Flüchtlinge

Ehrenamtliche üben Kritik an „falschem Signal“ der Stadt

Erfahren in der Flüchtlingsarbeit: Beim VCS gibt es seit Dezember 1989 erinmal im Monat ein "Internationales Frühstück". Für die Besucher gibt es außer Brötchen Kleidung und Hausrat.

Foto: Klaus Görzel

Erfahren in der Flüchtlingsarbeit: Beim VCS gibt es seit Dezember 1989 erinmal im Monat ein "Internationales Frühstück". Für die Besucher gibt es außer Brötchen Kleidung und Hausrat. Foto: Klaus Görzel

Herdecke.   Die Stadt Herdecke lässt Verträge für die Flüchtlingsbetreuung auslaufen. Professionelle Hilfe für Geflüchtete sei weiter nötig, sagen Helfer.

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„Die Flüchtlinge fallen jetzt nicht mehr auf. Sie tragen keine Flipflops mehr, haben Winterjacken und alle ein Dach überm Kopf. Aber jetzt zu sagen, macht mal alleine weiter, das geht nicht.“ Deswegen sei es ein „total falsches Zeichen“, was die Stadt Herdecke mit der geplanten Reduzierung der Stellen in der Flüchtlingsarbeit aussende, sagen Gudrun Weigt und Katja Baumgart zum Bericht von gestern. Die Herdeckerinnen engagieren sich seit längerem ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit und wissen, wie notwendig Hilfe dort noch immer ist. Deswegen sind sie ins Café Kornspeicher gekommen, um ihre Empörung und ihr Unverständnis über die geplante Stellen-Reduzierung deutlich zu machen.

Egal ob im Kontakt mit dem Stromversorger oder der Krankenkasse, mit dem Bauspielplatz oder beim Arztbesuch – viele Geflüchtete seien nach wie vor auf Unterstützung angewiesen. Denn einige würden erst nach zwei Jahren einen Platz in einem Sprach- bzw. Integrationskurs finden.

Probleme im täglichen Leben

„Ich habe erst letztens für einen Arzttermin einen Dolmetscher bei der Diakonie in Hagen organisiert. Es ist falsch, zu glauben, dass alles läuft. Wenn die Menschen keine Ansprechpartner mehr bei uns haben, dann versuchen sie, ihre Angelegenheiten untereinander zu regeln, und dann entsteht Subkultur“, sagt Gudrun Weigt.

Die begrenzte Zahl von Ehrenamtlichen könne aber nicht alles leisten: „Man kann auch nicht alles aufs Ehrenamt schieben. Die Aufgaben verteilen sich auf zu wenige Schultern, und die sind auch nicht professionell.“ Denn immer wieder tauchten Probleme im täglichen Leben der Geflüchteten auf, bei denen Hilfe notwendig sei. Etwa bei der Familie, die Krankenhauskosten über 5000 Euro zahlen sollte, weil sie auf einmal privat versichert war. Oder wenn Kinder Probleme in der Schule hätten – etwa weil sie in der falschen Schule seien oder dem Unterricht fernblieben, weil es Probleme in der Familie gebe.

„Da muss sich jemand dort melden und sagen, dass er für die Stadt Herdecke spricht und nicht als Freund oder ehrenamtlicher Helfer“, meint Katja Baumgart. Wenn dann demnächst der Verein zur Förderung christlicher Sozialarbeit (VCS) kein Stundenkontingent von der Stadt mehr finanziert bekomme, hätten nicht nur die Ehrenamtlichen keinen Ansprechpartner mehr. Auch bei den Geflüchteten heiße es immer, wenn jemand nicht mehr weiter wisse: „Barbara anrufen!“ Barbara Degenhardt-Schumacher ist beim VCS beschäftigt und in den vergangenen Jahren diejenige gewesen, bei der die meisten Fäden in der Flüchtlingsarbeit zusammen liefen. Gudrun Weigt: „Überall wird von Integration geredet, aber wenn das nichts kosten darf, dann wird es schwierig.“

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