Gericht

Arzttermin verschafft bei Unfall kein Sonderrecht

Ein 61-jähriger Mann aus Herdecke war in Eile und muss sich nun vor dem Amtsgericht Wetter verantworten.

Ein 61-jähriger Mann aus Herdecke war in Eile und muss sich nun vor dem Amtsgericht Wetter verantworten.

Foto: Kurt Michelis

Wetter/Herdecke.  Fahrverbot: Wegen eines dringenden Besuchs beim Doktor kümmerte sich ein Herdecker nicht sofort um einen Unfallschaden vom Einparken.

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Die Zeit saß ihm im Nacken, eine Verzögerung war das letzte, was er brauchen konnte. In dieser Lage traf ein Herdecker die falsche Entscheidung: Obwohl ihn eine Zeugin darauf hinwies, dass er gerade beim Einparken ein anderes Auto beschädigt hatte, verließ er den Ort des Geschehens. Das bescherte ihm nun eine Premiere der unangenehmsten Art: ein Verfahren wegen Unfallflucht.

Totalschaden

Ein wichtiger Arzttermin trieb den 61-jährigen Mann aus Herdecke am 15. Januar in Wetter zur Eile an. Er parkte sein Auto auf einem Stellplatz an der Burgstraße in Alt-Wetter, stieg aus und traf auf die Zeugin, die ihn informierte, dass er zuvor den fremden Wagen beschädigt habe. Tatsächlich war an dem anderen Fahrzeug durch sein Verschulden ein Schaden von knapp 1700 Euro entstanden – ein wirtschaftlicher Totalschaden. Dennoch ging er zunächst zum Arzt und fuhr danach weg. Und das hatte böse Folgen.

Wenig später wurde ihm ein Strafbefehl zugestellt: Wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort sollte er zu 40 Tagessätzen à 40 Euro Geldstrafe und sechs Monaten Fahrverbot verurteilt werden. Er legte Einspruch ein.

Dem Einspruch folgte nun eine Verhandlung vor dem hiesigen Amtsgericht. Dort überließ der Herdecker das Reden in erster Linie seinem Rechtsanwalt Jörg Habenstein. Der stellte schnell klar, dass sein Mandant eine Kollision nicht ausschließen wolle, deutete aber auch an, dass er gar nicht habe flüchten wollen. Der Verteidiger warb um Verständnis für den Angeklagten. Der sei schwerkrank, könne nicht weit laufen und habe daher auch größere Probleme mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Gequältes Eingeständnis

Letztendlich ging es dem Juristen ausschließlich um die Dauer des Fahrverbots. Aus diesem Grund wurde der Einspruch gegen den Strafbefehl schließlich auf die Rechtsfolge beschränkt, und somit räumte der Herdecker den Vorwurf damit automatisch ein – wenn auch sichtlich gequält. Sein Anwalt brachte es auf den Punkt: „Es ist wirklich schwierig, wenn man von seiner Unschuld überzeugt ist, aber angesichts der Beweislage stimmen wir der Beschränkung zu.“ Der Angeklagte fügte kurz darauf hinzu: „Ich hatte einen ganz dringenden Termin beim Arzt, der direkt nebenan war. Ich habe das auch ganz deutlich gemacht.“

Fahrverbot halbiert

Der „Sprung über den Schatten“, die bis dahin vollkommen leeren Straf- und Verkehrsregister sowie der Umstand, dass der Schaden bereits reguliert wurde, sprachen für den Mann aus Herdecke. Auch ging Richterin Sonja Baumann zu seinen Gunsten von einem Augenblicksversagen aus. Denn trotzdem habe er nicht weggehen dürfen. Zwar blieb es bei den 1600 Euro Geldstrafe, doch das Fahrverbot wurde von sechs Monaten auf drei Monate reduziert. Ein Urteil, dass der 61-Jährige umgehend akzeptierte.

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