Schulumzug

Zwischen Frust und tiefer Verunsicherung

Die Hemeraner Brabeck-Förderschule zieht nach Iserlohn

Die Hemeraner Brabeck-Förderschule zieht nach Iserlohn

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Nach 62 Jahren hat sich die Brabeck-Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen still und leise verabschiedet.

Mit dem heutigen letzten Unterrichtstag ist eine Schule und damit auch eine Schulform nach 62 Jahren in Hemer Geschichte: Die frühere Pestalozzischule und jetzige Brabeckschule, Teilstandort Hemer, existiert als Förderschule Lernen nicht mehr. Heimlich, still und leise haben sich die 80 Schüler und 15 Lehrer aus ihrer alten Heimat an der Bergstraße verabschiedet. Eine offizielle Verabschiedung durch die Stadt lehnten sie ab, zu tief ist die Enttäuschung über das politisch beschlossene Aus. Im kleinen Kreis mit den Eltern wurde das Ende „betrauert“. „Wir sind tief bedrückt“, heißt es aus der Lehrerschaft. Die Schüler seien vor allem höchst verunsichert, was sie im neuen Schuljahr in Iserlohn erwartet. Namentlich äußern möchte sich niemand.

In den vergangenen Tagen gehörte das Packen zum Schulalltag. So wurde immer deutlicher, welch ein Einschnitt der Umzug für die Schulgemeinschaft bedeutet. Am Mittwoch kamen die Möbelwagen, luden die Kartons mit Schulbüchern und -materialien, aber auch Stahlschränke oder den Kicker ein. Vieles muss entsorgt werden, landet im Container – so auch viele Restexemplare des Jubiläumsheftes „50 Jahre Pestalozzischule“. Darin wurde an die erfolgreiche Arbeit der Schule erinnert, die jetzt Vergangenheit ist.

Hilfsschule startete 1975mit 25 Kindern

1957 beschloss der Rat die Einrichtung einer Hilfsschule. Mit 25 Kindern begann der Unterricht in der kleinen Ohlschule unter der Ebbergkirche. Im Dezember 1965 konnte der Neubau an der Bergstraße eingeweiht werden. Der Bedarf wurde immer größer, 1972 besuchten schon 238 Kinder die Sonderschule. 1982 wurde der Anbau mit Turnhalle eingeweiht. 2007 feierte die jetzt Förderschule benannte Pestalozzischule das 50-jährige Bestehen. „Ich wünsche der Pestalozzischule für die nächsten 50 Jahre ein stets erfolgreiches und segensreiches Wirken zum Wohle und zur optimalen Förderung unserer Schüler“, dieser Jubiläumswunsch des damaligen Schulleiters Hans-Georg Gierse ist nicht in Erfüllung gegangen.

Sinkende Schülerzahlen und die Inklusion ließen in den vergangenen Jahren immer mehr Zweifel an einem Fortbestand der Förderschule in Trägerschaft der Stadt aufkommen. Das führte auch dazu, dass wichtige Investitionen in Gebäude und Ausstattung unterblieben. Der Investitionsstau hat letztlich mit zur Standortaufgabe beigetragen.

Ein erster Schritt auf dem Weg zur Schließung war die Zusammenlegung der heimischen Förderschulen Lernen. Eine Gesetzesänderung in NRW verlangte, dass eine Förderschule mindestens 144 Schüler haben musste. Das konnte nur durch Zusammenschlüsse gewährleistet werden. So ist zunächst die Pestalozzischule Iserlohn Teil der Brabeckschule Letmathe geworden. Im August 2015 wurde auch die Hemeraner Pestalozzischule zum Teilstandort der Brabeckschule unter der Trägerschaft der Stadt Iserlohn. Nach den durch die Landesregierung 2018 gesenkten Mindestschülerzahlen hätte die Förderschule in Hemer bestehen bleiben können, zumal sie die Schüler der aufgelösten Mendener Rodenbergschule aufnahm, doch die Politik favorisierte aus Kostengründen eine Zwei-Standort-Lösung. Mit übergroßer Mehrheit sprach sich der Kreistag am 11. Oktober 2018 für die Schließung der Hemeraner Schule aus. Damit scheiterten die Versuche der Städte Hemer und Balve, die Schule zu erhalten. Der Hemeraner Rat hatte sich für drei Schulstandorte ausgesprochen und Millionen-Investitionen in das Schulgebäude angekündigt. Zu spät ,wie CDU und FDP den Bürgermeister kritisierten.

Zukunft des Schulgebäudesist noch ungewiss

Für die Schüler und Lehrer bedeutet das Aus nach den Sommerferien deutlich längere Schulwege zur Mendener Straße nach Iserlohn. Der Schülerspezialverkehr verursacht zusätzlichen Aufwand und Kosten. Die Klassengemeinschaften der Hemeraner Kinder sollen fast vollständig erhalten bleiben.

Mit der Übernahme der Brabeckschule sind ab August alle Förderschulen im Kreisgebiet in der Trägerschaft des Märkischen Kreises. Einzige Ausnahme bleibt die Felsenmeerschule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung in Hemer für die der Landschaftsverband zuständig ist.

Was mit dem maroden Schulgebäude an der Bergstraße geschieht, ist noch offen. Über eine Million Euro müssten für eine schulische Nutzung investiert werden. Nur ein Beispiel für den Zustand: Der Gymnastikraum darf seit fast einem Jahr wegen Schädlingsbefall nicht betreten werden. „Wir hatten und haben einfach keine Lobby“, sagt eine enttäuschte Lehrerin. Aktuell wird geprüft, ob sich das Gebäude für die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung der Stadt für Flüchtlinge eignet.

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