Freizeitgelände

Das Freibad soll bleiben, die große Bleichsteinwiese auch

Aufmerksame Zuhörer im Werner-Richard-Saal der Dörken-Stiftung. Beim Thema Freibad mussten sogar Besucher auf die Tribünenplätze auseichen.

Aufmerksame Zuhörer im Werner-Richard-Saal der Dörken-Stiftung. Beim Thema Freibad mussten sogar Besucher auf die Tribünenplätze auseichen.

Foto: Klaus Görzel

Herdecke.   Ein Wellness-Hotel am Bleichstein als Betreiber fürs Freibad stößt nur auf wenig Gegenliebe beim Infoabend der Stadt. Nun ist die Politik gefragt

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Der Sanierungsstau im Herdecker Freibad ist groß. Die Stadt sucht nach Lösungen zum Erhalt. Soll dafür ein Investor ins Boot geholt werden? Schaffen die Herdecker das aus eigener Kraft? Oder wäre ein Abriss nicht konsequent, wenn das Geld für den Unterhalt einfach nicht mehr da ist? Die Meinungen gingen weit auseinander bei der Informationsveranstaltung zur Zukunft des Freibades, zu der die Stadtverwaltung in den Saal der Dörken-Stiftung eingeladen hatte.

200 Bürger kommen zu Veranstaltung zum Herdecker Freibad

Fast 200 Bürger kamen. Die meisten wollen das Freibad nicht missen. Überraschend: Der Erhalt der Bleichsteinwiese scheint einigen Herdeckern noch wichtiger. Müsste die Freizeitfläche geopfert werden, würden sie lieber aufs Bad verzichten.

Der Stand

Zwischen 3,1 und 4,5 Millionen Euro müssen in den nächsten Jahren ins Freibad gesteckt werden, „Geld, das die Stadt Herdecke nicht hat“, so Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster. „Wir beten jedes Jahr, dass die Pumpen noch laufen“, beschreibt sie die veraltete Technik. Allein 80 000 Euro sind in diesem Frühjahr für Fliesen drauf gegangen. Über 300 000 Euro schießt die Stadt im Jahr zu, damit Besucher kommen können. Immer sind es mehr als 25 000 Gäste.

Was möglich ist

Die Politik hat der Verwaltung den Auftrag gegeben, Lösungswege zum Erhalt der über 1000 Quadratmeter großen Wasserlandschaft zu finden. Steuererhöhungen sind aus Sicht der Verwaltung denkbar, eine Investorenlösung nur fürs Bad oder in Verbindung mit einem Wellnesshotel – oder die Schließung.

Das Gute an einem Investor

Das Bad würde modernisiert, außer einem festen Zuschuss zum Betrieb wäre die Stadt finanziell entlastet. Ein Wellnesshotel könnte Arbeitsplätze schaffen und Geld der Touristen in die Geschäfte spülen. Und mehr Gewerbesteuereinnahmen würde es auch geben.

Die Nachteile

Die Skepsis im Saal war groß, dass ein privater Investor dauerhaft mit „moderaten“ Eintrittspreisen, wie die Stadt sie von ihm vertraglich abfordern will, zufrieden ist. Vor allem aber: Die große Bleichsteinwiese, ein Herzstück der grünen Uferpromenade, würde bebaut. Außerdem gibt es ja schon ein Hotel – direkt gegenüber.

Bädervereine

In mehreren Wortbeiträgen wurde die Verwaltung aufgefordert, noch einmal mit den Nachbarstädten nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Ins Gespräch gebracht wurde auch ein Bürgerverein, der das Bad betreiben könne.

Die Meinungen der Bürger

„Diese optimale Freizeitfläche sollte nicht preis gegeben werden“, so ein Ratsmitglied der Grünen. „Ist die Wiese nicht sogar attraktiver als das Freibad?“, fragte ein Familienvater. Ein junger Zuhörer sah in der Hotel-Variante dagegen eine Chance für mehr Steuern, Stellen und zur Stadtentwicklung.

So geht’s weiter

Die Politiker werden entscheiden müssen, ob es eine europaweite Ausschreibung für Investoren gibt und ob auch eine Hotellösung dazu zählen wird. Eine Abkehr ist jederzeit möglich.

>>>DER KOMMENTAR

Von Klaus Görzel

Der Bürger muss jetzt liefern

Die Verbundenheit der Her­decker mit ihrem Freibad und der Spielfläche am Bleichstein ist groß. Das bekamen die Bürgermeisterin und die Verwaltungsriege bei der Informationsveranstaltung zum Bad zu spüren: Die Präsentation der Variante mit einem Wellnesshotel als Betreiber der Bades war alles andere als ein Selbstläufer.

Die Politiker werden bei ihren anstehenden Beratungen mehr als nur die Freizeitfläche am Ufer der Ruhr im Auge behalten. Herdecke kann einen Gewerbesteuerzahler und über hundert zusätzliche Arbeitsplätze und Kaufkraft in der Stadt gut gebrauchen. Von der Entlastung bei den Kosten fürs Bad ganz zu schweigen.

Es macht also Sinn, die Idee mit einem Wellnesshotel nicht gleich zu den Akten zu legen. Aber es ist sicherlich auch nicht verkehrt, die vielen Vorschläge in Richtung Bürgerbad verstärkt mit in die Überlegungen aufzunehmen. Nachbarstädte wie Wetter machen vor, wie ein Bad aus der Hand der Stadt an einen Verein übergeht – zum Nutzen der Badegäste und der Stadtkasse. Her­decke hat gute Erfahrungen mit Sponsoren und Ehrenamt.

Aber selbst wenn die Stadtverwaltung sich hier künftig offener zeigen sollte: Es sind die Bürger, die jetzt liefern müssen. Dem Bekenntnis zu Bad und Bleichsteinwiese haben Taten zu folgen.

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