Flüchtlinge

Deutschkurse für Flüchtlinge: Lehrer gesucht

„Was machst Du in der Turmstraße?“, fragt Christel Neumann mit dem Monopoly-Spielfeld in der Hand. „Ich arbeite in der Turmstraße“, versucht Hamed Ghaderi, der aus Afghanistan nach Herdecke gekommen ist, eine Antwort. Shqipe Zhllima (links) und Jesmina Zyberi hören zu. Sie stammen aus Albanien.

„Was machst Du in der Turmstraße?“, fragt Christel Neumann mit dem Monopoly-Spielfeld in der Hand. „Ich arbeite in der Turmstraße“, versucht Hamed Ghaderi, der aus Afghanistan nach Herdecke gekommen ist, eine Antwort. Shqipe Zhllima (links) und Jesmina Zyberi hören zu. Sie stammen aus Albanien.

Foto: Klaus Görzel

Herdecke.   Zwei Mal die Woche lernen im Gemeindehaus an der Stiftskirche in Herdecke Flüchtlinge Deutsch. Es sollten noch ein paar Lehrer mehr sein.

Zwei Mal in der Woche wird der große Raum im Gemeindehaus an der Stiftskirche zum Klassenzimmer. In bis zu vier Gruppen erfahren Flüchtlinge mehr über die deutsche Sprache und damit auch über das Leben in ihrem Gastland. Nicht immer ist für jede Gruppe auch ein eigener Lehrer da. Dann wird zusammengelegt. Das soll künftig nicht mehr so häufig nötig sein: Für die Sprachkurse werden weitere Lehrkräfte gesucht. Was sie können müssen und warum nicht nur studierte Lehrer gefragt sind, erklären im Gespräch mit der Lokalredaktion Christel Neumann und Rainer Hatzky.

Gibt es noch den starken Zuzug?

Rainer Hatzky: Wir haben noch neue Flüchtlinge, die frisch nach Herdecke gekommen sind und die noch keine Integrationskurse besuchen konnten. Das sind zwar wenige, aber einige von denen kommen zu uns in den Sprachkurs.

Gab es so etwas wie einen Stau?

Hatzky: Am Anfang haben sehr viele gewartet auf einen Integrationskurs. Es gab einfach nicht genug Angebote. Das hat sich aber sehr gebessert, so dass wir jetzt einige hier sitzen haben, die nachmittags zu einem Integrationskurs gehen und vormittags trotzdem noch zu uns in den Sprachkurs kommen.
Christel Neumann: Es gibt bei uns nicht nur Geflüchtete, sondern auch „Schülerinnen“, wo der Mann hier in Deutschland eine Position gefunden hat und sie einfach in der Sprache drin bleiben möchte.

Gibt es auch Angebote für Fortgeschrittene?

Neumann: Wir haben drei Levels...

Hatzky: ... das geht los bei der Alphabetisierung für Flüchtlinge, die weder Deutsch schreiben noch Deutsch sprechen können...
Neumann: ... wobei da noch ein Unterschied ist, ob die Leute überhaupt alphabetisiert sind oder aber ob sie arabisch schreiben und lesen können, aber nicht die lateinische Schrift kennen.

Wohin werden die Teilnehmer nach so einem Kurs entlassen?

Hatzky: Wir haben eigentlich keinen systematischen Aufbau. Es passiert ja auch dauernd, dass jemand kurzfristig bei einem Integrationskurs am Vormittag anfängt und dafür bei uns aufhören muss. Zu uns kommen aber auch besonders Mütter, die wegen ihrer kleinen Kinder nicht in Integrationskurse gehen können. Bei uns gibt’s Betreuung.

Neumann: Das zweite Level ist für Menschen, die eigentlich schon schreiben und lesen können, wo das Sprechen noch besser gehen kann. Und die dritte Gruppe sind dann die Fortgeschrittenen.

Neumann: Allerdings: Die Menschen kommen, sie gehen aber auch wieder. Wir müssen hier ständig mit unterschiedlichen Gruppen klar kommen. Daher ist das nicht ein so striktes Lernen, wie man es sich vielleicht wünschen würde.

Vermitteln Sie auch Infos über die Angebote für Flüchtlinge?

Hatzky: Viele von denen, die bei uns sind, gehen auch zum Nachbarschaftsnetzwerk, bringen von da auch neue Leute hier her. Manchmal haben sie auch Anträge mit zum Ausfüllen. Da verweisen wir an den VCS. Wir sind aber trotzdem auch Anlaufstelle für Fragen.

Was muss ein „Lehrer“ für die Kurse hier mitbringen?

Neumann: Wir beide sind ehemalige Fremdsprachenlehrer hier an Herdecker Schulen. Das gilt für den überwiegenden Teil der Unterrichtenden. Aber einen Alphabetisierungskurs kann sicherlich auch jemand machen, der kein ausgebildeter Lehrer ist. Hilfreich ist das natürlich schon.

Wie groß ist der Aufwand?

Neumann: Ich empfinde es als störend, dass man so viele Kopien machen muss. Dafür fahre ich regelmäßig von Kirchende nach Vorhalle. In Witten beispielsweise können Lehrende die Kopierer der Stadtbücherei für die Sprachkurse nutzen. Ein ähnlich unkompliziertes Kopieren wäre ein Wunsch von mir an die Stadt Herdecke.

Hatzky: Um Geld geht es hierbei nicht. Das haben wir aktuell aus verschiedenen Quellen. Es geht nur um das Praktische. Ansonsten hält sich der Arbeitsaufwand in Grenzen.

Da sind die drei Stunden, die ich zwei Mal in der Woche hier bin. Und Vorbereitung mache ich auch, so weit sich die Kursteilnehmer und somit der Unterricht berechnen lassen.

Wo soll man sich melden, wenn man als Lehrer bei den Kursen im evangelischen Gemeindehaus dabei sein möchte?

Hatzky: Am besten hier her kommen, schauen und dann sagen: Das kann ich mir vorstellen. Das bringt sicher mehr als jetzt eine Telefonnummer anzugeben.

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