Mein Gott

Der Tod hat nicht das letzte Wort

Pfarrer Karsten Malz aus Wetter blickt über das Ende des irdischen Lebens hinaus.

Morgen ist Totensonntag. Wir denken an unsere Verstorbenen. In den Gottesdiensten werden vielerorts Kerzen für die Menschen entzündet, die im letzten Jahr gestorben sind. Das Gedenken an einen individuellen Tod steht dabei im Vordergrund.


Aber der Totensonntag ist zugleich Ewigkeitssonntag. Und das heißt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass es Leben über den Tod hinaus gibt. Ewiges Leben für den Einzelnen und Errichtung des Reiches Gottes am Ende der Zeit, das ist die Verkündigung, die sich mit dem Ewigkeitssonntag verbindet.
Die ersten Christinnen und Christen glaubten daran, dass die Wiederkunft Christi und Aufrichtung des Reiches Gottes kurz bevor steht. Sie sehnten sich geradezu nach dem Ende und rechneten gar nicht mehr mit ihrem eigenen Tod, bevor es so weit ist. Die Erwartung des nahen Endes hat sich nicht erfüllt.


Wir leben im Jahr 2020 und sehnen uns in der Regel nicht nach dem Ende. Texte von manchen Kirchenliedern, die diese Welt als Jammertal bezeichnen und das baldige Ende herbeiwünschen, entsprechen nicht unserem heutigen Lebensgefühl. Wir haben keine Endzeitsehnsucht. Krisenzeiten, und in einer solchen befinden wir uns ja, veranlassen uns nicht dazu, uns auf das Ende der Welt vorzubereiten, sondern gegen die Krise anzukämpfen.


Wir hängen am Leben und bemühen uns darum, Leben zu erhalten. Wir tragen Masken, halten Abstand, schränken unsere Kontakte ein und erhöhen die Bettenzahl auf unseren Intensivstationen und sind guten Mutes, dass es bald einen Impfstoff geben wird.


Und doch gibt es ihn, den irdischen Tod, und das nicht nur in Corona-Zeiten. Er macht traurig, weil er irdische Lebensgemeinschaft beendet. Und wir dürfen unserer Traurigkeit auch Raum geben. Das ist nur allzu menschlich. Aber wir Christinnen und Christen können das in dem Vertrauen tun, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Das ist für mich ein tröstliches Vertrauen.


Ich wünsche uns allen, dass wir in den schweren Zeiten unseres Lebens immer wieder Trost erfahren und sich uns neue Perspektiven eröffnen.

Karsten Malz ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Wetter

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