Historischer Stammtisch

Alte Zeiten im Schöntal von Wetter mit Pferden und Baden

Das waren noch Zeiten, als es die ehemalige Panzerstraße, die früher zur Reme führte, gab. Ein schönes Foto auch angesichts der alten VW Käfer.

Das waren noch Zeiten, als es die ehemalige Panzerstraße, die früher zur Reme führte, gab. Ein schönes Foto auch angesichts der alten VW Käfer.

Foto: Archiv Joachim Lamle

Wetter.   Historischer Stammtisch mit dem Thema Schöntal: Wetteraner erinnern sich an ihre Schulzeit, Einkäufe, Straßenzüge und frühere Anwohner.

Metzgerei und Milchgeschäft, Bäckerei und Kneipe, Druckerei und Hufschmied und Installateur – dicht an dicht reihten sich in früheren Zeiten Händler und Gewerbetreibende im Herzen des Schöntals, der Schöntaler Straße. Sie stand beim nunmehr sechsten Treffens des historischen Stammtisches im WSG-Café 1898 im Mittelpunkt von Erinnerungen und Anekdoten alteingesessener Wetteraner.

„Gehen wir zu Beginn gedanklich die Karlstraße hinunter Richtung Schöntaler Straße. Könnt ihr Euch noch an das kleine Feuerwehrhäuschen hinterm Gravemannhaus erinnern? Das wurde noch mit Pferd und Wagen betrieben“, eröffnete Gerda Lamle die lockere Runde. „Natürlich“, erwiderte Helmut Scholz, „von dort ist die Feuerwehr zunächst zur Wilhelmstraße und danach wieder zurück ins Schöntal an die Wasserstraße gezogen.“

Wer einst von der Karlstraße nach rechts in die Schöntaler Straße einbog, der konnte in der Gaststätte Blome einkehren – zum Essen, Tanzen oder auch zum Kegeln. Das Lebensmittel- und Milchgeschäft Butterweck schloss sich an. „Damals haben wir noch nachhaltig eingekauft“, erzählt Helmut Schuchardt, „wir haben nämlich unsere Kannen zum Milchholen mitgenommen.“ Vorbei an der Schreinerei Reidt, der Druckerei Baum und dem Hufschmied Duhme gelangte man zur Druckerei und Schreibwaren Edelhoff. „Martin Edelhoff hat die wettersche Zeitung und das Kirchenblättchen gedruckt“, kann Schuchardt sich noch gut erinnern. „Und wenn man bei Edelhoff bezahlt hatte, fragte die Verkäuferin immer: Wollen Sie Bildchen oder Blöckchen? Den Spruch kannte in Wetter damals jeder“, erzählt Wolfgang Heidtmann unter dem zustimmenden Gelächter der übrigen Stammtisch-Besucher.

Heidtmann weiß auch zu berichten, dass der Sohn des Eigentümers der Villa Gockel mit einem sogenannten Holländer durch die Gegend fuhr – einem Fahrzeug mit Kurbelschwinge, das nur Kinder reicher Leute besaßen. „Gockel war übrigens Direktor bei Harkort Eicken. Und in der einstigen Villa ist heute die freie evangelische Gemeinde beheimatet“, so Klaus Hippenstiel am Rande, während Wolfgang Heidtmann ein weiteres historisches Detail nennt: „Das Gebäude hat übrigens mal direkt an der Ruhr gestanden, wurde dann aber wegen der Hochwasser Stein um Stein abgetragen und an der Schöntaler Straße wieder aufgebaut.“

Mühlenfeldschule

Auf der anderen Seite der Schöntaler Straße wandern die Stammtisch-Teilnehmer nun gedanklich wieder zurück und machen ihren nächsten Stopp an der Mühlenfeldschule. „Da war ich“, meldet sich Dörte Janota zu Wort, und flugs schnellten weitere Hände in die Höhe, meldeten sich weitere Wetteraner: „Ich auch.“ – „Ich auch.“ – „Ich auch.“ Dörte Janota wurde 1946 dort eingeschult. Antje Waskönig, geborene Elkemann, gehörte zum Einschulungsjahrgang 1949. Sie hat sogar ein Foto von ihrem ersten Schultag zum Stammtisch mitgebracht, das nun reihum gereicht wird. „Vier Klassen gab es. Und erinnert ihr Euch noch an Lehrer Steinebach?“, fragt Antje Waskönig in die Runde und erntet ein zustimmendes Nicken.

Nach Metzgerei Schleyer und Bäckerei Wolf geht es rechts in die frühere Panzerstraße, die einst zur Verwaltungs der Reme führte. „Die Straße war nicht aus Asphalt, sondern aus Betonplatten, damit die Panzer drüber fahren konnten“, sagt Wolfgang Heidtmann. „Dann kam das Beamtenhaus und Metzger Grünewald“, zählt Gerda Lamle auf. „Wer kann sich denn noch an die alte Amanda Lappe erinnern? Die immer in die Kneipen ging und mit den Worten ,Guck mal, habe ich nicht einen schönen Busen?’ jedem ihr Dekolleté zeigte“, fragte schließlich Helmut Schuchardt und hatte die Lacher auf seiner Seite. Wolfgang Heidtmann konnte sich sehr wohl an die damals schon über 60-Jährige erinnern, die aussah, als hätte sie „ziemlich exzessiv gelebt“: „Die ging immer in die Reme-Kantine. Und wenn sie reinkam, riefen alle: Hurra, Amanda ist da.“

Schwimmausflüge im Obergraben

Mit den Erinnerungen von Gerda Lamle an nicht ganz ungefährliche Schwimmausflüge im Obergraben endet die Stammtisch-Runde zum Thema Schöntal. „Es war natürlich verboten, vor den Turbinen ins Wasser zu gehen. Wir haben auch immer wieder Ärger mit einem Aufseher bekommen. Bis Oma Gleim, die ja dort wohnte, uns gesagt hat: Ihr könnt ruhig schwimmen gehen, eure Sachen könnt ihr bei mir auf der Terrasse liegen lassen. Dann haben wir Kinder im Wasser rumgetobt und sind erst wieder rausgekommen, als es schon dunkel war.“

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