Beruf

Ausbildung der Notfallsanitäter stockt in NRW

Rettungssanitäter Jonas Schröder macht sich für die Ausbildung von Kollegen stark und wendet sich an Gesundheitsminister Laumann.

Rettungssanitäter Jonas Schröder macht sich für die Ausbildung von Kollegen stark und wendet sich an Gesundheitsminister Laumann.

Foto: Christian Mienert

Herdecke.   Herdecker Jonas Schröder (26) sammelt mit Online-Petition Unterschriften. NRW-Minister Laumann soll helfen.

In seinem Beruf als Rettungssanitäter kämpft Jonas Schröder täglich um das Leben bzw. die Gesundheit seiner Mitmenschen. Aktuell kämpft der 26-Jährige aber noch an einer anderen Front: Er setzt sich dafür ein, dass seine Kolleginnen und Kollegen im Rettungsdienst die Ausbildung zum Notfallsanitäter machen können und damit eine sicherere Zukunft bekommen. Mit einer Online-Petition sammelt er Unterschriften für das Anliegen aller Rettungsdienstler im Land. Denn NRW ist laut Johanniter Unfallhilfe, dem Arbeitgeber von Jonas Schröder, das einzige Bundesland, in dem die Finanzierung der gesetzlich vorgeschriebenen Aus- und Fortbildung zum Notfallsanitäter noch nicht gesichert ist.

Stadt in Vorleistung getreten

Zur Erklärung: Die NRW-Landesregierung hat 2015 ihr Rettungsgesetz novelliert und die Kommunen als Träger des Rettungsdienstes angewiesen, bis Ende 2026 die bisherige Funktion „Rettungsassistent“ durch „Notfallsanitäter“ zu ersetzen. „Ohne Ausbildung zum Notfallsanitäter wird ab 2021 bzw. 2026 keiner mehr im Rettungsdienst arbeiten können. Das ist ja im Notfallsanitäter-Gesetz so festgeschrieben. Außerdem erhalten Notfallsanitäter mehr notfallmedizinische Kompetenzen. Es ist also unsere Pflicht als Rettungsdienstler, uns weiter zu qualifizieren. Und die Pflicht der Krankenkassen, die Ausbildungskosten zu bezahlen – das steht nämlich auch so im Gesetz“, sagt Jonas Schröder. Das Problem: Möchten Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern werden, benötigen sie eine Ergänzungsprüfung. Und in NRW gebe es nach wie vor keine flächendeckende Möglichkeit, diese Ergänzungsprüfung zu absolvieren. Was laut Johanniter-Unfallhilfe NRW in erster Linie an den Krankenkassen liege, „die sich – trotz gesetzlicher Vorgabe – weigern, für die entstehenden Kosten aufzukommen“.

Jonas Schröder hat übrigens zunächst eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht, dann aber gemerkt, „dass ich mehr mit Menschen arbeiten möchte und mir das Helfen sehr viel Freude bereitet. Eine Freundin hatte mich auf die Johanniter aufmerksam gemacht, weil die bei uns in der Region viel machen, auch ehrenamtlich“. Und er weiß, dass bereits jetzt ein großer Fachkräftemangel im Rettungsdienst herrscht: „Wenn jetzt noch ein ,Ausbildungsstau’ dazukommt, wird es in fünf bis zehn Jahren extrem schwer, die notwendigen Rettungswagen zu besetzen, die man laut Rettungsdienst-Bedarfsplänen in den Städten und Kreisen brauchen wird. Diese Unsicherheit wird durch die Blockade der Krankenkassen verstärkt.“ Deshalb würden derzeit viele Städte und Kreise einspringen und eine Zwischenfinanzierung zusichern, was aber das grundsätzliche Problem nicht löse.

„Ich selbst habe jetzt zwar Glück gehabt“, sagt Jonas Schröder, der seine Weiterbildung beginnen konnte, weil die Stadt Herdecke in finanzielle Vorleistung getreten ist. In anderen Kommunen sei die Ergänzungsprüfung derzeit aber gar nicht möglich. „Aber“, so der 26-Jährige weiter, „ich kämpfe für meine vielen Kolleginnen und Kollegen. Das ist ein krasser Missstand, den man nur mit öffentlicher Aufmerksamkeit beheben kann.“

Denn Tausende von Rettern in NRW müssen noch aus- bzw. weitergebildet werden. Und die Zeit wird knapp: Einerseits für die Rettungsdienstler, weil die gesetzliche Übergangsfrist abläuft. Maximal bis zum Ende 2020 sei es für Rettungsassistenten möglich, an einer Ergänzungsprüfung teilzunehmen und so zum Notfallsanitäter zu werden. Danach müsse laut Johannitern eine komplette Ausbildung absolviert werden. Andererseits werde die Zeit auch für die Bürger in NRW knapp, weil der Fachkräftemangel im Rettungsdienst bereits jetzt spürbar sei. Deswegen meint Jonas Schröder: „Diese Petition geht eigentlich alle Menschen in NRW an: Jeder kann jederzeit plötzlich den Rettungsdienst benötigen - und dann möchte jeder, dass bestausgebildete Retter schnell da sind, um Gesundheit und Leben zu retten.“

Hoffen auf Einfluss des Ministers

Mit der Online-Petition wendet sich Jonas Schröder an Landesgesundheitsminister Norbert Laumann. Er hofft, dass Laumann seinen Einfluss bei den Kassen geltend macht, um diese zum Einlenken zu bewegen. „Ich hoffe sehr, dass Gesundheitsminister Laumann die Unterschriften persönlich entgegennimmt. Damit würde er uns ein Zeichen und die Hoffnung geben, dass er sich des Problems annimmt und es hoffentlich bald löst. Es kann ja nicht sein, dass das nur in NRW nicht klappt. Und dass arme Kommunen oder gemeinnützige Hilfsorganisationen die Kosten tragen müssen, obwohl glasklar ist, dass das die Krankenkassen übernehmen müssen“, so der Herdecker kämpferisch.

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