Stadtverwaltung

53 Projekte in Herdecke für mehr Nachhaltigkeit bis 2030

Ein Projekt der Nachhaltigkeitsstrategie: „Herdecke räumt auf“. Diese Gemeinschaftsaktion soll es auch 2020 geben, so Sonja Fielenbach als lokale Agenda-Beauftragte (links).

Ein Projekt der Nachhaltigkeitsstrategie: „Herdecke räumt auf“. Diese Gemeinschaftsaktion soll es auch 2020 geben, so Sonja Fielenbach als lokale Agenda-Beauftragte (links).

Foto: Frauke Schumann Fotografie

Herdecke.   Die Stadt Herdecke legt eine Nachhaltigkeitsstrategie vor, die der Rat verabschieden soll. Offenes Treffen der Steuerungsgruppe am 24. Juni.

Die Ergebnisse der Europawahl zeigten jüngst, wie populär Themen wie Umwelt- oder Klimaschutz sind. Herdecker können darauf verweisen, dass ihre Stadt diesbezüglich schon länger aktiv ist. Im Juni 2016 hatte der Rat beschlossen, sich Fragen zur Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene zu widmen und dafür vorerst das Jahr 2030 als Zieldatum zu benennen. Derzeit stellt Agenda-Beauftragte Sonja Fielenbach der Politik die zwischenzeitlich erarbeitete Strategie vor, die der Rat am 4. Juli verabschieden soll.

Zweimal als Modellkommune

„Einige Maßnahmen befinden sich bereits in der Umsetzung“, erklärt Fielenbach und erläutert die Hintergründe. Die Stadt Herdecke hat sich seit 2016 als eine von 15 Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen an dem Pilotprojekt „Global nachhaltige Kommune in NRW“ beteiligt. Das Konzept: einige der weltweiten Entwicklungsziele der Vereinten Nationen hier vor Ort verankern. Dazu bildete sich eine Steuerungsgruppe mit Vertretern der Verwaltung, Politik und Herdecker Vereinen oder Einrichtungen. Diese Bürger definierten sechs Themenfelder: Bildung, Demografie, Mobilität, globale Verantwortung („Eine Welt“), gesellschaftliche Teilhabe und Gender sowie Konsum und Lebensstile.

Nach dem Abschluss dieser Projektphase 2018 soll nun – je nach Ratsbeschluss – die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie erfolgen. Nach der erfreulichen Resonanz deutschlandweit könnte Herdecke in der zweiten Runde erneut eine von 15 nordrhein-westfälischen Modellkommunen sein, die sich beim Verwaltungshandeln an globalen Zielen orientiert. Dabei soll es um ökologische, ökonomische und soziale Projekte gehen.

Soweit die Theorie. Nun zur Praxis. Die Steuerungsgruppe hat 53 Maßnahmen aufgeführt, die es zu priorisieren gilt. Dazu treffen sich die Mitglieder am Montag, 24. Juni, 17 Uhr, im Ratssaal. Interessierte Bürger sind willkommen. Die dürften dann von einigen bekannten Projekten hören. „Dabei geht es um sinnvolle Weiterentwicklungen, ein Drittel der Maßnahmen ist neu“, so Fielenbach. In der Liste stehen etwa Stadtradeln, Radverkehrskonzept, Planspiel Südsicht, Seniorenbegleitungen oder der von der Bürgerstiftung initiierte Sommerferien-Ausflug ins Klimahaus Bremerhaven als Ferienfrosch-Angebot des Kinder- und Jugend-Parlaments. Oder auch die Gemeinschaftsaktion „Herdecke räumt auf“. Perspektivisch sollen die Technischen Betriebe E-Mobile zum Beispiel für Friedhofsarbeiten erhalten. Als Grundlage dienen u.a. das 2013 entwickelte Klimaschutzkonzept oder der bald aktualisierte Demografiebericht.

Realistische Zielsetzungen

„Ideen sind genug vorhanden, wobei wir bei der Bestandsaufnahme realistisch bleiben wollten und daher nicht anstreben, bis 2030 alle Dächer mit Solarenergie-Anlagen auszustatten“, sagt die Agenda-Beauftragte. Als handfestes Gegenbeispiel nennt sie ein Bienen-Paten-Projekt und lobt auch engagierte Politiker, die sich einbringen.

Für die Verwaltung ist all das laut Bürgermeisterin ein Kraftakt, da alle Ämter zusätzlich die Nachhaltigkeitsstrategie „regelmäßig im Blick haben sollen“, so Katja Strauss-Köster und berichtet von manchen „Motivationsdellen gerade in fachfremden Abteilungen, die Sonja Fielenbach aber auffangen konnte“.

Auch wenn bei der Umsetzung vielfach städtische Abteilungen verantwortlich sind, will die Agenda-Beauftragte möglichst viele für Projekte gewinnen. Dazu soll es auch noch eine öffentlichkeitswirksame Aktion geben. Fielenbachs Aufgabe ist es, die Entwicklungen zu verfolgen und zu kontrollieren, um dann in einem Jahr eine Zwischenbilanz zu ziehen. „Manche Aufgaben gehen wir langfristig an, anderes sollte auch bald schon anlaufen.“

Nach der Priorisierung dürfte dann das Thema Geld zunehmend in den Vordergrund rücken. Für etwa die Hälfte der 53 Maßnahmen ist die Finanzierung unklar. Beispiel: Das Zertifikat „Familiengerechte kommune“ kostet 20.000 Euro.

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