Gericht

Aus Gefälligkeit wird eine Straftat

Das Verfahren gegen den Wetteraner wurde letztlich eingestellt – und er bekam damit eine letzte Chance.

Das Verfahren gegen den Wetteraner wurde letztlich eingestellt – und er bekam damit eine letzte Chance.

Foto: Michael Kleinrensing

Wetter.   Wetteraner im Pech: Freund fährt sein Auto ohne Fahrerlaubnis. Jetzt muss sich der 22-Jährige vor Gericht verantworten. Auch Betrugsvorwurf.

Vor zwei Jahren bat ein Wetteraner einen Kumpel um einen Gefallen, und als der die Bitte erfüllte, machten sich gleich beide strafbar. Wenige Monate später geriet der 22-Jährige erneut mit dem Gesetz in Konflikt und wurde von der Vergangenheit eingeholt. Wegen Betrugs und Duldens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis musste er sich vor Gericht verantworten.

Im März 2017 wurde der Freund hinter dem Steuer erwischt. Das Auto gehörte dem jungen Wetteraner. Ihm wurde daraufhin zur Last gelegt, das zugelassen zu haben, obwohl der Bekannte keinen Führerschein besaß. Damals erhielt der 22-Jährige eine Chance: Gegen Zahlung von 200 Euro Geldbuße sollte sein Verfahren eingestellt werden. Allerdings kam das Geld nie an und deshalb musste die Sache neu aufgerollt werden. In der Zwischenzeit kam ein weiterer Vorwurf hinzu: Im Herbst des gleichen Jahres schloss er einen Kaufvertrag über eine Küche. 950 Euro sollte er dafür in Raten zahlen. Es floss nicht ein Cent.

In Erklärungsnot

Vor dem hiesigen Amtsgericht geriet der 22-Jährige nun in jeder Hinsicht in Erklärungsnöte. Bei dem ersten Vorfall habe er den Kumpel nur gebeten, sich kurz in den Wagen zu setzen und die Bremse zu treten, während er an dem Auto gearbeitet habe. Dann jedoch sei die Polizei gekommen und der Bekannte habe sich so erschreckt, dass er den Pkw ein Stück habe zurückrollen lassen. Die 200 Euro Geldbuße habe er damals bezahlt, aber offenbar habe er sich bei der Überweisung vertippt und es dann versäumt, dem Fehler auf den Grund zu gehen. Bei dem Kauf der Küche habe er zwar unterschrieben, allerdings sei die für seinen Vater gewesen. Der habe ihn damals mit der Begründung, seine Brille vergessen zu haben, gebeten, für ihn zu unterschreiben.

„Damit habe ich nichts zu tun. Ich bin davon ausgegangen, dass mein Vater die Raten überweist.“ Später, als er erfahren habe, dass noch kein Geld geflossen sei, habe er seinen Vater aufgefordert, das zu klären und habe gedacht, dass es nun laufe. Deshalb habe er auch nicht mehr nachgehakt. „Und jetzt habe ich die Scheiße am Fuß.“ Jugendrichter Janbernd Wessel gab ihm Recht: „Ja, Sie stecken da drin. Sie müssen das auch bezahlen.“ Tatsächlich aber, das ergab der Blick in die Akte, war der Vater des Wetteraners offenbar wirklich bei dem Kauf dabei und telefonierte später auch mit dem Geschädigten.

Das Gericht verzichtete auf einen neuen Termin mit Zeugen, zumal der junge Wetteraner vor den Zwischenfällen im Jahr 2017 nie negativ in Erscheinung getreten war. Er erhielt eine allerletzte Chance: Das Verfahren wurde erneut eingestellt – diesmal mit der Auflage, binnen drei Monaten 300 Euro Geldbuße an eine soziale Einrichtung zu zahlen.

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