Musik

Ein Konzert in Herdecke mit Friedens-Botschaft

Das Renner-Ensemble wurde 1987 gegründet und nach dem Regensburger Domorganisten und Komponisten Josef Renner (1868-1934) benannt.

Das Renner-Ensemble wurde 1987 gegründet und nach dem Regensburger Domorganisten und Komponisten Josef Renner (1868-1934) benannt.

Foto: Veranstalter

Herdecke.   Das Renner-Ensemble Regensburg erinnert im Werner-Richard-Saal in Herdecke an Opfer des 1. Weltkriegs. Zwei Zugaben nach Imagine von John Lennon

Das große Publikum im Werner-Richard-Saal war gespannt auf „mal ganz was Anderes“: Das Renner-Ensemble Regensburg unter der Leitung von Hans Pritschet gedachte in seinem Konzert „War no more“ der Opfer des Ersten Weltkriegs. Neben den schmalen Programmzetteln wurden Hefte mit kompletten Liedtexten samt Übersetzung und Interpretationshilfen verteilt, dazu biographische Notizen zu den Komponisten.

Ausbildung bei Domspatzen

Viele der 15 jungen Männer hatten ihre Karriere bei den Domspatzen begonnen. Alle kombinierten ihre perfekt ausgebildeten Stimmen zu einem homogenen Gesamtklang, im Fugato mit unterschiedlichen Einsätzen wie in akkordischen Strukturen. Der Tenor stieg vielfach auf in Countertenorlage bis zum Alt, was dem Gesang einen weichen Sound verlieh. Der Bass sank oft ab in Grabestiefe.

Pritschet führte seine Sänger mit unglaublich agilen Bewegungen an: Akzente mit spitz zustechenden Fingern, Lautstärkeveränderungen mit weit ausholenden Gebärden oder sanftem Streicheln, komplizierte Rhythmusverschiebungen mit wippenden Füßen antreibend. Auf diese Weise wurden die Texte in perfekter Klarheit interpretiert.

Clémant Janequin (ca. 1485-1558) befasste sich in „La Guerre“ (Der Krieg) mit einer Schlacht des französischen Königs mit den Eidgenossen. Zunächst wurden die Soldaten im energischen Dreiertakt aufgefordert, Franz I. mutig zu folgen. Die Lilie, das Wappen der Bourbonen, wurde liebreich besungen. Im zweiten Teil ging es mit kurzen abgehackten Silben im Marschrhythmus kriegerisch zu. Nach dem Sieg des Königs wurde zur Flucht aufgerufen: ein aufwühlendes Hin und Her!

Wilhelm Kienzl (1857-1941) komponierte das „Gebet im Kriege“ op. 92, 1. In choralartigen Akkorden wurde um das „Das Morgenglüh’n eines Sieges“ gefleht. Der sanfte Schluss nach einem innig-lauten Anruf Gottes ließ auf Vertrauen schließen.

Zwischen den Gesängen wurden Gedichte vorgetragen, so über die Grauen des Krieges von Andreas Gryphius (1616-1664). Christian Morgenstern und Wilhelm Busch wurden zitiert, dieser mit einem ironischen Text über ein Zusammentreffen zwischen Fuchs und Igel. „Lützow’s wilde Jagd aus Leyer und Schwerdt“ op. 42 von Carl Maria von Weber (1786-1826) erinnerte an den berühmten Jägerchor aus dem „Freischütz“. Josef Gabriel Rheinberger schilderte die Angst vor den „Hunnen“ aus op. 130 mit lautem Geschrei und einer leisen hoffnungslosen Wiederholung. Nikolay Sokolov (1859-1922) berichtete „From Siberia“ op. 1, 6 in bedrückend monotoner Langsamkeit die Flucht der Besiegten.

Einschübe faszinieren Zuhörer

Steven Heelein (*1984) vertonte den Bibel-Text „Omnia tempus habent“ (Alles hat seine Zeit) als Auftragswerk zum 30-jährigen Jubiläum des Ensembles, eine hochmoderne, Sprechstimme und Gesang kombinierende Komposition. „Om-“ war ein langer Ton, dem ein geflüstertes „-nia“ folgte. Ein Summton blieb erhalten. Das „Tempus“ wurde manchmal nur gesummt, der Schluss „usque ad finem“ (bis zum Ende) gesprochen. Diese völlig unerwarteten Einschübe faszinierten die Zuhörer.

Pritschet hatte noch „Imagine“ von John Lennon (1940-1980), eine Hymne der Friedensbewegung, arrangiert. Der Dirigent bedankte sich für den begeisterten Applaus: „Wir sind überwältigt!“ Er spendierte zwei Zugaben: „Down by the Riverside“ und das Volkslied „In einem kühlen Grunde“.

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