Kohle-Serie

Arbeitskreis Wetter/Herdecke erforscht Schlebuscher Stollen

Es geht abwärts: Zum Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier gehört auch ein Arbeitskreis für Wetter und Herdecke. Vorsitzender Carsten Säckl, Stellvertreter Marco Kiessler und Co. erforschen vor allem den Schlebuscher Erbstollen

Es geht abwärts: Zum Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier gehört auch ein Arbeitskreis für Wetter und Herdecke. Vorsitzender Carsten Säckl, Stellvertreter Marco Kiessler und Co. erforschen vor allem den Schlebuscher Erbstollen

Foto: Bergbau-Verein

Wetter/Herdecke.   Suche nach Kohle: Während jetzt das Ende des Bergbaus begangen wird, können Wetteraner und Herdecker auf die Anfänge im hiesigen Raum verweisen.

Ende Dezember (am 21.12. in Bottrops Bergwerk Prosper-Haniel) ist bekanntlich Schicht im Schacht. Dabei begann der Bergbau, ehe er sich flussabwärts im Ruhrpott ausbreitete, im hiesigen Raum. „Ich bin der felsenfesten Überzeugung“, sagt etwa Marco Kiessler vom örtlichen Bergbauverein, „dass im Stadtgebiet Wetter die organisierte Suche nach Kohle begonnen hat und nicht – wie weithin geschrieben wird – im Wittener Muttental.“

Er bezieht sich auf einen Eintrag, der im Zusammenhang mit der Silscheder Zeche Adler auftauchte, wonach um 1500 Leute einen Stollen durch 300 Meter Sandstein-Felsen trieben und das schwarze Gold aufstöbern wollten. Kiessler: „Es ist davon auszugehen, dass einzelne Unternehmungen hier schon rund 200 Jahre vorher starteten.“ Schon im Mittelalter gab es vereinzelt einfachen Abbau in so genannten Pingen. Ziel (wie auch nach dem Zweiten Weltkrieg): Eigenbedarf.

Während die Flöze damals gewissermaßen aus der Erde schauten, sollten dann vor allem die Erfindung der Dampfmaschine und das Wirken von Friedrich Harkort oder des Freiherrn vom Stein das gewerbliche Suchen nach Kohle befeuern. Schließlich gelangten die Hauer und Stecher dadurch in tiefe und nassere Regionen, konnten sie doch in der Nähe von Flüssen oder Gewässern wie der Ennepe die Mergelschicht durchstoßen. Wichtig waren zudem die Abfuhrwege, die Kohlenbahn ist Wetteranern auch heute noch ein Begriff.

„Die Grundvoraussetzungen für einen gezielten Abbau waren hier gegeben“, sagt Kiessler und denkt an das Vorkommen von Eisenerz sowie Wasserkraft, nicht zu vergessen die damals schiffbare Ruhr.

Auch der Herdecker Raum, wo meist kleinteilig gesucht wurde, geriet früh ins Visier. So habe der Stollen Gotthilf am Schiffswinkel das Steinkohlenflöz Sengsbank aufgeschlossen, dieses gilt aus geologischer Sicht als das älteste abbauwürdige Flöz im Ruhrgebiet. Zu verorten war dieses auch an der Hohensyburg, am Kaisberg und eben südlich des Hengsteysees.

Genug Anlässe, aus heimischer Sicht auf ausgewählte Bergbau-Aspekte zu schauen. In einer vierteiligen Serie stellt die Redaktion erst die Ausflüge des örtlichen Arbeitskreises im Schlebuscher Erbstollen vor. In der nächsten Woche präsentieren frühere Bergleute ein neues Buch der AVU zur Albringhauser Zeche Neuwülfingsburg. Am 21. Dezember geht es um das Cuno-Kohlekraftwerk und die Zeche Auguste am Schnee, den vorläufigen Serienabschluss bildet am letzten Freitag 2018 die Suche nach kleinen Herdecker Stollen.

