Gesundheit

Corona: Herdecker hat Kontakt mit der alten Heimat Südtirol

Giulio Monsorno aus Herdecke hegt und pflegt den Aussichtspunkt oberhalb des Harkortsees. Er sorgt sich momentan um seine Familie in Italien.

Giulio Monsorno aus Herdecke hegt und pflegt den Aussichtspunkt oberhalb des Harkortsees. Er sorgt sich momentan um seine Familie in Italien.

Foto: Elisabeth Semme

Herdecke.  Giulio Monsorno kam vor über 50 Jahren der Liebe wegen nach Herdecke. Derzeit ruft er oft in seiner alten Heimat Südtirol an.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Giulio Monsorno nicht vom Nacken hinauf zum Wald auf dem Harkortberg geht. Dort oben, an dem Aussichtspunkt hoch überm Harkortsee, hat der gebürtige Südtiroler schon vor vielen Jahren seinen Lieblingsort gefunden. Hat zwei Ruhebänke errichtet und drumherum ein blühendes Kleinod geschaffen, über das sich Spaziergänger immer wieder freuen. Vor über 50 Jahren kam der Südtiroler der Liebe wegen nach Herdecke. Zur Zeit befindet sich seine alte Heimat in Norditalien allerdings im Ausnahmezustand.

Dabei sei es in Varena, oberhalb von Cavalese im Fleimstal und etwa 20 Kilometer südlich von Bozen, noch relativ ruhig, wie der Wahl-Herdecker bestätigt: „Es gibt im Moment zehn Infizierte und einen Toten. Zwei meiner Nichten arbeiten auch in der Gemeinde; bei einer wurde ein Corona-Test gemacht, aber der war zum Glück negativ. Ich weiß von einem Pastor in Canazei, der vor drei Wochen an dem Virus verstorben ist." Ein guter Freund, der eine Pension betreibe, die momentan natürlich geschlossen ist, habe ihm erzählt, dass es im Freien sehr gespenstisch sei, weil man keinen Menschen und sogar kaum ein Auto sehe.

Und die bevorstehende Ostersaison falle für ihn auch aus. „Die Leute gehen nur einkaufen. Meine Schwägerin geht nicht aus dem Haus, nur zum Aufräumen und Putzen ins Gemeindehaus. Aber die Gemeinderäume sind schon seit zehn Tagen geschlossen", berichtet Giulio Monsorno.

Eine Schwester und zwei seiner Brüder leben in Varena, ihnen gehe es gut. Der Jüngste, gerade 63 Jahre alt, bereite sich auf die Rente vor. Die anderen Geschwister seien bereits im Ruhestand – ebenso wie der dritte Bruder, der ein Restaurant in Holland führte, aber auch schon im Ruhestand ist. „Meine Brüder laufen viel draußen in den Wäldern herum und steigen auf die steilen Berge sonst kriegen sie daheim einen Koller", erzählt Giulio Monsorno mit einem humorigen Unterton. Die abrupt beendeten sozialen Kontakte machen sich eben doch bemerkbar.

Kontakt zu seinen Geschwistern habe er regelmäßig, betont der Herdecker. Meistens würden sie sich verabreden, um sich per Skype auszutauschen. Er selbst fahre in diesen Tagen meist nur kurz zum Rewe-Markt nach Ende, um dort Besorgungen zu erledigen. „Aber da bin ich immer schnell wieder weg. Ansonsten gehe ich hinauf auf den Berg. An manchen Tagen auch zwei Mal", erzählt der 75-Jährige. „Erst heute morgen habe ich noch ein bisschen gepflanzt und gegossen. Es ist mein liebster Aufenthaltsort dort", sagt Giulio Monsorno. Und Ehefrau Monika ruft aus dem Hintergrund: „Es ist sein zweites Wohnzimmer."

Sein Lieblingsfleckchen oberhalb des Nackens hat Giulio Monsorno mit seiner Ehefrau Monika schon vor vielen Jahren gefunden: Dort, wo sich dem Spaziergänger ein wunderbar weiter Blick hinunter auf den Harkortsee und die ihn umschließende Landschaft bietet, hegt und pflegt Giulio Monsorno nicht nur die zwei Ruhebänke, sondern auch Pflanzen und Vögel drumherum. Und genauso lange ist es her, dass der Herdecker dafür sorgte, dass an diesem besonderen Aussichtspunkt überhaupt eine Bank zum Verweilen aufgestellt wird. „Ich wusste, wo eine alte Bank unter dichtem Gestrüpp begraben war, und habe Bodo Sölter von den Technischen Betrieben gefragt, ob ich sie hier hinstellen darf. Ein Mitarbeiter hat mir dann dabei geholfen“, erinnert er sich. Aus Teilen einer verrotteten Trimm-Dich-Strecke baute der Rentner schließlich kleine Ablagen; irgendwann kam eine zweite Bank hinzu. Und mit der Zeit hat Giulio Monsorno rund um die beiden Bänke den Waldboden ein wenig terrassiert, um Pflanzen Halt zu geben. So ist aus Monsornos Bank, wie der Aussichtspunkt von Einheimischen genannt wird, im Laufe der Jahre ein Örtchen der besonderen Art geworden.

„Viele Leute sind von dieser Ecke hier oben genauso begeistert wie ich. Manche kommen aus Dortmund, Bochum oder sogar aus Essen. Einmal meinte ein Spaziergänger, es ist hier wie in Bayern, wenn man hinunter auf den See guckt", weiß der Wahl-Herdecker. Nicht nur viele Menschen sind dankbar für das kleine Plätzchen, auch die heimischen Insekten werden es wegen der zahlreichen Blühpflanzen in den nächsten Wochen wohl noch oft anfliegen. Giulio Monsorno hat extra eine kleine Hinweistafel aufgestellt, auf der zu lesen steht: „Dieses Gärtchen: den Bienen zur Weide, den Menschen zur Freude."

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