Silvesterlesung

Auf der Bühne im Stiftsplatztheater zünden die Pointen

Opernsängerin Edeltraud Kwiatkowski und die singende Cellistin Katrin Geelvink gefielen dem Publikum.

Foto: Jana Peuckert

Opernsängerin Edeltraud Kwiatkowski und die singende Cellistin Katrin Geelvink gefielen dem Publikum. Foto: Jana Peuckert

Herdecke.   Für Edeltraud Kwiatkowski und Katrin Geelvink war es eine Premiere. Und doch kam ihr gemeinsames Programm im Stiftsplatztheater bestens an.

Als „nicht so ruhig wie sonst, sondern etwas frecher“ kündigte Rosi Reiß, Leiterin des Stiftsplatztheaters, die Aufführung am Silvestertag an. Damit hatte sie nicht übertrieben, wie das Publikum im voll besetzten Zimmertheater schnell merkte.

Ursprünglich sollten, wie in den elf Jahren zuvor, Verena Plümer und Ehemann Wolfgang Packhäuser das Jahr mit einer besinnlichen Lesung verabschieden. Doch der Tod der Mutter und Schwiegermutter, Aileen Anne Plümer, traf das Paar hart, so dass ein Auftritt im Theater emotional nicht möglich war. Spontan sprangen die Opernsängerin Edeltraud Kwiatkowski und die singende Cellistin Katrin Geelvink ein.

Tucholsky und Kästner im Gepäck

Beide kennen sich seit vielen Jahren, hatten bislang aber noch nie gemeinsam auf der Bühne gestanden. Das war ihnen allerdings nicht anzumerken. Wie ein eingespieltes Team harmonierten die Frauen bei ihren aufeinander abgestimmten Vorträgen. Den Beginn machte ­Geelvink. In ihrem Lied, das sich in mehreren Teilen durch das ganze Programm zog, kämpfte eine Frau damit, nicht einschlafen zu können. Statt über einen Zaun zu springen, gucken sie die Schafe nur dumm an. Auch das Denken an Märchen wie Schneewittchen hinter den sauerländer Bergen hilft nicht. Verzweifelt greift die Frau im Lied zum Telefonhörer und wählt die Nummer einer Hotline für Schlafstörungen. Dort soll sie in der Leitung bleiben.

Die Wartezeit vertrieb Edeltraud Kwiatkowski dem Publikum mit einer literarischen und äußerst humorvollen, von Kurt Tucholsky und Erich Kästner begleiteten Lesereise ins Berlin der 1930er Jahre. Mit Berliner Schnauze erzählte Kwiatkowski von einem Aufenthalt im Luftschutzbunker. Gekonnt setzte sie „icke, ditte, kicke mal“ ein, um die Zuhörer selbst über das ernste Thema Krieg lachen zu lassen. Aber auch die Ernsthaftigkeit fand in Kästners Fantasie, in der die Frauen alle ihre Brüder, Söhne, Ehemänner und Väter einsperren und dadurch den Krieg verhindern, ihren Platz.

Solch Schwere war aber nur eine Ausnahme in dem heiteren Programm. Die schlaflose Frau in Geelvinks Stück ist immer noch wach und wird nun in das Hauptmenü geleitet. Dort gibt es einen Schlaf-Topf. Sie hat Glück, gerade ist spanische Woche. Und so folgt prompt ein landestypisches Schlummerlied, das aber lediglich Kwiatkowski einnicken lässt.

Die Dame der Hotline stellt fest, dass die Einschlaf-Klassiker zwar bei Kühen wirken, bei der Frau aber...naja. Also muss Meditation her. Mit komisch anmutender Mimik verlassen merkwürdige Dudu-, Baubau- und Mmmmhhhh-Töne den Mund der Cellistin. Das sorgte, wie viele Momente an diesem Tag, für laute Lacher im Publikum.

Vielleicht bald mehr davon

Nach der Aufführung war Rosi Reiß merklich erleichtert. Lediglich eine Woche hatte sie Zeit, einen Ersatz für die übliche Besetzung zu finden. „Ich hoffe, es kommt genauso gut an, wie das andere Programm“, hatte sie vor dem Auftritt geäußert. „Ich bin begeistert, es ist wirklich toll geworden“, fiel ihr positives Fazit hinterher aus. Damit war sie einer Meinung mit vielen Besuchern der Veranstaltung. Auf Nachfrage erklärten diese, dass es sehr unterhaltsam gewesen sei. Ein Mann freute sich, mal wieder Kästner und Tucholsky gehört zu haben. „Ganz große Klasse“, fand es eine Zuschauerin, die regelmäßig die Veranstaltung besucht.

Auch die beiden Künstlerinnen zeigten sich zufrieden. Obwohl sie nur eine Probe zur Verfügung hatten, um ihre sehr unterschiedlichen Programme zu einem zu machen, lief alles gut ab. Vielleicht der Startschuss für eine weitere Zusammenarbeit, überlegt Geelvink.

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