Betrug

Betrüger-Anrufe im Ennepe-Ruhr-Kreis machen Älteren Angst

„Hallo, hier ist Dein Enkel“: Die Täter sind geschult, das Opfer in ein Gespräch zu verwickeln und am Telefon weichzukochen.

„Hallo, hier ist Dein Enkel“: Die Täter sind geschult, das Opfer in ein Gespräch zu verwickeln und am Telefon weichzukochen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Ennepe-Ruhr.  Seniorin wird immer wieder von Unbekannten um Geld gebeten. Kreispolizeibehörde registriert 70 ähnliche Fälle im Oktober.

„Hallo Oma, hier ist Dein Enkel.“ Anrufe in betrügerischer Absicht erreichen immer wieder insbesondere alte Leute. Mit welch’ perfiden Methoden die Täter dabei vorgehen und was das mit den Opfern macht, zeigt ein Fall aus Ennepetal, der jetzt bekannt wurde.

Der Sohn der hochbetagten Seniorin, auf die es die Betrüger abgesehen haben, hat sich an unsere Zeitung gewandt. Seine Mutter wolle anonym bleiben. Ihr Sohn hält es aber für wichtig, dass der Fall bekannt wird, weil es sich um eine ganz üble Masche handele, vor der andere Menschen unbedingt gewarnt werden sollten.

Die Masche

Im Mai erhielt die Seniorin (Name und Anschrift sind bekannt) erstmals einen dieser ominösen Anrufe, denen sie bis heute ausgesetzt ist. Eine junger Mann, der gut deutsch spricht, habe sich gemeldet, mit den Worten: „Hallo Oma, hier ist Dein Enkel.“ Seiner Mutter sei von Beginn an klar gewesen, dass es sich nicht um ihren Enkel handelt, erzählt der Sohn.

Doch obwohl sie das Gespräch beendete, erhielt sie immer weitere Anrufe. Mal kurz hintereinander, mal in größeren Abständen, und in letzter Zeit wieder geballt. Die Seniorin habe nicht immer sofort das Gespräch beendet und habe so auch erfahren, dass es dem jungen Mann am anderen Ende der Leitung irgendwie um Geld ging.

Seine Mutter käme niemals auf die Idee, unbekannten Menschen ihr Geld zu übergeben. Ihr mache aber Angst, erzählt der Sohn, dass die Anrufe einfach nicht aufhören. Es komme auch vor, dass sich niemand melde, wenn sie den Hörer abnimmt. Sie höre dann nur, dass es am anderen Ende der Leitung jemanden gibt, der aber nichts sagt. Vor allem diese Anrufe machten ihr Angst, erzählt der Sohn und gibt ihre Gedanken wieder: Es könnten ja Testanrufe sein, ob sie zuhause ist. Und wenn sie nicht drangeht, kann das das Signal sein: Dort können wir einbrechen.

Der Trick mit der Nummer

Bei allen Anrufen handelt es sich um denselben oder dieselben Übeltäter. Das wissen Mutter und Sohn, weil im Display ihres Telefons immer die gleiche Nummer angezeigt wird. Es handelt sich um eine deutsche Handynummer mit der internationalen Vorwahl +49 davor.

„Eigentlich denkt man nicht an einen Betrüger, wenn einem die Nummer angezeigt wird“, berichtet der Sohn über die perfide Wirkung einer solchen Anzeige. Sie soll Glauben machen, den Anrufer jederzeit rückverfolgen zu können. „Aber wenn man die Nummer wählt, gibt es kein Freizeichen, kein Besetztzeichen, nichts.“ Es handelt sich hier offenbar nicht um einen Einzelfall. „Meine Mutter hat mit drei, vier älteren Nachbarinnen gesprochen, denen das auch passiert ist“, erzählt der Sohn, der die Kreispolizei informiert hat.

Die Masche ist dort bestens bekannt. Im Oktober wurden allein bei der Kreispolizeibehörde Ennepe-Ruhr 70 Fälle bekannt. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Mal versuchen die Täter es mit dem „Enkeltrick“, mal gibt sich eine Person am Telefon als Frau eines Verwandten aus, die angeblich Geld braucht, um ihren Mann mit dem Kauf einer Eigentumswohnung oder sonstwas zu überraschen.

So funktioniert der Betrug

„Das sind keine Einzeltäter, sondern Banden“, klärt Polizeihauptkommissarin Vera Viebahn, Sprecherin der Kreispolizeibehörde, auf. Die Täter agierten häufig aus dem Ausland heraus, beispielsweise aus dem Osten der Türkei. Dort könnten sie auch problemlos die Nummern generieren, die bei den Angerufenen angezeigt werden, um deren Vertrauen zu erwecken. Im EN-Kreis wurden vor einigen Monaten Fälle bekannt, da war die 110 zu sehen – also die Notrufnummer der Polizei, von der aus niemals angerufen wird.

„Das sind Profis“, sagt Vera Viebahn. Sie würden ihre Opfer gezielt nach Vornamen aus Telefonverzeichnissen aussuchen, um sie dann am Telefon „weichzukochen“. Sie seien regelrecht geschult, ihre Opfer um den Finger zu wickeln. Für den Fall, dass es zu einer Übergabe kommt, hätten die Banden Laufburschen in Deutschland.

Täter werden gezielt eingesetzt

Dies sei auch der Grund, warum es immer wieder zu gehäuften Anrufen in einer bestimmten Region oder Stadt komme. „Die haben ja nicht überall einen Laufburschen. Die werden gezielt eingesetzt“, so die Polizeisprecherin. Abgesehen haben es die Betrüger insbesondere auf Ältere. „Wir wissen von Telefonaten, die gingen ein bis zwei Stunden.“ Bekannt sei auch die Masche, wie im Fall der Seniorin aus Milspe, dass die Betrüger es immer wieder versuchen. Das sei typisch, wenn Opfer nicht rigoros Grenzen setzen – und etwa sofort auflegen.

Anfang Oktober wurde in Ennepetal gar ein Fall eines Seniors bekannt, der 37.000 Euro Bargeld an einen Unbekannten übergeben hatte. Die Kreispolizei weiß auch von Fällen, dass sich Menschen ihre Pflegeversicherung haben auszahlen lassen, um das Geld dann in die Hände eines Betrügers zu übergeben.

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