Geschichte

Alte Wetterstraße schon früher nicht benutzbar

Aufforderung vom 12.7.1689 des landesherrlichen Drosten Goswin Adolf von der Heyden in Wetter an den Magistrat der Stadt Wetter, den Weg nach Herdecker so wiederherzustellen, dass er ohne Gefahr benutzt werden könne.

Aufforderung vom 12.7.1689 des landesherrlichen Drosten Goswin Adolf von der Heyden in Wetter an den Magistrat der Stadt Wetter, den Weg nach Herdecker so wiederherzustellen, dass er ohne Gefahr benutzt werden könne.

Foto: Repro: Stadtarchiv Wetter

Wetter/Herdecke.  Derzeit ist die Wetterstraße zwischen Herdecke und Wetter wegen der Hangsicherung gesperrt. Dort gab es früher schon Probleme.

Der Weg zwischen Wetter-Freiheit und Herdecke war schon früher ein ständiges Sorgenkind der Behörden und ein Ärgernis für die Benutzer. Vor allem das Teilstück am Hang des heutigen Harkortbergs, das durchaus passend örtlich die Klippen heißt, beschäftigte immer wieder den Rat von Wetter.

Tiefe Spurrillen

Der war nämlich für den Unterhalt des Wegs bis zur Gemeindegrenze von Herdecke zuständig. Das eine Problem war der Zustand der Fahrbahn. Bis in die 1820er Jahre besaß der Weg keine feste Fahrbahndecke. Die Räder der Wagen und Karren gruben daher im Laufe der Zeit immer tiefere Spurrillen in den Erdweg. Ein Übriges taten die Regenfluten, die den Weg weiter auswuschen und zu einer grundlosen und gefährlichen Schlammbahn machten. Die ständig notwendigen Instandsetzungsarbeiten wurden vom Rat auf Grund der meist leeren Gemeindekasse aber nur zögernd und erst auf massiven Druck der Behörden veranlasst.

Vor allem davon geben die im Stadtarchiv in Wetter aufbewahrten Akten Auskunft. Die älteste stammt aus dem Jahr 1689. Darin befiehlt der landesherrliche Drost in Wetter, Goswin Adolf von der Heyden, dem örtlichen Rat unter Androhung einer hohen Geldstrafe von 20 Gulden nochmals, den „unbrauchbar“ gewordenen Weg am Steilhang endlich wieder herzustellen, sodass er ohne Gefahr wieder benutzt werden könne. Zusätzlich sollten an den gefährlichen Hangstellen starke Bäume gepflanzt werden.

Ein weiteres Gefahrenpotenzial waren die früher häufigen größeren oder kleineren Felsstürze an dem damals ja nicht gesicherten Hang des Klippen-Teilstücks. Ein solcher Felssturz ereignete sich z. B. im Juni 1804. Da der Magistrat es unterließ, das Geröll von dem Weg wegzuschaffen, war die Passage zwischen Wetter und Herdecke wieder einmal gesperrt. Doch nicht nur wegen des schlechten Zustands der Fahrbahn und der Felsstürze war die Benutzung des Wegs gerade entlang der Klippen (lebens-)gefährlich.

Bis Ende der 1830er Jahre führte der Weg nämlich an dieser Stelle erheblich steiler hinunter als die heutige Straße. Zudem war er auch noch sehr schmal. Das stellte auch der lutherische Pfarrer Johann Moritz Schwager aus Jöllenbeck fest, der am Nachmittag des 4. Juli 1802 von Herdecke nach Wetter fuhr. Nach seiner Beobachtung konnte das Wegstück entlang der Klippen nur mit größter Vorsicht befahren werden. Wenn die Pferde sich auch nur einen Fußbreit zur fast senkrecht zur Ruhr hinabgehenden völlig ungesicherten äußeren Hangseite hin biegen sollten, dessen war sich der Pfarrer sicher, würden Pferde und Wagen unweigerlich hinabstürzen. Er zog es daher vor, auszusteigen und den Weg zur Freiheit hinauf zu Fuß zu machen.

Preußen kommt ins Boot

1823 war der Weg auf maßgebliches Betreiben von Peter Nikolaus Harkort (I.), dem Eigentümer von Haus Schede und einer Eisen- und Stahlfabrik in Wetter-Schöntal, aber chausseemäßig ausgebaut, nämlich mit einer festen Fahrdecke aus zerschlagenen Steinen versehen worden. Zudem hatte man das Teilstück an den Klippen in einen solchen Zustand gebracht, dass es nunmehr ohne das Risiko eines jähen Absturzes befahren werden konnte. 1829/1830 übergab Wetter den Weg an den preußischen Staat unter der Bedingung, dass er weiter ausgebaut würde. Mit dem Ausbau ist dann auch 1838 begonnen worden. Dabei entstand im Wesentlichen die heutige Straßenführung, wobei der Weg verbreitert und auch der steile Abstieg unmittelbar hinter der Freiheit entschärft wurde.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben