Sommertour

Bergbau-Arbeitskreis führt hinein in frühere Zeche Eulalia

Eine Flex ist am 7. August nicht nötig, um Lesern Zutritt in den Eulalia-Stollen zu verschaffen. Längst ist das neue Tor (rechts im Bild) eingebaut. Vor zwei Jahren erneuerten Mitglieder des Bergbau-Arbeitskreises Wetter/Herdecke wie Carsten Säckl den Eingang, nun führen sie Interessierte hinein.

Eine Flex ist am 7. August nicht nötig, um Lesern Zutritt in den Eulalia-Stollen zu verschaffen. Längst ist das neue Tor (rechts im Bild) eingebaut. Vor zwei Jahren erneuerten Mitglieder des Bergbau-Arbeitskreises Wetter/Herdecke wie Carsten Säckl den Eingang, nun führen sie Interessierte hinein.

Foto: Steffen Gerber

Herdecke/Wetter.  4. Sommertour: Für Leser öffnet der heimische Bergbau-Arbeitskreis das Tor zur früheren Zeche Eulalia an der Stadtgrenze von Wetter und Herdecke.

Vor fast genau zwei Jahren hat der heimische Arbeitskreis des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten den Eingang zur früheren Zeche Eulalia an der Stadtgrenze Herdecke/Wetter repariert. Das gelang dank einer Gemeinschaftsleistung mehrere Beteiligter und Spenden. Nun öffnet die Gruppe das stets verschlossene Tor im Zillertal exklusiv für Leserinnen und Leser, die dann einige Meter hinein ins Ardeygebirge gehen können.

Bei der vierten Sommertour 2019 der Lokalredaktion sollen die Teilnehmer am Mittwoch, 7. August, aber nicht im Dunkeln tappen, auch wenn es kurz hinter dem Stollenmundloch an der Wetterstraße bereits stockfinster ist. Der Bergbau-Arbeitskreis Wetter/Herdecke stellt für den Ausflug Lampen sowie Helme zur Verfügung. „Wer in den Gang hinein möchte, sollte zum Schutz Handschuhe mitbringen, wenn sie oder er mal an die Wand greifen sollte. Zudem empfiehlt sich festes Schuhwerk, die Kleidung sollte auch etwas dreckig werden können“, meint Marco Kiessler vom Ortsverein. Das Betreten erfolge auf eigenes Risiko, wobei in dem Stollen keine Gefahren lauern. Kiessler: „Wer vorsichtig ist und umsichtig agiert, bekommt kein Problem. Allerdings ist Platzangst nicht gerade von Vorteil.“

Zwei oder drei Mitglieder des Arbeitskreises begleiten – je nach Gruppengröße – den Gang der Leser zum einstigen Zecheneingang. Auch Kinder im Alter ab sechs Jahren können in Begleitung von Erwachsenen einen kostenlosen Einblick erhalten. Sie alle sollten beachten: Im hinteren Teil des Stollens herrschen Temperaturen von ca. zehn Grad, dementsprechend sinnvoll sind eine lange Hose und eine Jacke.

Vorsichtig die Straße queren

Zum konkreten Ablauf: Die Teilnehmer treffen sich am 7. August um 17 Uhr auf der anderen Straßenseite nahe der dazugehörigen Informationstafel, gegenüber von dem Eulalia-Eingang befindet sich ein Schild mit historischen Hintergründen zur Zeche. Empfehlenswert ist eine Anfahrt mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß: Vom Ruhrtalradweg führt (ca. 250 Meter vom Minigolfplatz Zillertal entfernt) neben Sitzbänken ein kleiner Stichweg direkt zum Treffpunkt. Dort verteilen Mitglieder des Bergbau-Arbeitskreises die Stirnlampen und Helme, erläutern die Sicherheitshinweise und geben einen ersten Überblick zur Geschichte.

Dann kann die erste Gruppe mit rund einem Dutzend Leser vorsichtig die Wetterstraße überqueren und dann einige Meter aufrecht hinein in den Stollen gehen. „Kohle werden wir dort nicht mehr finden“, sagt Marco Kiessler augenzwinkernd. Beim Rückweg können Interessierte je nach körperlicher Verfassung optional auch noch in einen Abzweig vorstoßen. „Da sind kleine Kletterkünste nötig, bei diesem Weg muss man sich schon mal auf den Hosenboden oder die Knie setzen, dort sind die Handschuhe umso sinnvoller“, erklärt Kiessler. „Wer darauf keine Lust hat, läuft direkt zum Ausgang.“

Die Arbeitskreis-Mitglieder begleiten die Tour und geben Hinweise. Zugleich beantworten sie Fragen, etwa zu ihrem Aufgabengebiet seit der Gründung 1999 oder auch zur Geschichte des heimischen Bergbaus. Das Spezialgebiet des Ortsvereins ist der Schlebuscher Erbstollen, den Laien aus Sicherheitsgründen nicht betreten können.

Teilnehmer können Fragen stellen

Leser können stets Fragen stellen. Denn Kiessler und Co. kennen auch die Historie des Stollens an der Wetterstraße. Nach der Verleihung von Abbaurechten am Harkortberg und auf dem Höhenrücken Auf dem Heil 1858 schlossen sich drei Grubenfelder zur Zeche Vereinigte Eulalia zusammen. Die Kohle sollte zur Ruhr abgefördert werden, ab 1859 begann der Vortrieb eines Stollens ins Ardeygebirge, um auf ein anderes Kohlenflöz in Herdecke zu treffen. Die Arbeiten endeten 1863. Über einen bei Herdecke-Voßkuhle angesetzten Suchstollen hofften einige im Ersten Weltkrieg, doch noch einen erfolgreichen Durchbruch erzielen zu können. Ohne Erfolg. Immerhin förderten 1922 sieben Bergleute 396 Tonnen Kohle in der dortigen Gegend. In jenem Jahr wurde die Zeche Eulalia nach einem Sprengstoff-Diebstahl aber stillgelegt.

Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die Firma Dörken den Stollen als bombensicheren Lagerraum. 1951/52 war Eulalia dann vorübergehend wieder in Betreib. 1985 erfolgte der Eintrag des schön gestalteten Mundlochs in die Denkmalliste.

Ein Blick in die jüngere Geschichte: Im Frühjahr 2017 wollten Unbekannte in den Stollen eindringen und beschädigten das Eulalia-Tor. Daraufhin erneute der Arbeitskreis mit Unterstützern den Eingang.

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