Kultur

Abenteuerliche musikalische Reise auf zwei Flügeln

Die Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung hat am Sonntag einen Abend der Konzertreihe ‘Meister von Morgen’ mit den Pianisten Franziska und Florian Glemser im Werner Richard Saal präsentiert.

Die Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung hat am Sonntag einen Abend der Konzertreihe ‘Meister von Morgen’ mit den Pianisten Franziska und Florian Glemser im Werner Richard Saal präsentiert.

Foto: Veranstalter

Herdecke.   Auf den Steinway-Flügeln funkelten Sterne auf, strich ein sanfter Wind über die Tastaturen, besänftigten Ton-Tupfer die erregten Gemüter...

Ein großes Publikum begab sich am Sonntagabend im Werner Richard Saal mit Franziska und Florian Glemser, Klavier, auf eine abenteuerliche (Musik-) Reise.

Auf den beiden Steinway-Flügeln krachte und blitzte es, funkelten Sterne auf, strich ein sanfter Wind über die Tastaturen, besänftigten hauchzarte Ton-Tupfer die erregten Gemüter. Das Ehepaar war sich in allen technischen wie interpretatorischen Elementen einig: Vierfach-Triller kamen computermäßig exakt zustande, Dreiklangskaskaden rauschten hier wie dort in alle Richtungen, derbe Akkorde und überraschende Akzente hatten aufheizende Wirkung, das motivische Frage- und Antwortspiel sowie Wiederholungen mit Echowirkung funktionierten perfekt. Das Programm enthielt Klassik, Romantik und gemäßigte Moderne. Mozart eröffnete das Konzert mit seiner Sonate D-Dur für 2 Klaviere KV 448; die beiden Ecksätze um das kantable Andante waren wahnsinnig schnell, witzig, spritzig, elegant, dramatisch. Im Bruchteil einer Sekunde stimmten hier die Spieler ein einziges Mal im eiligen Rennen nicht überein.- Die Variationen von Saint-Saens (1835-1921) über ein Thema von Beethoven op. 35 befassten sich mit dem Trio des Menuetts aus dessen Sonate Es-Dur op. 31,3. Einzelne „trockene“ Akkordsprünge ohne Pedal wurden vom Partner mit rauschenden Dreiklängen beantwortet.

Kontraste schaffen Spannung

Zahlreiche Kontraste schufen Spannung: Umkehrung der Motive, Verwandlung der Melodie in superschnelle Akkordwiederholungen bei gleich bleibendem Rhythmus, fugenartige Verarbeitung, Rückkehr zum Anfang: Ein perfektes Rasen und Blitzen, dazwischen Verweilen im ruhevollen Gesang. Der Franzose Paul Dukas (1865-1935) beschrieb in einem Scherzo für Orchester die Ballade „Der Zauberlehrling“ von Goethe. Die Bearbeitung für zwei Klaviere büßte nichts an Spannung ein, aber man vermisste ein wenig die Farbigkeit der Instrumente.

Die Klaviere begannen quasi mit nachdenklichem Sound: Der Zauberlehrling überlegte: Soll ich es wagen? Danach war im Verlauf des Stücks die Hölle los. Der herbeigezauberte Besen schleppte einen Wassereimer nach dem anderen, der Zauberlehrling teilte ihn mit der Axt in zwei Hälften: Ein ohrenbetäubendes Krachen. Schrille übereinander geschichtete Akkorde schilderten das Unglück, dass nun zwei Besen die Überschwemmung verschlimmerten, bis der Meister bei seiner Rückkehr den Schaden behob und seinem Schüler eine beruhigende Ermahnung erteilte. Auch die romantische „Nussknackersuite“ op. 71a von Tschaikowsky (1840-1893) war eine Bearbeitung für zwei Klaviere. Nach der fröhlich springenden Miniatur-Ouvertüre gliederten sich die Sätze in unterschiedliche Tänze:

Einen flotten Marsch, den Tanz der Zuckerfee im Diskant, einen russischen Bauerntanz, einen arabischen Tanz in fernöstlich anmutender Moll-Melodik mit kleinen motivischen Verwirbelungen zu gleich bleibendem Klopf-Rhythmus, einen chinesischen Tanz mit springenden Akkorden, einen „Danse des Mirlitons“ (Rohrflötentanz) und den charmanten „Blumenwalzer“, in dem sich die Pflanzen zu einem wahren Farben-Klangmeer entfalteten. Rasende Akkordläufe trugen dazu bei. Stürmischer Beifall und Bravo-Rufe führten zu der Brahms-Fantasie über die russische Nationalhymne als Zugabe.

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