Kirche

Beim Abendlob in Herdecker Kirche kommen Besucher zur Ruhe

Jan Schmitt (17) liest beim ersten Abendlob in der kath. Kirche in Herdecke die Fürbitten.

Jan Schmitt (17) liest beim ersten Abendlob in der kath. Kirche in Herdecke die Fürbitten.

Foto: Jana Peuckert

Herdecke.  In der friedlichen Atmosphäre der Kirche und zu ruhiger Musik soll die neue Abendlob-Reihe einen besinnlichen Start ins Wochenende ermöglichen.

Ein Paar schmiegt sich aneinander, die Frau einige Sitzreihen davor schließt die Augen und lächelt leicht. Es herrscht eine äußerst friedliche Atmosphäre in der katholischen Kirche St. Philippus und Jakobus in Herdecke. Von der Orgel aus erfüllt die klare Stimme von Tobias Sternberg das Kirchenschiff.

Besinnlich ins Wochenende

Zum ersten Mal lud die katholische Kirchengemeinde am vergangenen Freitagabend zum „Abendlob“ ein. Mit dem neuen Format des Pastoralverbundes an den Ruhrseen wollen die Organisatoren von nun an jeden dritten Freitag im Monat auf besinnliche Weise auf das Wochenende einstimmen. Dabei soll es immer ein anderes Programm geben. Zum Auftakt konnte Benedikt Pernack mit Tobias Sternberg seinen Kommilitonen vom Physikstudium gewinnen. Der Wittener sang nicht nur Psalme in deutscher und lateinischer Sprache, sondern begleitete die Vesper musikalisch mit seinem Violoncello. Im Zusammenspiel mit Benedikt Pernack an der Orgel gab das Duo beeindruckend drei ruhige Stücke aus dem Opus 150 von Josef Gabriel Rheinberger zum Besten. Und das erstmals vor Publikum. Die beiden lernten sich im Studium kennen und merkten schnell, dass sie die Liebe zur Musik verbindet. Besonders angetan hatten es ihnen die drei genannten Stücke von Rheinberger.

Vor etwa zwei Jahren bekam das Duo in der Marienkirche in Witten erstmals die Möglichkeit, Orgel und Violoncello zusammenzubringen und die drei Stücke zu spielen. Ein schönes Erlebnis – allerdings ohne Zuhörer. Als Benedikt Pernack seinen Freund in Vorbereitung auf das „Abendlob“ fragte, ob sie die drei Stücke einem Publikum präsentieren wollten, musste Tobias Sternberg nicht lange überlegen. Die Zuhörer zeigten sich begeistert, genossen die besonderen Klängen der beiden Instrumente, die sich teilweise zu unterhalten schienen. Und auch beim Mitsingen waren die Besucher gut dabei.

Jugend schwer zu begeistern

Der 17-Jährige Jan Schmitt thematisierte in seinen Fürbitten die Barmherzigkeit: „Das ist immer aktuell.“ Er rief dazu auf, mal nicht an Obdachlosen vorbeizugehen und auch pflegebedürftigen Familienmitgliedern Zeit zu schenken. In einem Gespräch nach der Veranstaltung verriet der 17-Jährige, dass er gern mehr Jugendliche in der Kirche sehen würde. Gab aber zu, dass es schwer sei, junge Menschen dafür zu begeistern. Zu groß sei die Ablenkung. Und: „Uns geht es zu gut.“ Früher seien mehr Menschen in die Kirche gegangen, Eltern hätten es ihren Kindern damit vorgelebt. Das fehle heutzutage an vielen Stellen.

Auch zum Auftakt des neuen Formates hatten sich lediglich etwa 20 Besucher in der Kirche eingefunden. Was auf den ersten Blick wenig erscheint, setzte Benedikt Pernack ins Verhältnis zu einem früheren Versuch, eine Vesper auf die Beine zu stellen. „Damals kamen nur fünf Besucher“, erinnerte er sich. Er freue sich über jeden, der den Weg in die Kirche finde. Und die, die am Freitagabend gekommen waren, fanden nur positive Worte: „Man konnte gut zur Ruhe kommen“, „Eine tolle Stimme“, „Eine schöne Heiligkeit, die berührt.“

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