bedeutet das einen kurzen Schulweg, alle anderen müssen sich eigenverantwortlich auf den Weg zum Apricker Weg machen, um Deutsch zu lernen.

Nicht alle Flüchtlinge halten bei den Sprachkursen durch, gibt Daniel Braun zu. Die meisten aber erkennen schnell, wie wichtig es für sie ist, die Sprache des Landes zu lernen, in das sie gekommen sind. Bezahlt werden die Kurse aus dem Etat, der im Haushalt für die Flüchtlingsintegration bereitsteht. Ziel aber ist es, die Ausgabe dafür auf 18.000 Euro zu begrenzen – vergleichsweise wenig Geld für ein Integrationsprojekt, das in dieser Form im Märkischen Kreis zurzeit einzigartig ist.

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