Ruhestand

Abschied vom Herdecker Freibad nach 33 Jahren

Abschied von Bärbel Gebert (3. von rechts): Eine Schwimmer-Gruppe möchte sich bei der langjährigen Freibad-Kassiererin bedanken. Foto: privat 

Abschied von Bärbel Gebert (3. von rechts): Eine Schwimmer-Gruppe möchte sich bei der langjährigen Freibad-Kassiererin bedanken. Foto: privat 

Herdecke.  33 Jahre lang verkauft Bärbel Gebert Freibadtickets im Kassenhäuschen, kümmert sich um den Nachwuchs und legt Regeln fest. Jetzt sagt sie Adé.

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Ja, es ist so weit. Immerhin sitzt sie seit 33 Jahren da, wo sie in den Sommermonaten immer gesessen hat. Besonders dann, wenn andere Menschen Urlaub machten: in ihrem Kassenhäuschen. Hier hat sie den Überblick über Heimat-Urlauber. Sie kennt hier alle, die Badegäste des Herdecker Freibades. Niemand kommt seit Jahrzehnten an ihr vorbei. Bärbel, die liebenswerte, zuverlässige graue Eminenz. Ihren Nachnamen kennen manche, kaum jemand nennt sie aber Frau Gebert.

„Eine Instanz ist Bärbel“, weiß ein Badegast zu ergänzen. Ein freundliches Lächeln, ein ebenso prüfend wissender Blick, wenn ihre „Urlaubs-Freibadkinder“ probten, über die Strenge zu schlagen. „Bärbel sieht aber auch alles“, mussten sie zur Kenntnis nehmen, um noch einen Nachsatz hinterher zu schieben: „Die ist total in Ordnung.“

Kinder gut aufgehoben

Ja, das fanden wir junge Eltern auch. Wir wussten unsere Kinder allein im Freibad sicher aufgehoben. Denn: Bärbel war ja da. Sie übernahm so etwas wie Fürsorge für Kinder und heranwachsenden Jugendlichen. Fragen mussten wir Eltern nicht, wenn wir unsere Kinder im Freibad abholten, wo sie zu finden sind. Kurz einen Blick ins Kassenhäuschen geworfen, dort gab Bärbel Auskunft, wer sich wo mit wem aufhielt.

Dass in den Anfangszeiten medialer Vergnügungen das mitgebrachte Handy an der Kasse abgeliefert wurde, war selbstverständlich. Sportliches Schwimmen war angesagt. Bärbel legte die Regeln fest. Klar, freundlich und bestimmt mit einem Augenzwinkern des Verstehens. Eltern lernten Bärbel in einer Funktion der Selbstverständlichkeit kennen. Fachspezifisch würden wir sagen: Kinder lernten Bewegungs- und soziales Verhalten im außerschulischen Lernort Freibad Herdecke.

Mehr als nur Dienst schieben

Bärbel übernahm Verantwortung. Auch über das vielleicht dienstlich notwendige Maß hinaus. Denn zu den Dienstaufgaben zählte es auch nicht, wenn sie die „Oldies“ am frühen Morgen begrüßte mit den Worten: „Guten Morgen, meine Lieben, alles in Ordnung? Gesund und munter? Wie sieht es bei Dir mit der Hüfte aus? Leg Du Dich am besten erst einmal ins Sprudelbad zur Massage der Schulter – oder ist es besser geworden? Irmi, was ist mit deinem Schlüssel? Kannst du kurz bei mir deponieren.“

Und auch am Ausgang blieb Zeit für einen Plausch. „Ach nee, war das wieder schön heute“, verabschiedeten sich die Gäste – gefühlt um Jahre vergnüglich verjüngt – nach dem frühmorgendlichem Schwimmen bei jeder Wetterlage.

Mehr als eine Zahlstelle

Wie lässt sich das auf den Punkt bringen? Unterstützende Gemeinwesenarbeit im sozialen Umfeld des öffentlichen Herdecker Freibades. Und das Generationen übergreifend seit vielen Jahrzehnten. Dafür ist an dieser Stelle ein Dank fällig. Weil es das mit uns allen in die Jahre gekommene, geschichtsträchtige und Patina ansetzende Freibad gibt.

Vor allem aber auch ein Dank an die erste und vielleicht letzte Frau Bärbel im Kassenhäuschen, das so viel mehr ist als eine Zahlstelle.

Dagmar Sommerfeld ist als Frühschwimmerin Stammgast im Herdecker Freibad und hat aus Dankbarkeit in Abstimmung mit der Lokalredaktion diesen Artikel verfasst.

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