Kultur

"Das Singen ist in mir drin, ich singe die ganze Zeit"

Valerie Eickhoff aus Herdecke ist mit ihrem Weg bis zum heutigen Tag jedenfalls zufrieden.

Valerie Eickhoff aus Herdecke ist mit ihrem Weg bis zum heutigen Tag jedenfalls zufrieden.

Foto: Diesner

Herdecke.  Herdecker Sängerin Valerie Eickhoff (22) ist froh über ihre erste Festanstellung am Theater Krefeld/Mönchengladbach. Es erwartet sie viel Arbeit.

Wenn Städte mit Geldsorgen sparen müssen, gerät oft der Kultur-Etat ins Blickfeld. Wie verheißungsvoll sind daher die Berufsaussichten für Musiker, Sänger, Schauspieler und Co.? Valerie Eickhoff aus Herdecke ist mit ihrem Weg bis zum heutigen Tag jedenfalls zufrieden.

Schon früh zeigte sich, dass sie eine besondere Stimme hat. Nach dem Abi an der heimischen FHS begann sie ein Studium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Abschluss: Bachelor of music mit Bestnote 1,0. Dann direkt die freudige Nachricht in diesem Jahr: das erste Festengagement im Opernstudio des Theaters Krefeld/Mönchengladbach.

„Das Singen ist in mir drin, ich singe die ganze Zeit und überall, manchmal merke ich das gar nicht“, sagt die 22-Jährige. „Musik ist einfach ein großer Teil von mir.“ Diese Leidenschaft will sie nun beruflich auf der Bühne am Niederrhein ausleben. Erste Rolle: die zweite Dame in Mozarts Zauberflöte. „Eine gute Partie“, nennt Valerie Eickhoff das. Darauf lasse sich aufbauen, wobei sie jeweils als Solistin mit mal kürzeren, mal längeren Passagen in insgesamt sechs Produktionen in der Spielzeit 2018/19 eingeplant ist.

Haus der A-Kategorie im Visier

Danach, so der aktuelle Stand, endet ihr Vertrag in dem kleinen Haus mit vier Sängern plus Pianist. Daher gehen schon jetzt die Gedanken in Richtung Zukunft. „Ich bin noch jung und habe daher gute Chancen. Es gilt, flexibel und offen zu bleiben, denn heutzutage wird viel verlangt“, sagt die Herdeckerin. Ihr Motto: nicht ausruhen, wach und lernwillig bleiben. Daher meldet sie sich auch immer mal wieder für Gesangs-Wettbewerbe an. Aus Eigeninitiative. Noch. „Es fängt langsam an, dass ich in Kontakt mit Agenturen und Managern komme. Das Interesse ist da. Wobei ich oft den ersten Schritt machen muss und mich dann vorstelle. Es wartet in dieser Branche ja keiner auf mich.“

Ihren Status muss sich erst noch ersingen. Mittelfristiges Ziel: eine Anstellung in einem großen Opernhaus der A-Kategorie wie zum Beispiel Düsseldorf oder Berlin. Willkommen sind natürlich auch Rollen im Ausland, dafür seien Kontakte und Wettbewerbs-Referenzen wichtig. „Die Konkurrenz ist groß, man muss alles geben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Glück gehöre auch dazu.

Tolle Stimme allein reicht nicht

Doch ohne Talent geht mal gar nichts. Das zeigte sich bei Valerie Eickhoff schon in der Kindheit. Vertiefen konnte sie es im Studium, als sie auch Schauspiel- und Italienisch-Unterricht erhielt, hinzu kamen Stilkunde, Sprecherziehung, Musiktheorie und Bewegungs-Training. „Nur singen alleine bringt nichts, man muss sich auf der Bühne auch bewegen können.“ Sie habe genug Selbstvertrauen. Etwas Bedenkzeit braucht sie, um ihre drei größten Stärken zu benennen. Dann: „Ich weiß, was ich will. Und natürlich singen. Zudem bin ich diszipliniert.“ Und zwar mit Blick auf den Gesang, Pläne und Organisation.

Ihr Lieblings-Stück? „Rossini singe ich gerne. Das kommt meiner Stimme entgegen.“ Sie definiert sich als lyrischen Mezzosopran, der auch schnellere Passagen sowohl in höherer als auch tieferer Stimmlage bewältigen kann. „Vom Timbre her bin sich kein Sopran, meist sind das ältere Kollegen mit schwererem, dramatischem Klang. Bei mir klingt es wärmer und runder.“ Trotz ihrer Naturbegabung müsse sie viel üben. Und ist gespannt, was sich da noch ändert. Denn sie weiß, dass die Stimme bis zum 25. Lebensjahr wächst, da sich die Stimmbänder verdicken. „In welche Richtung es für mich eines Tages mal gehen kann, wird sich zeigen.“ Ein Fachwechsel (etwa hin zum dramatischen Sopran) sei mit zunehmendem Alter keine Seltenheit.

Mal zielstrebig, mal gelassen

Klingt nach Gelassenheit. Doch so einfach ist es ist. Schwierig sei es manchmal mit ihrem Anspruch und Ehrgeiz, Valerie Eickhoff nennt das ihre zwei Ichs. Einerseits höre sie oft eine innere Stimme, die sie antreibt und zur Zielstrebigkeit ermahnt. Bloß nicht stehen bleiben. Andererseits flüstert ihr auch jemand Unbekanntes ein, den Moment zu genießen. „Ich kann ja gar nicht alles falsch gemacht haben und sehe mich auf einem guten Weg. Ich bin zufrieden, wie es läuft.“

Wenn es mit der Opern-Karriere eines Tages nicht weitergehen sollte, „kann ich immer noch was anderes machen. Darüber muss ich mir jetzt aber nicht den Kopf zerbrechen.“

zum Zukunftsrauschen...
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