Zukunftssorgen

Bürgerinitiative Semberg kämpft auch um eigenen Fortbestand

Im Auftrag des Netzbetreibers Amprion fällen Ende Februar Bagger Bäume im Landschaftsschutzgebiet Peddenhohl (Nierfeldstraße) in Herdecke, damit dort zum Ärger der Bürgerinitiative Semberg ein neuer „Monstermast“ mit 87 Metern Höhe stehen kann.

Im Auftrag des Netzbetreibers Amprion fällen Ende Februar Bagger Bäume im Landschaftsschutzgebiet Peddenhohl (Nierfeldstraße) in Herdecke, damit dort zum Ärger der Bürgerinitiative Semberg ein neuer „Monstermast“ mit 87 Metern Höhe stehen kann.

Foto: David Hatzky  

Herdecke.   Bei der Jahreshauptversammlung am 30. April hofft die Bürgerinitiative Semberg, dass sich Vorstandskandidaten melden. Weiter Kampf gegen Amprion.

Es klingt in der Einladung zunächst nach einer normalen Jahreshauptversammlung. Am Dienstag, 30. April, treffen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Semberg ab 19 Uhr in der Gaststätte Kronenstube am Kirchender Dorfweg. Doch beim Tagesordnungspunkt Vorstandswahlen ist plötzlich von einer Satzungsänderung und einer Ausnahmeregelung die Rede. Und am Ende heißt es, dass es bei dieser „überaus wichtigen Versammlung vor allem um den Fortbestand unserer Bürgerinitiative geht“.

David Hatzky ist als Nachfolger von Hartmut Ahlborn seit 2016 Vorsitzender der einzigen BI in Herdecke und bereit, im Falle einer Wiederwahl weitere zwei Jahre an der Spitze zu stehen. Problem: Sein Stellvertreter Gerhard Arndt und Kassierer Ottfried Schlüter hören auf. Und Nachfolger stehen nicht gerade Schlange, um es vorsichtig zu formulieren. Dabei schreibt die Satzung vor, dass mindestens ein Duo den Vorstand bilden muss. Mit vielen Gesprächen begann die Suche nach Lösungen. „Es gab bisher wenige Rückmeldungen, das ist schon enttäuschend“, so Hatzky.

Immerhin zeichnet sich eine Idee für den Übergang ab. Gudrun Graw-Seelke als Kassenwärtin und Detlef Plett als „Vize“ wären für ein Jahr Vorstandsarbeit bereit, um den Fortbestand der BI zu sichern. „Wenn sich vor oder bei der Jahreshauptversammlung aber Kandidaten turnusgemäß für zwei Jahre finden, treten wir nicht an.“ Sollte das Duo aber kommissarisch als Notlösung aktiv werden, wollen die BI-Verantwortlichen eine Satzungsänderung anregen. Dabei geht es etwa um die Länge der Ämterlaufzeit bzw. die Regelung für temporäre Ausnahmefälle. Hatzky: „So könnten wir Zeit gewinnen, um einerseits neue Mitglieder zu suchen und andererseits vielleicht auch Jüngere für mehr Verantwortung zu gewinnen, denn die Älteren schultern bei uns schon sehr viel.“

AHE/Vorberg weiter im Blick

Dabei gebe es genug zu tun, wie auch Mitglieder des mehrköpfigen BI-Beirats berichten könnten. Ging es in der Anfangszeit vor allem um den Kampf gegen die Entsorgungsfirma Vorberg (Gründungsanlass), habe sich das Augenmerk zuletzt deutlich in Richtung Netzbetreiber Amprion und den Bau der neuen 380-Kilovolt-Stromleitungen verlagert. Gleichwohl haben die Semberger Entsorgungsfragen oder Themen wie Lärm-, Staub- und Geruchsemissionen des Vorberg-Nachfolgers AHE weiter im Blick. „Wir haben die Zusage von der Stadt, dass der Betrieb sein Gelände nicht vergrößert“, so Graw-Seelke, während Plett froh ist, dass die Herdecker Verwaltung die Müll-Preise festlegt und es nach der AHE-Übernahme auch Verbesserungen beim Arbeitsschutz gebe. „Der neue Eigentümer hat seine Zusagen bisher größtenteils eingehalten“, meint David Hatzky.

Der Vorsitzende erklärt, dass die BI sich inhaltlich breiter aufstellen will. Wobei sie das eigentlich schon längst getan hat. Schwer einzuschätzen sei, wie lange die Höchstspannungsfreileitung von Amprion die Mitglieder noch beschäftige. „Wir werden die Entwicklungen in nächster Zeit natürlich weiter genau beobachten und klar Stellung beziehen“, sagt Plett, der sich von manchen Akteuren außerhalb der BI wegen „falscher Zusagen“ hintergangen fühlt. Kürzlich beobachtete er geotechnische Bohrungen im Landschaftsschutzgebiet Peddenhohl, für den 87 Meter hohen „Monstermasten“ an der Nierfeldstraße ging es nach Auskunft der Arbeiter dort 20 Meter in die Tiefe.

Schrabergschule unterstützen

Damit zur Grundschule Schraberg. Die BI unterstützt mehrere Aktivitäten der Klassen, etwa den Naturkunde-Unterricht im Peddenhohl. „Das wollen wir weiter personell und finanziell fördern, etwa über den Bau von Nistkästen in diesem und nächsten Jahr“, sagt Plett und denkt zugleich an Schaukästen zur Dokumentation dieses Naturerfahrungsraumes.

Oder an die Eltern-Haltestellen in der Alten Straße und (vor allem) Loerfeldstraße. Letztgenannte sei in keinem guten Zustand. Markierungen seien verblasst, die Schilder falsch platziert. „Hier besteht Handlungsbedarf, eventuell wollen wir an der Bushaltestelle für die Linie 518 zwecks besserer Sichtbarkeit ein Banner aufhängen, damit Eltern ihre Kinder dort aus- oder einsteigen lassen und nicht direkt vor der Eingangstür der Schrabergschule“, so Detlef Plett.

Weitere Themen der Bürgerinitiative: eine Aufwertung des Spielplatzes am Sperlingsweg. Mittelfristig denkbar seien auch Insektenhäuser und Wildblumenwiesen irgendwo im Stadtgebiet, „vielleicht an der Ruhr bzw. den Seen“. Anregungen dazu erhielt die Initiative aus dem Dortmunder Kaiserstraßen-Viertel. Allerdings hoffen die Semberger bei der Realisierung nach einem entsprechenden Anstoß auf Unterstützung durch Sponsoren oder Partner. Doch zuvor will der Verein die eigene Zukunft und das Fortbestehen klären.

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