Impfstoff

Corona: EN-Kreis spritzt nur noch Moderna an über 30-Jährige

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Auch der Ennepe-Ruhr-Kreis mit Wetter und Herdecke muss künftig mit weniger Impfstoff von Biontech auskommen.

Auch der Ennepe-Ruhr-Kreis mit Wetter und Herdecke muss künftig mit weniger Impfstoff von Biontech auskommen.

Foto: Marcus Brandt / dpa

Wetter/Herdecke.  Debatte um Corona-Impfstoffe: Der Ennepe-Ruhr-Kreis erhält wegen der Lieferdeckelung weniger Biontech, kann aber ausreichend Moderna verspritzen.

Ab der nächsten Woche muss die koordinierende Impfeinheit der Kreisverwaltung mit deutlich weniger Biontech-Impfstoff planen als bisher. Grund dafür ist die vom Bundesministerium für Gesundheit sehr kurzfristig angekündigte Deckelung der Liefermengen für diesen Impfstoff, heißt es in einer Mitteilung.

In Zahlen: Bis auf weiteres finden wöchentlich nur noch 170 so genannte Vials von Biontech den Weg in den Ennepe-Ruhr-Kreis. Damit stehen pro Tag rund 160 Impfdosen für den Einsatz im Impfbus sowie in den stationären Impfstellen zur Verfügung. „Diesem deutlich weniger an Biontech steht aber eine ausreichende Menge an Spikevax von der Firma Moderna gegenüber. Daher muss die gerade wieder spürbar steigende Impfgeschwindigkeit nicht unter dieser Entscheidung aus Berlin leiden. Dies gilt aber natürlich nur, wenn die Bürgerinnen und Bürger den Impfstoff von Moderna annehmen“, macht Jana Ramme, organisatorische Leiterin des Pandemieteams deutlich.

Sichtweise der Impfkommission

Wichtig zu wissen: Biontech sei derzeit der einzige mRNA-Impfstoff, der für Menschen unter 30 Jahren zugelassen ist. Spikevax von der Firma Moderna habe für diese Altersgruppe kein grünes Licht von der Ständigen Impfkommission.

Um alle Impfwilligen im EN-Kreis tatsächlich schützen zu können, gelte damit für Impfbus und stationäre Impfstellen ab sofort: Biontech ist für diejenigen reserviert, die jünger als 30 sind. Mit der Summe aus noch vorhandenen Biontech-Vorräten sowie den angekündigten Liefermengen hofft die Kreisverwaltung im Interesse der Jüngeren, gut über die nächsten vier Impf-Wochen zu kommen.

Abweisungen möglich

„Diese Entscheidung bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch: Jeder, der älter als 30 Jahre ist, bekommt Spikevax injiziert. Jeder, der dies ablehnt, wird abgewiesen. Einzige Ausnahme sind medizinische Indikationen“, macht Ramme deutlich. Nach der Entscheidung des Ministeriums und angesichts der derzeit rollenden vierte Welle gelte es, Solidarität zu beweisen.

AstraZeneca und Johnson & Johnson, Biontech und Moderna – seit Beginn der Impfungen gegen Corona werde viel über Qualität, Wirksamkeit und Akzeptanz der verschiedenen Impfstoffe diskutiert. „Mein Ratschlag zum jetzigen Zeitpunkt lautet ganz klar: Die Debatte darüber, ob Biontech nicht besser, geeigneter und sicherer ist als Spikevax lohnt nicht. Auch bei letzterem handelt es sich schließlich um einen hoch wirksamen mRNA-Impfstoff. Jeder über 30 Jahre, der zuletzt Biontech erhalten hat, profitiert sogar von einer weiteren Impfung mit Spikevax von der Firma Moderna. Kreuzimpfungen gelten als besonders wirksam gegen das Virus“, hat Dr. Christian Füllers, Regionalleiter der koordinierenden Impfeinheit im Ennepe-Ruhr-Kreis, klare Botschaften für Skeptiker, die ausschließlich Biontech für richtig halten.

Verständnis für Moderna-Bevorzugung

Erfreulich positiv seien die ersten Rückmeldungen zur neuen Vorgabe aus dem Impfbus und der stationären Impfstelle in Ennepetal. Die allermeisten Bürgerinnen und Bürger zeigen demnach Verständnis für die Entscheidung, können die Argumente nachvollziehen und lassen sich mit Spikevax impfen. Nur in wenigen Fällen gab es Diskussionen, nur in Einzelfällen seien Menschen ohne Impfung nach Hause gegangen.

In den ersten sieben Tagen seit dem Neustart im Impfzentrum Ennepetal wurden 4.001 Bürgerinnen und Bürger geimpft. Im Schnitt also 571 pro Tag. Die meisten (3.258) steuerten den Standort an der Kölner Straße für ihre Drittimpfung an. 493 ließen sich erstmals gegen Corona schützen, 249 zum zweiten Mal.

Vermehrt Erstimpfungen

Bei den Erstimpfungen ist der Trend seit Tag 2 eindeutig, er geht nach oben. Aus 32 Erstimpflingen am letzten Donnerstag waren am Sonntag bereits 78 geworden, am Dienstag war ihre Zahl mit 119 erstmals dreistellig. Die Türen in Ennepetal stehen montags bis freitags von 12 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 9 bis 16 Uhr offen. Wer im Vorfeld keinen Termin buchen konnte, kann sich auch ohne auf den Weg nach Ennepetal machen.

Zusammen mit den 1.562 Impfbus-Impfungen (Fahrplan im Internet auf www.enkreis.de) der letzten sieben Tage haben die Impfverantwortlichen rund um die koordinierende Impfeinheit damit mehr als 5.500 Pikse gegen Corona gesetzt. Der Tagesschnitt lag damit bei fast 790, 140 über dem Wert, der dem Kreis vom Land vorgegeben worden ist. Weitere Dynamik wollen der Kreis und kreisangehörige Städte mit stationären Impfstellen in den Kommunen entwickeln.

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