Kunstreihe

Die Feisten präsentieren im Stadtsaal Programm vom Feinsten

Abschluss 23. Kleine Kunstreihe der Lichtburg: Mathias Zeh (mit Sonnenbrille) und Rainer Schacht sorgten als Duo Die Feisten mit Musik-Comedy für Erheiterung im Stadtsaal Wetter.

Abschluss 23. Kleine Kunstreihe der Lichtburg: Mathias Zeh (mit Sonnenbrille) und Rainer Schacht sorgten als Duo Die Feisten mit Musik-Comedy für Erheiterung im Stadtsaal Wetter.

Foto: Steffen Gerber

Wetter.  Amüsante Anekdoten und witzige Lieder: Das Musik-Comedy-Duo Die Feisten beschließt im ausverkauften Stadtsaal die 23. kleine Kunstreihe.

Weniger ist mehr. Das gilt mitunter auch für angenehme Kulturabende. Manchmal reichen zwei Herren, die mit guten Stimmen musizieren und humorvolle Geschichten erzählen können. Nicht zu unterschätzen: Talent gehört definitiv dazu, um ein Publikum auf charmante Art und Weise zu unterhalten.

Im ausverkauften Stadtsaal erleben Zuschauer ein Musik-Comedy-Duo in Bestform. Zum Abschluss der 23. kleinen Kunstreihe präsentieren die Feisten ein Programm vom Feinsten. Mehr als zwei Stunden agieren Rainer Schacht meist an der Gitarre und Sonnenbrillenträger Mathias Zeh nach dem gleichen Schema: Jedes ihrer 18 Lieder leiten sie mit lustigen Episoden aus ihrem Alltag oder Lebensweisheiten ein. Was nach vielen Wiederholungen klingt, entpuppt sich dank der oft subtilen Anekdoten und ausgeprägten Selbstironie als Vergnügen.

2017 ausgezeichnet

Schnell wird klar, warum die Beiden 2017 den deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte „Lied, Chanson, Musik“ erhalten haben. „Wir sind ja schon überall aufgetreten, aber in Musikerkreisen erzählt man sich: Wer in Wetter für ein ausverkauftes Haus sorgt, der hat es geschafft“, sagt Rainer Schacht zu Beginn mit einem augenzwinkernden Unterton, ohne dafür mit den Augen zwinkern zu müssen. „Wir waren noch nie hier und fragen uns: Wie konnte das passieren?“ Dabei trat das Duo früher 25 Jahre lang als Trio „Ganz schön feist“ vielerorts auf. Das thematisieren sie auch in ihrem Sommerspezialprogramm, das gelegentlich auch über Gitarrenmusik spanische Nuancen enthält. Etwa in den Liedern „Flamingo Dolores“ oder „Prunzuela“, in denen es um ein erotisches Abenteuer mit einer Kneipenwirtin oder eine sexy, aber eher prollige Dame geht. Auch das Schlager-Duo Amigos erhält eine musikalische Breitseite. Weitere Länderanspielungen: Schweden (reimt sich schön auf Logopäden) oder komische Dialekte in Niederbayern.

Sinnbildlich für den Humor steht womöglich ein Stück mit einer bahnbrechenden Erkenntnis: Enten haben keine Ohren. Klingt platt, doch dank einer intellektuellen Einführung über erfolgreiche Studienabbrecher in ihrer Heimatstadt Göttingen verleihen die Feisten solchen Inhalten einen witzigen Kontext. Und wenn Mathias Zeh mit seiner heiseren Stimme singt und dabei mit seinem Kompagnon interagiert, muss der seltsam tanzende Mann hinter der dunklen Brille oft an sich halten, um nicht noch mehr zu lachen. Als Glatzköpfige flechten sie Witze über lange Haare ein, versuchen sich als Telefonisten mit französischen Vornamen oder karikieren karrieregeile Kollegen in der Arbeitswelt mit ihrem Hit „Kriech nich da rein“ nach der Udo-Jürgens-Melodie zum griechischen Wein.

Schachts Stimme ersetzt den Bass

Während sein Bühnen-Partner vor dem Griff in keimbelastete Nussschüsseln warnt, sorgt Schacht nur mit seinem Organ für die Basstöne. Er beherrscht mehrere Instrumente und hat eines davon aus einem Thermomix – wieder mit und ohne Augenzwinkern – hergestellt. „Das schmeckt deshalb noch nach Linsensuppe.“ Und dank ultimativer Rezepte für eine glückliche Beziehung gehen die dauerschmunzelnden Zuschauer sogar klüger nach Hause. „Kerle sollten ihre Perle auch dann auf Händen tragen, wenn diese zu schwer ist.“ Und Frauen sollten Männer auch bei einem Schnupfen bemitleiden oder auch mal deren Nasenhaare loben.

Nach zwei Zugaben steht als Fazit: So ist Kleinkunst ganz groß.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben