Vogelnachwuchs

„Schreiender“ Vogel nicht automatisch in Not

Die Hemeraner Tierärztin Sabine Roeb warnt davor, Jungvögel einfach so aufzusammeln, wenn sie scheinbar hilflos herumhüpfen. In den meisten Fällen schadet man den Tieren nur, denn man trennt sie von ihren Müttern, die sie noch versorgen. 

Die Hemeraner Tierärztin Sabine Roeb warnt davor, Jungvögel einfach so aufzusammeln, wenn sie scheinbar hilflos herumhüpfen. In den meisten Fällen schadet man den Tieren nur, denn man trennt sie von ihren Müttern, die sie noch versorgen. 

Foto: Carmen Ahlers

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Hemer. Zurzeit piepst es wieder ordentlich in den Hecken und Gebüschen. Der Vogelnachwuchs möchte von seinen Eltern versorgt werden, und das macht er mit recht kräftiger Stimme deutlich. Die zweite Generation Jungvögel wird das Nest verlassen und hüpft munter umher. Viele Bürger denken, sie müssten den jungen Vögeln helfen, weil sie meinen, dass der Piepmatz hilflos ist und scheinbar alleine nicht überleben kann. Die Vogelstimmen sind sehr durchdringend und von den Eltern bis zu 100 Meter zu hören. Für viele Bürger wirkt es wie ein Notruf. So wird der Vogel in vielen Fällen gefangen und zum nächsten Tierarzt gebracht. Auch die Hemeraner Tierärztin Sabine Roeb berichtet davon, dass immer wieder Jungvögel in Kartons bei ihr ankommen, weil Tierfreunde besorgt sind.

Vögel aus dem Versteck heraus beobachten

„Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, sagt Sabine Roeb und appelliert, kleine und hilflos wirkende Jungvögel nicht gleich mitzunehmen, sondern sie erstmal aus einem Versteck heraus zu beobachten. Die Eltern werden sich nicht zeigen, so lange Menschen anwesend sind, es braucht ein wenig Geduld.

Wenn der Vogel Federn hat, hüpfen kann und wiederholt durchdringende Laute von sich gibt, ist er ein „Ästling“ – ein Jungvogel in der Auswilderungsphase. Er benötigt Futter von seinen Eltern und trainiert seine Flugmuskulatur. Diese Jungvögel benötigen keine Hilfe, eine Ausnahmesituation ist natürlich dann gegeben, wenn der „Scheinwaise“ zum Beispiel mitten auf der Straßenkreuzung sitzt. Dann muss er an einen sicheren Ort weg von den fahrenden Autos in der direkten Nähe abgesetzt werden.

Ein Nestling, wenn er ausdem Nest gefallen ist

Ist der Vogel kaum befiedert und fast nackt, ist er aus dem Nest gefallen und wird „Nestling“ genannt. „Dieser Vogel benötigt dann Hilfe“, so die Tierärztin. Zunächst sollten die Finder sich umschauen: Gibt es ein Nest in unmittelbarer Umgebung? Wenn ja, darf der Vogel durchaus wieder hinein gesetzt werden. Ist das Nest aber unerreichbar, sollte dem Tier geholfen werden. „Tierärzte leisten in diesen Fällen erste Hilfe und vermitteln ihn dann weiter an eine Vogel-Auffangstation“, berichtet Sabine Roeb.

Erst vor wenigen Tagen wurde ein junger Fink in die Praxis von Sabine Roeb gebracht, die die Situation erkannt und den kleinen Vogel in der Pause wieder genau dort hin gebracht hat, wo er „gefunden“ wurde. Vogeleltern nehmen ihre Brut wieder an, der fremde Geruch stört sie nicht.

Wer sich weiter für dieses Thema interessiert, kann beim NABU (Naturschutzbund) weitere Informationen bekommen. Die gibt es auch im Internet: www.nabu.de

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