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Coronavirus: Nachbarschaftshilfe in Wetter

In der Coronakrise sind Hilfen gerade für ältere Menschen wichtig.

In der Coronakrise sind Hilfen gerade für ältere Menschen wichtig.

Foto: Elke Richel / BGZ

Wetter.  Leere Einkaufsregale, Ellenbogenmentalität – überall? Nein, in Wetter hat sich ein Netzwerk gegründet, das in der Corona-Krise helfen will.

Gerade ältere und vorerkrankte Menschen sollten momentan zuhause bleiben. Doch wer hilft jetzt beim Einkaufen? Berufstätige Mütter und Väter haben ein akutes Problem mit der Betreuung der Kinder. Menschen, die derzeit unter Quarantäne stehen und Haustiere haben, die raus wollen, brauchen ebenfalls Hilfe. Während viel Verunsicherung herrscht, gibt es Menschen, die zusammenrücken und eben diese Hilfe anbieten. Dazu gehört auch Michael P. Klotz, der am Samstag kurzerhand die Gruppe „Corona Nachbarschaftshilfe Stadt Wetter“ gründete.

Simples Konzept

Über 300 Mitglieder sind in der Facebookgruppe derzeit bereits registriert. Das Konzept ist simpel: Wer Hilfe anbieten möchte, schaut nach der richtigen Kategorie, wie Einkaufen, Kinderbetreuung, Hundebetreuung, Hilfsangebote allgemein oder auch medizinische Hilfe. Dort schreibt er kurz, was er anbieten kann. Hilfesuchende können dann gezielt schauen – wie auf einem digitalen Schwarzen Brett. Doch nicht alle haben Internet oder Facebook, aber auch an diejenigen wird gedacht. „Wir haben einen Telefonanschluss freigeschaltet, unter dem sich Menschen melden können. Unser Problem ist derzeit noch, dass die Nummer bisher nicht bekannt ist und eine Verteilung nur über die sozialen Medien nicht ausreicht“, erläutert Klotz. Deshalb gibt es zusätzlich Handzettel, die im Stadtgebiet verteilt werden, auf denen Hilfe angeboten wird und auf denen Menschen, die Hilfe suchen, ihre Kontaktdaten eintragen können. Darauf steht auch die Telefonnummer des Netzwerks.

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Doch wie kommt jemand eigentlich dazu, eine solche Gruppe zu gründen? „Ich bin generell ein mitfühlender Mensch, der auch immer anhält, wenn am Straßenrand ein Wagen mit Warnblinklicht steht“, sagt Klotz über sich selbst. Mit Martin Wessolowski fand er einen Verbündeten, der ihm als Administrator ebenfalls unter die Arme greift. „Wir kennen uns persönlich eigentlich gar nicht, sondern haben uns jetzt in der aktuellen Situation über Facebook kennengelernt. Wir haben die gleichen Ziele und Ansichten und ergänzen uns daher sehr gut“, erläutert Klotz.

So haben sie beispielsweise in der Nacht zu Sonntag bis 1 Uhr ehrenamtlich die Seite betreut und alles auf den aktuellen Stand gebracht. Doch eine Sache brennt den beiden noch unter den Nägeln. „Es wäre super, wenn wir noch einen Rechtsanwalt finden könnten, der uns ein wenig unterstützt“, so Klotz. Dabei geht es nicht um vollständige Beratungsangebote, sondern um generelle Antworten auf Fragen in diesem Zusammenhang, wie beispielsweise die Versicherungsaspekte bei den Hilfsangeboten, oder wie die Aufsichtspflicht geregelt ist. „Es wäre schön, wenn uns jemand rechtliche Tipps zusammenstellen könnte“, meint Klotz.

Positive Auswirkungen nach Corona

„Wir hoffen, dass sich zumindest als positiver Aspekt der Krise letztlich ableiten lässt: Dass die Leute lernen, was wirklich wichtig ist, wie nachbarschaftliche Hilfe und Solidarität. Die Skrupellosigkeit und die stärksten Ellenbogen dürfen sich dabei nicht durchsetzen“, so Klotz. Und noch einen Wunsch oder eine Hoffnung hat er: „Vielleicht reicht die Nachbarschaftshilfe auch über die Zeiten von Corona hinaus. Vielleicht bleiben die Kontakte darüber hinaus bestehen.“

Wer in Wetter Hilfe sucht oder anbieten möchte und bei Facebook unterwegs ist, findet die Gruppe unter folgendem Link: www.facebook.com/groups/3083245875061408/

Wer kein Facebook oder Internet hat, der kann sich telefonisch bei Michael P. Klotz melden, Tel. 02335 844 88-20.

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