Serie

Von Wimpelbändern und Wandertagen

Gerhard Giesler und  Jürgen Andres präsentieren den Wimpel des SGV mit Bändern.

Gerhard Giesler und Jürgen Andres präsentieren den Wimpel des SGV mit Bändern.

Foto: Carolin Meffert / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Im Rahmen unserer Serie „Ich bin ein Sammler“ stellen wir die Wimpelsammlung des SGV Hemer vor.

Auch wenn sich die Wanderer des SGV Hemer selbst nicht direkt als Sammler betrachten, so hat sich innerhalb ihres Vereins dennoch etwas angesammelt: Wimpelbänder. „Das ist aber keine Sammlung, sondern eine Ansammlung“, stellt Gerhard Giesler, Ehrenmitglied im erweiterten Vorstand, zu Beginn klar. Zudem sei die Sammlung auch nicht einmalig oder exklusiv, denn es gibt über 200 bis 300 Vereine, die ebenfalls ihre Wimpel besitzen. Dennoch ist es interessant, einen Blick auf die Wimpelbänder zu werfen, stammen einige der Bänder noch aus den 1930er Jahren.

Wimpelbänder stammen von den Deutschen Wandertagen

„Wir bekommen die Wimpelbänder immer dann, wenn wir zu den großen Wandertagen gehen“, erklärt Gerhard Giesler. Der Wandertag des Deutschen Wanderverbands ist ein jährlich stattfindendes Treffen von Wanderfreunden aus ganz Deutschland und erstreckt sich über mehrere Tage, an denen es geführte Wanderungen und andere kulturelle Veranstaltungen gibt.

Auch in Iserlohn hat der Wandertag bereits zwei Mal stattgefunden, in 1951 und 2001. Zu diesen Festtagen gibt es dann die Wimpelbänder, die während des Festzugs an die Vereine verteilt werden und die dann an die Wimpelstangen geheftet werden.

Donnerstags beginnt der offizielle Teil des Wandertages mit dem Eintreffen der Wimpelwandergruppe. „Der Gesamtverband hat einen Wimpel. Und dieser Wimpel wird dann von einem Austragungsort zum anderen getragen.“ Und das zu Fuß, versteht sich. Gefahren werden darf der Wimpel nicht. „Das ist im Prinzip so wie mit dem olympischen Feuer“, vergleicht Jürgen Andres, Fachreferent für Natur- und Umwelt des SGV.

Nachdem der Wandertag 2001 in Iserlohn stattgefunden hat, durften die SGV-Gruppen des Einzugsgebietes, darunter auch die Hemeraner Gruppe, im darauffolgenden Jahr als Wimpelwandergruppe nach Wunsiedel wandern. Für die Wanderer bedeutete das knapp 530 Kilometer zu Fuß. „Wir haben insgesamt drei Wochen für diese Wanderung gebraucht. Die einzelnen Tagesetappen lagen zwischen 20 und 25 Kilometern“, berichtet Gerhard Giesler. Auf der langen Wanderung ist die Gruppe zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Auch auf den Wandertagen entstehen Freundschaften. „Man trifft viele Wanderfreunde, viele bekannte Gesichter. Man kennt sich und ist per Du“, erzählt Gerhard Giesler.

Es war auch im Jahr 2002, als der SGV einen ganz besonderen Wimpel mit nach Hause brachte, denn das Wimpelband aus Wunsiedel, befindet sich die Unterschrift von Edmund Stoiber, der 2002 als Schirmherr auf dem Wandertag war. „Wir waren damals die Wimpelwandergruppe. Der Stoiber war auf der Bühne und wir hatten einen guten Bekannten in der Gruppe, der sagte ‘Du, den kenne ich, von dem könnt ihr eine Unterschrift bekommen’. Und dann hat er den Wimpel unterschrieben“, erinnert sich Giesler.

Großer Festumzug ist Höhepunkt

Höhepunkt des Wandertages ist aber dann der große Festumzug. „Den Festumzug kann man sich so ähnlich vorstellen wie beim Schützenfest“, beschreibt Gerhard Giesler. Die Wandergruppen, auch als Trachtengruppen anwesend, laufen, unterteilt von Musikkapellen, im Festumzug mit ihrer Wimpelstange und Schild des Hauptvereins mit. Die einzelnen Ortsgruppen des Vereins reihen sich hintereinander auf. Im SGV können das bis zu 130 Abteilungen sein. Zum Abschluss des großen Festumzuges erhalten die Wandergruppen dann ihr Wimpelband. Derzeit hängen 25 Wimpel an der Stange des Hemeraner SGV. Es sind aber weitaus mehr, über 60 müssten es auf jeden Fall sein, schätzt Giesler. „Wir haben auch noch einen großen Wimpelstab, aber der wurde irgendwann zu schwer zum Tragen. Ein Vereinsmitglied, das handwerklich begabt ist, hat dann eine abgespeckte Version gebaut“, erzählt Jürgen Andres.

Derzeit hängen nur die neuesten Wimpel am Stab. „Wenn alle Wimpelbänder dran hängen würden, wäre das schon eine ordentliche Last, die man zu stemmen hätte. Nach zwei bis drei Kilometern Wandern merkt man das schon in der Schulter“, erklärt Jürgen Andres und ergänzt: „Außerdem wäre der Wimpel viel zu überlagert und das sieht dann auch nicht mehr schön aus.“ Die Wimpelbänder gibt es nicht nur zu den Deutschen Wandertagen, sondern auch zu den Bezirksfesten des SGV oder zu Jubiläen. Somit sind die Wimpelbänder Erinnerungsstücke an gemeinsame Erlebnisse und Zeugnis der Vereinsgeschichte.

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