Windenergie

Bürger vom Schnee sorgen sich um ihre Heimat

Etwa 90 Bürger kamen zu einer Aktion auf den Schnee, um gegen den Bau von zwei Windrädern zu protestieren.

Foto: Privat

Etwa 90 Bürger kamen zu einer Aktion auf den Schnee, um gegen den Bau von zwei Windrädern zu protestieren. Foto: Privat

Herdecke/Dortmund.   Zwei Windräder, die auf dem Schnee Energie erzeugen sollen, lassen Herdecker und Dortmunder Bürger um ihr Wohnumfeld fürchten.

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Die Gedanken drehen sich fast nur noch um dieses eine Thema. Lena Hültenschmidt und Ariane Massier gehören zu der Initiative „Rettet den Schnee“. Im Drei-Städte-Eck an der Grenze Herdecke-Dortmund-Witten könnten in einigen Jahren zwei hohe Windräder stehen. Obwohl das erst im Frühjahr 2017 entschieden wird, protestieren schon jetzt Anwohner gegen die Überlegungen. Zumal ein paar Meter weiter in nicht allzu ferner Zukunft auch neue Strommasten für die geplante Höchstspannungsleitung von Amprion herführen können.

Lena Hültenschmidt und Ariane Massier hatten erst kürzlich ein Gespräch im Dortmunder Stadtplanungs- und Bauordnungsamt. Während dieses die Gemüter beruhigen wollte und auf das langwierige Verfahren verweist, wendet sich die Initiative weiter gegen den Bau von Windrädern in der Nähe von zwei Siedlungen. Auch wenn dies nicht vor 2020 der Fall sein dürfte, befürchten die Anwohner: „Nach unseren Informationen gibt es schon Pachtverträge und konkrete Absprachen zum Wegerecht, wir haben auch einen Bauplan von der Firma Ostwind gesehen.“ Demnach soll eine Anlage 215, die andere sogar 219 Meter hoch sein.

Zwei Felder als mögliche Standorte

Nach aktuellem Stand kommen in Dortmund für Windräder weitere potenzielle Konzentrationszonen infrage. Eine davon: die Großholthauser Mark, dazu gehören u.a. der Schnee und Löttringhausen. Zwei Felder an der Autobahn 45 bzw. neben der Blickstraße seien als Standorte im Visier. „Wenn ich in einigen Jahren aus der Haustür gehe, schaue ich womöglich direkt auf ein Windrad, das die Baumgrenze in dem Waldstück überragt“, meint Ariane Massier. „Wir wohnen seit 30 Jahren hier, ich bin auf dem Schnee aufgewachsen und habe derzeit das Gefühl, dass wir hier am Stadtrand wie Menschen zweiter Klasse gesehen werden“, sagt Lena Hültenschmidt.

Die Argumente, warum sich weitere Anwohner so vehement gegen die Windräder aussprechen, sprudeln aus den Beiden nur so heraus. Da wären etwa die Abstandsberechnungen in den Gutachten für die Stadt. Sowohl die geringe Distanz zur Siedlung als auch zur A45 sprechen laut Initiative gegen den Bau zweier Anlagen in dem Landschaftsschutzgebiet. Während in Bayern zwei Kilometer Abstand zu einer Siedlung Vorschrift sind, richtet sich in Nordrhein-Westfalen die Distanz nach der Anlagengesamthöhe. Dabei kommen die Schnee-Anwohner zu anderen Ergebnissen als die Gutachten, von denen ein weiteres in Kürze erscheinen soll. „Nicht 450, sondern nach unserer Rechnung müssten es mindestens 645 Meter Abstand sein, und das ist hier nicht gegeben.“

Anwohnerschutz nicht gewahrt

Grundsätzlich sehen die Schnee-Bürger unabhängig von der Minderung der Grundstückswerte den Anwohnerschutz nicht gewahrt. Schattenwurf, Lärmpegel, selbst die umstrittenen Infraschall-Werte: „Es heißt, dass wir durch die nahe Autobahn gewissermaßen vorgeschädigt sind. Dabei liegt diese unten im Tal, während die Windräder auf Anhöhen stehen könnten“, sagen Lena Hültenschmidt und Ariane Massier. „Wir sind fest davon überzeugt, dass diese Anlagen laut sind, durch Schwingungen und Vibrationen Kopfschmerzen verursachen sowie zu einer psychischen Belastung führen können.“

Das Gebiet komme auch als Einflugschneise für den Dortmunder Flughafen, wegen einer möglichen Störung von Mobilfunkmasten und angesichts vieler Bergbauschäden aus früheren Zeiten nicht für solch hohe Anlagen infrage, meinen Massier und Hültenschmidt. „Durch die zahlreichen Kleinzechen hier, die teilweise nicht in Karten eingetragen wurden, ist diese Gegend so löchrig wie ein Schweizer Käse und für tiefe Fundamente von Windrädern nicht geeignet.“ Dazu die Zweifel, ob es in dieser Gegend überhaupt genug Wind zum effektiven Wind-Betrieb gibt.

Obendrein sei der Wald am Schnee laut Landschaftsplan als Naturschutzgebiet ausgewiesen, Windräder würden dazu nicht passen und gefährden zahlreiche Tiere, die wie Zugvögel vorbeifliegen oder hier leben. Gänse, Kraniche, Störche, Reiher, Krähen, Mäusebussard, Uhu, Falken, Rotmilan, aber auch Rehe, Mufflons oder Füchse: Die Initiative sorgt sich im Fall der Fälle um viele Biotope, auch entlang der Bachläufe.

Treffen mit Bürgerinitiative Semberg

Während es nun erste Kontakte zur Bürgerinitiative Semberg wegen Parallelen zu den Plänen der Amprion-Stromtrasse gab, laufen auch erste juristische Vorbereitungen an. Grundsätzlich appellieren Lena Hültenschmidt und Ariane Massier aber an die Dortmunder Politiker, die „ja Schaden von den Bürgern abhalten sollen...“

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