Geschichte(n)

Adliger Besuch teuer für Bürger in Wetter

Johann Moritz von Nassau-Siegen um 1668

Johann Moritz von Nassau-Siegen um 1668

Foto: Archiv Gerhard E. Sollbach / WP

Wetter.  Als Fürst Johann Moritz einst mit seinem Gefolge in Wetter weilte, mussten die Bewohner sich um die Verpflegung von Mensch und Tier kümmern.

Im Sommer 1663 und erneut Anfang des Jahres 1664 hatte Wetter hohen und sogar hochadligen Besuch. Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen hielt sich mit seinem Gefolge auf der Hin- und Rückreise jeweils mehrere Tage am Ort auf. Der Fürst gehörte zu den bekanntesten und bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit mit vielseitigen Funktionen. Er war niederländischer Feldmarschall, ehemaliger Generalgouverneur der niederländischen Besitzungen in Brasilien, kurfürstlich-brandenburgischer Statthalter des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark, Herrenmeister des Johanniter-Ordens und auch ein großer Mäzen von Kunst und Wissenschaft. Was ihn zu seiner Reise 1663/1664 veranlasste, geht aus der im Stadtarchiv Wetter erhaltenen Akte nicht hervor.

Kein Wein am Ort

Die Ankunft des Fürsten mit seinem Gefolge von mindestens einem Dutzend Personen, mit Wagen und Pferden am 26. August 1663 erfüllte die Bewohner von Wetter oder vielmehr diejenigen aus der Freiheit nicht mit Freude. Der fürstliche Besuch verursachte ihnen nämlich nicht nur erhebliche Kosten und Unbequemlichkeiten, sondern auch noch Verdruss. Die Gäste mussten nämlich in den Bürgerhäusern in der Freiheit untergebracht und von deren Bewohnern auch auf ihre eigenen Kosten mit Essen und Trinken versorgt werden. Was die Getränke betraf, so konnten für das Gefolge Bier und Branntwein ausreichen. Doch für den Fürsten selbst musste es Wein sein. Wein war in Wetter aber überhaupt nicht vorhanden. So wurden eiligst zwei Einwohner, Jorgen Brassmann und Peter Neleken, nach Hattingen geschickt, um Wein zu holen. Der Fürst und sein Gefolge blieben zwei Nächte.

Unterbringung in den Bürgerhäusern

Aus den Aufstellungen der Bürger, bei denen Einquartierungen erfolgt waren, über die ihnen für die Verpflegung der Personen (Mahlzeiten, Bier und Branntwein) und das Futter für die Pferde entstandenen Kosten, ergibt sich, dass in insgesamt sechs Häusern das Gefolge untergebracht war, und zwar bei Caspar Neuhauß drei Personen und drei Pferde; bei Dieterich Tilmann zwei Pagen, ein Küchenschreiber und zwei Köche; bei Hernighauß drei Jäger und ein Pferd; bei Johann Habermann ein Reiter und bei Blankenagel zwei Wagenmeister und ein Diener. Auch das Haus von Hermann Schmit war zur Einquartierung herangezogen worden. Allerdings enthält seine Kostenaufstellung keine näheren Angaben dazu. Auch darüber, wo Fürst Johann Moritz in Wetter logiert hat, schweigt die Akte. Wahrscheinlich war er in dem Amts- und Wohnsitz des kurfürstlich-brandenburgischen Drosten in der Freiheit untergebracht.

Auf Kosten sitzengeblieben

Für den wiederum zweitägigen Aufenthalt vom 7. bis 9. Februar 1664 des Fürsten und seiner Begleitung in Wetter auf der Rückreise mussten wieder sechs Wohnhäuser von Bürgern für die Einquartierungen requiriert werden. Darunter befanden sich auch die Wohnhäuser von Bürgern, die bereits bei der Ankunft des Fürsten Einquartierungen hatten hinnehmen müssen. Eines davon war das Haus des bereits erwähnten Dieterich Tilmann. Den mit der Einquartierung belegten Bürgern war wohl vom Rat versprochen worden, dass die ihnen entstandenen erheblichen Kosten ersetzt würden. Doch die Gemeinde war äußerst finanzschwach. Als die betreffenden Bürger ihre Kostenaufstellungen dem Rat einhändigten, stellte sich auch schnell heraus, dass die Gemeindekasse gar nicht über genügend Geldmittel verfügte, um alle Forderungen zu befriedigen. Zu denen, die leer ausgingen, gehörte auch Dieterich Tilmann. Er wandte sich schließlich im Mai 1665 an den Drosten in Wetter um Hilfe. Ob Tilmann sein Geld schließlich bekommen hat, lässt sich auf Grund fehlender weiterer Nachrichten nicht mehr feststellen.

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