HEIMATSCHECK

Tafel im Hönnetal restauriert

NHV-Geschäftsführer Adalbert Alhoff-Cramer mit zwei Metall-Experten bei der Arbeit

NHV-Geschäftsführer Adalbert Alhoff-Cramer mit zwei Metall-Experten bei der Arbeit

Foto: Sven Paul / WP

Hemer/Klusenstein.  Die Bronzetafel am Klusenstein erstrahlt wieder in neuem Glanz. Sie erinnert an die Rettung des Hönnetals vor 100 Jahren.

Es ist eine der ältesten Bürgerinitiativen zum Schutz der Natur: Vor 100 Jahren haben Bürger den industriellen Abbau der imposanten Felskulisse im Hönnetal verhindert. An die damalige Spendenfreudigkeit erinnert eine große Bronzetafel unterhalb des Klusensteins. Der Naturhistorische Verein Hönnetal (NHV) hat die Tafel zum Gedenken an die Rettung des Hönnetals jetzt erneuert.

Rückblende. Diese massive Bronzetafel wurde in den Jahren nach 1920 in den Felsen bei Klusenstein angebracht, um an die erfolgreiche „Schutzaktion zur Erhaltung der Schönheit des Hönnetals“ zu erinnern. Damals wurde verhindert, dass das vielfach besungene und gemalte Hönnetal mit seinen berühmten Felsformationen und Höhlen dem Kalkabbau vollständig zum Opfer fiel.

Auch „Sieben Jungfrauen“sollten abgebaut werden

Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke (RWK, Vorläufer von Rheinkalk und Lhoist) Pläne, das Hönnetal „vollständig industriell zu verwerten“, wie der Naturhistorische Verein vermerkt. So sollten die Sieben Jungfrauen kurzerhand abgebaut werden. „Unterhalb Klusenstein war mitten im Hönnetal ein weiteres Kalkwerk mit Kalkringöfen geplant, vergleichbar mit Oberrödinghausen“, heißt es. 1912/13 regte sich dagegen „erster starker Widerstand“ in der Öffentlichkeit. Der Erste Weltkrieg ließ den Kampf ums Hönnetal ruhen. Nach Kriegsende indes ging er weiter. Die Regierung in Arnsberg strebte die Erhaltung einer „kulissenartigen Felswand” an. Sie sollte mit öffentlichem Geld erworben werden.

Der Kreistag stellte am 29. September 1919 25.000 Mark für den Grundstückskauf zur Verfügung. „Dies“, so heißt es, „brachte anscheinend den Wendepunkt.“ Eine Fläche von insgesamt 23,5 Hektar musste zu einem Preis von 325.000 Reichsmark gesichert werden. Bürger wurden zu Spenden aufgerufen, eine Lotterie wurde geplant, die „einen großen Teil“ der benötigten Summe abdecken sollte.

Hönnetaler spendetengroßzügig für Flächenkauf

Zunächst standen sich Industrie und Bürger gegenüber. Die Schutzaktion vor 100 Jahren war aber schließlich erfolgreich, weil die beteiligten Gruppen zusammenfanden. Die Hönnetaler spendeten trotz der Not nach dem Ersten Weltkrieg großzügig, um die Felspartien durch Ankauf zu retten. 1920 wurde die Felskulisse grundbuchlich gesichert -- und war damit „auf alle Zeiten” geschützt.

Zwischenzeitlich hat die Gedenktafel beinahe im Wortsinn Moos angesetzt. Die Inschrift war kaum noch zu erkennen. Der NHV griff für die Sanierung auf Fachleute zurück: Metallkunst-Handwerker Stephan Donker aus Beckum und Christian Gördes aus Sundern. Die beiden Experten befreiten die massive Bronzetafel zuerst in mühevoller Schleifarbeit von ihrer Patina. Anschließend begannen sie, die Tafel in Matt-Schwarz einzufärben. Damit nicht genug: Die Schrift wurde schließlich in Handarbeit durch erneutes Schleifen hervorgehoben. Dabei soll die Inschrift im Gegensatz zur dunklen Tafel hell erscheinen. Am Anschluss daran wurde die Tafel aufwendig mit Drei-Schichten Schutzlack lackiert, um sie – wie der NHV hofft – für die nächsten 100 Jahre fit zu machen.

Finanziert wurde das Vorhaben durch einen „Heimatscheck“ in Höhe von 2000 Euro. Der Betrag wurde dem Verein im Rahmen des Förderprogramms „Heimat.Zukunft.NRW – Wir fördern, was Menschen verbindet“ zur Verfügung gestellt.

Der Verein setzt sich für den Schutz und Erhalt des Tales ein. Der NHV wünscht sich, dass die B 515 mittelfristig verlegt wird. Dafür soll im Tal ein Radweg entstehen, um die romantische Kulisse aus steil aufragenden Kalk-Wänden und grünem Bewuchs auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. NHV-Geschäftsführer Adalbert Allhoff-Cramer: „In den Vereinszielen geht es um viele Fragen, die die weitere Entwicklung im Hönnetal betreffen, nicht aber um die zukünftige Nutzung der Kalkvorkommen im Hönnetal außerhalb der geschützten Bereiche.“

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