Die Abenteuer im Schlebuscher Erbstollen

Allein die Dimensionen beeindrucken: Der Schlebuscher Erbstollen entstand in rund 130 Jahren Bauzeit, die entwässerte Fläche beträgt rund 40 Quadratkilometer, in einem Schacht geht es schon mal 170 Meter hinunter. Wer sich rund 13 Kilometer zwischen dem Mundloch an der Ruhr in Voßhöven bis Sprockhövel-Horath unter die Erde wagt, muss einen ausgeprägten Sinn für Abenteuer haben. Das trifft auf Carsten Säckl und Marco Kiessler zu. Der örtliche Bergbau-Arbeitskreis mit dem Duo an der Spitze erforscht seit Jahren, den laut Internetlexikon Wikipedia, längsten Steinkohle-Erbstollen im Ruhrgebiet.

Kürzlich berichteten die Beiden bei einem VHS-Vortrag im historischen Ratssaal von Wetter, wie es heute im dunklen Schlebuscher Gebiet aussieht. Was 1765 mit der Mutung begann und 1930 mit dem (vorläufigen) Betriebsende aufhörte, kennen die heimischen Vereinsleute zu einem Drittel. „Da unten ist es zum Teil zwar schön ausgemauert, doch das hohe Wasservorkommen erschwert das Vorankommen. Bei hoher Fließgeschwindigkeit geht da keiner rein“, so Vorsitzender Säckl, der von einer hervorragenden Wasserqualität berichtet.

Ein weiteres Sicherheitsthema bei meist konstanten zehn Grad im Stollen: CO2. „Das kann sich da unten konzentrieren. Wer in eine Blase gerät, kann ohne entsprechende Vorkehrung umfallen“, erläutert Kiessler und verweist neben Messgeräten auf warnende Wetterlampen, deren Flamme bei einem zu hohen CO2-Gehalt erlischt. Zudem droht Steinschlag-Gefahr. „Wenn wir lose Steine etwa in Gewölben entdecken, befestigen wir diese auch, damit uns nicht die Decke auf den Kopf fällt. Insgesamt ist dort aber vieles stabil“, so Säckl.

Mit Neopren-Anzug, Stirnlampe, Helm und Seil geht es im meist mindestens kniehohen Wasser langsam vorwärts. Touren können schon mal mehr als zehn Stunden dauern. Dann können Säckl, Kiessler und Co. zum Beispiel alte Öllampen, Gleisreste, Förderwagen im Schlamm oder Entfernungstafeln (mit Angaben in Lachter) mit unterschiedlichen Jahreszahlen fotografieren. Zu sehen bekommen sie manchmal auch Fische oder Stechmücken, wegen des hohen CO2-Gehalts aber keine Fledermäuse. „Manchmal sieht es dort unten aus wie in einer Tropfsteinhöhle“, berichtet Kiessler.

Das Kartenmaterial sei nur bedingt tauglich, Orientierung bieten Magnetmessungen oder Lichtlöcher. „Jedes dritte blieb offen“, erklärt Säckl. Mit der Eigentümerin AVU (der Energieversorger unterstützt den Arbeitskreis) haben die Bergbau-Vereinsleute gezielte Öffnungen und Verschlüsse besprochen, um das Unter-Tage-Gelände zu sichern. Auch das THW half dabei oft mit oder kam zu Übungen.

Zugang zur Zeche Trappe gesucht

Das Ziel des Arbeitskreises: den Schlebuscher Erbstollen weiter erforschen. „Das letzte begehbare Teilstück am Löwen-Querschlag nahe der früheren Zeche Neuwülfingsburg ist trotz einer Drucktür als Stütze in einem katastrophalen Zustand, da ist es zu heikel“, meint Carsten Säckl. „Der Stollen lässt uns aber nicht los, hoffentlich finden wir mittelfristig noch einen Zugang zur früheren Zeche Trappe. Wir waren schon mal nah dran. Wenn wir tatsächlich eine Strecke finden, wäre das ein Traum.“

>>> für weitere Fotos aus dem Schlebuscher Erbstollen hier klicken

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