Paare

Das Ehepaar Heyer hält eisern zusammen

„Ich schaue so gerne Bilder“, sagt Anne Heyer zur Aufnahme mit der Hochzeitsgesellschaft: Am 10. April 1954 haben sie und Erich Heyer sich das „Ja“-Wort gegeben. Kennengelernt hatten sich Beide im Turnverein.

„Ich schaue so gerne Bilder“, sagt Anne Heyer zur Aufnahme mit der Hochzeitsgesellschaft: Am 10. April 1954 haben sie und Erich Heyer sich das „Ja“-Wort gegeben. Kennengelernt hatten sich Beide im Turnverein.

Foto: Klaus Görzel

Wetter.   Am 10. April vor 65 Jahren haben Anne und Erich Heyer in der alten Kapelle der damaligen Krüppelanstalten geheiratet. Jetzt feiern sie „Eiserne“.

Wie das Wetter war am Tag ihrer Hochzeit? Alles Grübeln hilft nichts. „Das ist zu lange her“, sagt Anne Heyer. 65 Jahre sind ja auch eine lange Zeit: Am 10. April 1954 haben sich Erich und Anna Heyer das „Ja“-Wort gegeben. Und wenn auch die Frage mit dem Wetter unbeantwortet bleibt: Die Beiden haben noch ein Bild vor Augen von dem großen Tag in der alten Anstaltskapelle der damaligen Krüppelanstalten in Volmarstein. Das mit dem Bild ist wörtlich zu verstehen: So groß wie ein Briefbogen ist der Abzug, der die Hochzeitsgesellschaft von 1954 zeigt: Ihrer beider Eltern sind noch dabei, Geschwister, Anhang, und Pastor Niemöller.

Überhaupt: Bilder! „Ich schaue so gerne Bilder“, sagt Anne Heyer und geht zur Durchreiche für die Küche. Rundherum klemmen Fotos hinter dem Holz. Drei nimmt sie heraus. Eines zeigt Anne Heyer mit einem Handstand. 1950 ist das Bild entstanden , beim Harkortbergfest. „Juli 1951“ steht handschriftlich in der oberen Ecke einer anderen Aufnahme: Ein Mann macht einen Handstand und kommt dabei mit nur einer Hand aus: Erich Heyer.

Das Leben als Schule

Im TV Volmarstein haben sich die Beiden „kennen und lieben gelernt“, sagt Anne Heyer. Mit zwei Zimmern sind sie gestartet. Dann kamen vier Kinder, zwei Jungen und zwei Mädchen. Ihre Eltern mussten gepflegt werden, dann seine dazu. Erich Heyer hatte bei der Demag Dreher gelernt. Später war er in der Evangelischen Stiftung als Ausbilder beschäftigt. Schließlich machte er sich selbstständig.

Für Anna Heyer war die Schulzeit vorbei, als die Mutter an MS erkrankte. „Ich wurde aus der 8. Klasse genommen“, erinnert sie sich, „da war’s mit der Lernerei vorbei. Gefragt hat niemand.“ Und doch ist sie bei ihrem Schulwissen nicht stehen geblieben. Im Betrieb ihres Mannes war sie unverzichtbar, auch wenn das Leben die Schule war. „Die Führerscheinprüfung ist die einzige Prüfung, die ich je gemacht habe“, sagt die 84-Jährige nicht ohne Selbstbewusstsein.

Dem Wettbewerb hat sie sich dennoch gestellt, zumindest dem Sportlichen. Für sie wie für ihren Mann war der Turnverein ein Stück Heimat. 1950 holte Erich Heyer beim Landeswettkampf in Hamm den „Goldenen Kranz“. Turnen und Leichtathletik blieben sie verbunden. Ob die Beiden es deswegen bis ins hohe Alter geschafft haben? So einfach wollen sie das nicht sehen. Immerhin hatte Erich Heyer bereits mit 52 Jahren einen Herzinfarkt. Aber er dankt durchaus auch dem Sport für „die 35 Jahre, die ich seitdem geschenkt bekommen habe.“

Familie hält jung

Und wie haben es die Ehejubilare geschafft, 65 Jahre miteinander auszuhalten? Anne Heyer lacht. Ihr Rezept: „Eisern durchhalten.“ Und gemeinsame Interessen haben und die Erinnerungen gemeinsam bewahren. Die vielen Bilder helfen dabei. Um die Durchreiche hängen sie, an den Wänden, und jedes Jahr gibt es von den Kindern und Kindeskindern Fotokalender als Geschenk. Da sind sie dann, längst nicht mehr in Schwarzweiß, zu sehen, die zwei Töchter und die zwei Söhne und die mittlerweile zehn Enkel. Sind es wirklich so viele?

Nimmt man die drei Flüchtlingskinder hinzu, für die der Nachwuchs von Anne und Erich Heyer die Patenschaft übernommen hat, sind es tatsächlich zehn. „Die sind genau so wie Enkelkinder“, sagt Anne Heyer. Alle fordern sie heraus, machen Anteilnehmen möglich – und halten die Großeltern jung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben