Sommertour

62 Leser aus Wetter und Herdecke erkunden Stollen „Eulalia“

Vierte Sommertour 2019: Der Arbeitskreis Wetter/Herdecke des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten hat junge und erwachsene Leser in die frühere Zeche Eulalia geführt.

Vierte Sommertour 2019: Der Arbeitskreis Wetter/Herdecke des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten hat junge und erwachsene Leser in die frühere Zeche Eulalia geführt.

Foto: Steffen Gerber

Wetter/Herdecke.  Für die Sommertour der Redaktion schloss der Bergbau-Arbeitskreis Wetter/Herdecke das Tor zum Eulalia-Stollen auf. Leser kamen beeindruckt heraus

Der Musiker Klaus Lage könnte für den Eulalia-Stollen seinen berühmten Hit umdichten. „Tausend Mal passiert, tausend Mal ist nichts passiert!“ Was damit gemeint ist, bringt Walter Schöbe stellvertretend auf den Punkt. „Ich habe mich oft beim Vorbeifahren an diesem verschlossenen Tor gefragt, wie es dahinter aussieht und ob man da mal ‘rein kann“, erklärt der Wetteraner, wieso er sich für diese Sommertour der Redaktion angemeldet hat.

Erstmals in der jüngeren Vergangenheit hat der Bergbau-Arbeitskreis Wetter/Herdecke den Eingang zur früheren Zeche Eulalia an der Stadtgrenze geöffnet und somit 62 Interessierten neue Einblicke im Zillertal gewährt. Für die Führungen in dem 362 Meter langen Stollen stehen Lampen (der Arbeitskreis hat auch historische Exemplare plus Info-Material am Tor ausgestellt) und Helme bereit. „Die haben wir auch gebraucht, da der Kopf schon mehrfach an die Decke gestoßen ist“, so Leser Michael Schäl nach dem Gang durch die Dunkelheit.

Mauerwerk im ersten Abschnitt

Sieben Ehrenamtler vom Arbeitskreis haben sich und den Stollen auf die Besucher vorbereitet. Dafür zum Beispiel den Eingangsbereich von Unkraut und Bewuchs befreit, im Inneren aufgeräumt und das Loch in einer Mauer vergrößert, damit Jung und Alt dieses einzige Hindernis problemlos passieren können.

Also hinein ins Geschehen. „Hat jemand Angst vor Spinnen?“, fragt Carsten Säckl vor der 20-minütigen Tour. „Wir haben einige Netze entfernt, aber gelegentlich können noch Höhlenspinnen auftauchen.“ Es folgen weitere Hinweise. Etwa darauf, dass die Suche nach Kohle hier erfolglos verlaufen sei. „Dieser Stollen liegt 100 Meter zu tief. Die Kohle hier ist durchzogen mit dem Ruhrsandstein und nicht abbauwürdig, es handelt sich um eine Art Brandschiefer, damit lässt sich eher ein Feuer löschen“, erklärt der Bergmann vom heimischen Arbeitskreis augenzwinkernd.

Dann geht es durch den ersten und ausgebauten Teil. Zu sehen sind Reste von Regalen, die die Herdecker Firma Dörken vor und im Zweiten Weltkrieg genutzt habe. Das Unternehmen hat vor und im Zweiten Weltkrieg den Stollen als bombensicheres Material- und Maschinenlager genutzt, dort etwa Schießbaumwolle verstaut. Das endet erst in den 1980-er Jahren. Seither setzt sich die heimische Bergbau-Gruppe vor allem für den Erhalt des Mundlochportals ein, das seit 1985 in Wetters Denkmalliste steht und 2017 nach einigen Einbruchsversuchen ein neues Tor erhalten hat.

Sichtlich beeindruckt kommen die Lesergruppen dort wieder heraus. Vor allem der zweite Abschnitt im hinteren Teil ohne Mauerwerk vermittelt einen ursprünglichen Eindruck. Schlammiger Boden, Wasser am Rand in einem Rinnsal und an den Wänden („Das erinnert ja fast schon an eine Tropfsteinhöhle; so ein Teilnehmer), dazu Temperaturen von acht bis neun Grad. Die Atemluft taucht vor dem eigenen Gesicht auf. Derweil zeigt Säckl auf Sprengstoffspuren. „Zum Vortrieb kam früher Schwarzpulver zum Einsatz. Zudem lassen sich Hinweise auf Bohrungen erkennen, stecken doch Bohrlochpfeifen hier und da in den Wänden.“

Dann schauen alle links hoch, als ein so genannter Suchstollen auftaucht. Auch dieser sei wohl nicht zielführend gewesen. „Die Leute haben damals hier viel Geld und Aufwand ‘reingesteckt, aber damit letztlich nichts verdient“, meint Carsten Säckl. Dementsprechend fehlt es an historischen Karten, die den Verlauf der Wegstrecke aufzeigen könnten.

Tour endet vor einer Steinaufschüttung

Nachdem Säckl auf Schiebespuren am Rand hingewiesen hat, muss die Gruppe dann 90 Grad links abbiegen, um dem Stollenverlauf zu folgen. Nach einigen Metern ist Schicht im Schacht, eine Steinaufschüttung (vermutlich ein Abschlag) verhindert das weitere Fortkommen. „Hier geht es hoch. Wohin? Das wissen wir nicht, wollen es aber eines Tages herausfinden, wobei das sehr aufwendig ist“, meint der Bergmann.

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/211073037Auf dem Rückweg kommt die nächste Gruppe entgegen. „Glück auf“, grüßen sich die Leser. Als sie sichtlich beeindruckt wieder Tageslicht sehen, stellen sie letzte Fragen. Nach den Antworten bilanziert stellvertretend Oliver Soppart, der seit 2006 in Wetter wohnt: „Dankenswerterweise konnte ich mal in die Tiefen meiner Heimat vordringen.“

Unterstützung und Lob

Die Mitglieder des Bergbau-Arbeitskreises Wetter/Herdecke konnten sich über Verstärkung anderer Ortsgruppen aus dem Förderverein Bergbauhistorischer Stätten freuen. Dadurch standen genügend Helme und Stirnlampen vom Dortmunder Besucherbergwerk Graf Wittekind an der Hohensyburg zur Verfügung. Zudem hatte diese hiesige Truppe mit Marco Kiessler und Carsten Säckl an der Spitze im Vorfeld den Stollen besucher-tauglich hergerichtet.

Säckl kann ebenso wie Peter Otte und Sigurd Lettau, der für die Leser die Eulalia-Geschichte griffbereit auf vier Seiten aufbereitet hatte, von eigenen Bergbau-Berufserfahrungen berichten. Sie alle erhielten ein Lob für ihre Führungen. „Die haben sich echt Mühe gegeben und sind auch toll auf die Kinder eingegangen“, betonte Leif Schmidt aus Dortmund, der in Alt-Wetter aufwuchs und mit seinem Sohn zur Tour kam.

Der zehnjährige Julian interessierte sich zum Beispiel für das Gestein und erfuhr, dass sich über die Wetterlampe anhand der blauen Flamme der Methan-Gehalt erkennen lasse.

Abschließend äußerte sich auch der heimische Bergbau-Arbeitskreis zufrieden zur erstmaligen Öffnung für eine Besuchergruppe. Eine Wiederholung sei denkbar, aber noch nicht geplant.

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