Heimart

Textilkunstwerke aus Nadel und Faden

Textilkünstlerin Gabi Heimann

Textilkünstlerin Gabi Heimann

Foto: Carolin Meffert / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Im Rahmen unserer Serie Heimart stellen wir die Hemeraner Textilkünstlerin Gabi Heimann vor.

Art-Quilts, Patchwork, Markmaking sind Begriffe, die Gabi Heimann verwendet, um ihre Kunst zu beschreiben. Die gebürtige Hemeranerin ist Textilkünstlerin. Sie verarbeitet Stoff und andere Materialien zu teilweise abstrakten, teilweise gegenständlichen Kunstwerken. Doch eines haben ihre Kunstwerke immer gemein: Es ist immer was mit Nadel und Faden. „Man kann es bei fast allen Arbeiten sehen, dass entweder mit der Maschine oder mit der Hand Stickereien eingebracht sind, und das nicht unbedingt auf traditionelle Art und Weise“, erklärt die Künstlerin.

Mit Textilien ist die heute in Menden lebende Künstlerin schon in Kindertagen in Berührung gekommen. Grundtechniken wie Stricken, Sticken und Häkeln hat Gabi Heimann in der Schule, aber auch größtenteils von ihrer Mutter gelernt. „Damals habe ich damit angefangen, für meine Puppen Kleidung zu nähen“, erinnert sich Gabi Heimann. Später stellte sie auch für ihren eigenen Sohn Kleidung her.

Das Kunstwerk entsteht während des Arbeitens

Durch Zufall hat sie dann Anfang der 1990er Jahre Patchworkstoffe für sich entdeckt. Mit Hilfe von Zeitschriften hat sie sich die traditionellen Techniken autodidaktisch angeeignet. Im Laufe der Zeit hat sie aber bei namhaften Textilkünstlerinnen wie Gabi Mett aus Essen, sowie Claire Benn und Jean Little John aus England Unterricht genommen, um ihre Arbeit voran zu bringen. Dabei hat sie viel über Design, Bildaufbau, Färbetechniken und unkonventionelle Sticktechniken gelernt.

„Es ist im Grunde wie in der Malerei. Der Maler hat eine weiße Leinwand, ich hab ein weißes Stück Stoff und überlege, was ich machen möchte“, beschreibt die Künstlerin ihre Arbeit. Dabei können ein Foto, etwas, das sie gesehen hat oder auch eine Emotion Inspiration für das Kunstwerk sein. „Ich habe in Gedanken immer ein Grundkonzept und fange dann an zu arbeiten, aber im Grunde entwickelt sich eine Arbeit oder ein fertiges Bild, während des Tuns.“ Während des Arbeitens kann es vorkommen, dass eine Technik, die sich die Künstlerin vorher überlegt hat, nicht funktioniert oder nicht so aussieht wie gewünscht, so dass Gabi Heimann dann nach einer anderen Lösung suchen muss.

In ihren Werken bringt die Künstlerin auch Emotionen zum Ausdruck. Eines ihrer Kunstwerke ist inspiriert durch einen irakischen Flüchtling, der aus Mossul stammt und den sie vor einigen Jahren kennengelernt hat. „Ich wollte von ihm eigentlich Fotos haben von der Zerstörung, beziehungsweise von seiner Flucht und da hat er damals gesagt ‘Die zeig ich dir nicht, weil die Bilder sind so grauselig, die wirst du nie wieder los’.“ Stattdessen erhielt sie private Fotos, von Familienfeiern oder auf denen zu sehen ist, wie die Familie gemeinsam Musik macht. Aus Papierpulp und Fäden bildete die Künstlerin das Netzwerk nach, das früher einmal intakt war. Die Familie hatte in ihrer Heimat ein intaktes soziales Netzwerk, das durch die Flucht und durch den Krieg zerstört wurde. Diese Zerstörung spiegelt sich in ihrem Werk wider.

Gabi Heimann hat bereits an mehreren Wettbewerben teilgenommen und selbst national und international ausgestellt. Zur Zeit hat sie eine Arbeit in der Ausstellung „Keep your eye on the planet“, die zwei Jahre durch Europa tourt. Durch einen internationalen Jury-Wettbewerb, für den sie ihr Werk „Müll kann man nicht essen“ einreichte, wurde ihr Kunstwerk für die Ausstellung ausgewählt. „Dieser Wettbewerb war von einer Initiative namens Guldosi initiiert, die afghanische Frauen im Land unterstützt.“ Der Verein bringt Material, also Stickgarn und Stoff nach Afghanistan zu den Frauen, die dann kleine Quadrate besticken. Diese werden dann in Europa verkauft. „Der Erlös des Verkaufs fließt wieder zu den Frauen und deren Familien zurück, einfach um ihnen Bildung und ein Stück weit Selbstständigkeit zu ermöglichen und deren Leben zu vereinfachen“, erklärt Gabi Heimann.

Für den Wettbewerb musste ein gesticktes Auge von den afghanischen Frauen käuflich erworben und in die Arbeit integriert werden. „Die Augen habe ich dann zu einem großen Fisch abgewandelt und hab mir zusätzlich von Greenpeace Fotos freigeben lassen, auf denen Tiere in Plastik gefangen waren oder auf denen Kinder im Müll am Strand in Manila auf den Philippinen spielen.“ Im Rahmen dieses Wettbewerbs wurden insgesamt 112 Kunstwerke von Künstlern aus über 100 Nationen eingereicht. Gabi Heimanns Kunstwerk ist eines von 45, das nun in der Ausstellung „Keep your eyes on the planet“ zu sehen ist. Derzeit befindet sich die Ausstellung in Bad Bellingen und wurde zuvor bereits im französischen Sainte-Marie-aux-Mines.

Textilkunstkurse im September bei Gabi Heimann

Für eine weitere Ausstellung zum Thema Schrift im Quilt hat sie das Kunstwerk „Ein Tag am Meer“ erschaffen. Auf blau gefärbtem Stoff verbindet sie hier das Medium Schrift in ihrer Kunst. Und dieses Kunstwerk soll im September im Vordergrund stehen, denn dann gibt Gabi Heimann ihr Wissen in einem Workshop an künstlerisch Interessierte weiter. Am 14. und 15. September können eigene Stoffe gefärbt und gestaltet werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Technik des Monoprints und die Weiterverarbeitung mit Druckstöcken und Schablonen. Maschinen- und Handstiche vervollständigen den gefärbten Stoff dann zu kleinen Kunstwerken. „Der Kurs ist aber nicht nur für jemanden, der künstlerisch interessiert ist. Wer Spaß daran hat Mode zu entwerfen oder Taschen selber zu nähen und sich seinen eigenen Stoff designen möchte, kann in dem Kurs viel lernen“, so Heimann.

Es sind noch Plätze frei im Workshop, Anmeldungen nimmt Gabi Heimann unter 02373/82543 oder unter gabi@gabi-heimann.de entgegen. Da der Kurs ein wenig Vorbereitung benötigt, können sich Interessierte bis zum 2. September anmelden. Der zweitägige Kurs wird zudem in Zusammenarbeit mit der VHS Menden-Hemer-Balve am 18. und 19. Januar angeboten. Am 9. November bietet die Künstlerin zusammen mit der VHS einen weiteren Kurs zum Thema Oberflächengestaltung an.

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