Kommunalwahl

Die Linke gewinnt im Los-Krimi für den Rat in Herdecke

Warten auf den Losentscheid: Eine Tasche, zwei Hüllen von Überraschungseiern und die Zettel mit den Namen der Parteien liegen bereit.

Warten auf den Losentscheid: Eine Tasche, zwei Hüllen von Überraschungseiern und die Zettel mit den Namen der Parteien liegen bereit.

Foto: Klaus Görzel / WP

Herdecke.  Überraschungseier bergen meist einfaches Spielzeug für Kinder. In Herdecke haben sie einer Partei zu einem Ratsmandat mehr verholfen.

Das Überraschungs-Ei hatte es in sich: Als Wahlleiter Dieter Joachimi den eingerollten Zettel mit der Aufschrift der Siegerpartei entrollte und laut vorlas, ging ein freudiger Schrei durch den Ratssaal. Ausgestoßen hatte ihn Dieter Kempka. Der Linke wird nun doch nicht als Einzelkämpfer in den frisch gewählten Rat einziehen: Vladimir Munk hat das Losglück ereilt. Enttäuschung bei den Grünen. Sie hatten auf einen Einzug von Irmingard Schewe-Gerigk gehofft.

Wahlausschusssitzungen sind sonst meist nur eine wichtige Formalität. Diesmal galt es aber nicht nur die Ergebnisse von Bürgermeisterinnenwahl und Ratswahl zu bestätigen. Im Ausschuss selber fiel die Entscheidung über den noch freien 38. Sitz im Herdecker Stadtrat. Auch Entscheide im Wahlausschuss hat es in Herdecke schon gegeben. Dabei ging es aber immer um Stimmengleichheit bei zwei Kandidaten für das Direktmandat in einem Wahlbezirk. Diesmal aber war das etwas anders.

37 Sitze ließen sich schon gleich nach der Auszählung am Wahlabend zuordnen. Beim letzten allerdings versagte alle Mathematik. Wahlleiter Dieter Joachimi erläuterte es im Wahlausschuss noch mal kurz: Beim Verhältnisausgleich der Mandate über die Reservelisten hat es gehakt. Alle Rechnungen führten dahin, dass es entweder nur 37 oder aber 39 Mandate gab und damit eines zu viel. Zwischen Grünen und Linker Partei musste das Los die Entscheidung bringen.

Stark als Fraktion

Bei den Grünen wäre Irmingard Schewe-Gerigk noch einmal in den Rat gekommen. Sie stand auf Platz acht der Reserveliste – und bis Platz sieben zog die Liste ohnehin. Der Linken gratuliert sie nun zum Losglück und bedauert doch, dass die Grünen im Rat nicht doch noch ein wenig stärker geworden sind. „Unsere Ehrlichkeit vor der Wahl zu dem Hochspannungsmasten hat sicherlich Stimmen gekostet“, sagt sie, „trotzdem stehen wir dazu.“

Vladimir Munk wurde von Dieter Kempka zwar zur Wahlausschusssitzung erwartet, musste sich wegen einer Verzögerung bei der Arbeit dann aber doch über den Ausgang des Entscheids informieren lassen. Durch das Losglück ist Kempka nun kein Einzelkämpfer mehr wie zum Ende der auslaufenden Ratsperiode, in der zwei linke Ratsmitglieder zur SPD gewechselt waren. „Damit können wir nachhaltiger und schlagkräftiger die Politik machen, für die wir Linken im Wahlkampf geworben haben“, sagt Kempka. Auch Munk selbst, den „das Quentchen Glück glücklich macht“, sieht in erster Linie die Möglichkeit, nun in Fraktionsstärke linke Politik in Herdecke machen zu können.

Wie Vladimir Munk war auch Irmingard Schewe-Gerigk im Moment des Losentscheids nicht im Ratssaal. So konnten Beide gar nicht sehen, wie Dieter Joachim den entscheidenden Zettel aus dem blind gegriffenen Überraschungs-Ei zog. „Ist doch eine Überraschung, die da drin steckt“, hatte er vorher gescherzt. Stimmte. Jetzt allerdings haben die Parteien und die Wähler Gewissheit.

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