Mein Gott

Ein sicheres Zuhause ist eine Gnade Gottes

Pfarrer Ulrich Mörchen verlässt nach 22 Jahren die evangelische Gemeinde in Wengern.

Foto: Susanne Schlenga

Pfarrer Ulrich Mörchen verlässt nach 22 Jahren die evangelische Gemeinde in Wengern. Foto: Susanne Schlenga

In seinem letzten Beitrag für diese Rubrik schreibt Pfarrer Ulrich Mörchen, der die Gemeinde in Wengern verlässt, über Dankbarkeit.

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Gut 35 Prozent unserer Konsumausgaben stecken wir in unsere Wohnungen, sagt das Statistische Bundesamt, monatlich im Durchschnitt 877 Euro pro Haushalt.


Wohnen, ein Zuhause haben, ist eines unserer stärksten Grundbedürfnisse. Schon immer haben wir Menschen den Drang verspürt, sesshaft zu sein, irgendwann hatten wir genug vom Nomadentum, vom ewigen Aufbruch und Neuanfang. Und wir fingen an, feste Häuser, Siedlungen, Dörfer, Städte zu bauen – bis hin zu den Wohnsilos in den Megacities unserer Epoche. Wir ziehen nicht mehr umher, sondern bleiben an einem Ort, oft über Jahrhunderte. Wenn wir‘s genau nehmen, gilt das natürlich nur für die Privilegierten unter der Weltbevölkerung. Wenn man die syrischen, afrikanischen, palästinensischen oder myanmarischen Flüchtlinge in ihren Lagern fragt, wird man andere Realitäten wahrnehmen. Aber natürlich sehnen auch sie sich nach einem Zuhause in einer Heimat. Das Jesuskind, das wir dieser Tage erwarten, ist diesen Flüchtlingen ähnlicher als uns, die wir am heimeligen Weihnachtsbaum sitzen können. Ihm fehlt es auch an einem geeigneten Dach über dem Kopf. In einem Viehstall als vorübergehender Unterkunft erblickt es diese Welt, in der es auch als Erwachsener keine rechte Heimat finden wird. Jesus, Krippenkind, auf der Flucht vor Herodes, umherziehend als Wanderprediger, ohne Eigenheim, ohne „bleibende Stadt“, die „zukünftige suchend“. „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege“, wird Jesus später sagen.


Gerade an Weihnachten entdeckt man neu, was es für eine Gnade ist, ein sicheres Zuhause zu haben. Keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Gnade. Trotz grundlegend formulierter Menschenrechte wird es nach wie vor Millionen verwehrt. Ein Blick in die judäische Notunterkunft in Bethlehem macht aufmerksam: „So merket nun das Zeichen recht: die Krippe, Windelein so schlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt.“


Wenn Ihr Euch morgen am Weihnachtsabend in Euer weiches Bett kuschelt, genießt es, denkt an die, die Ihr lieb habt - und sagt „Danke“. Und betet für die, die noch wohnungslos und heimatlos sind und ein geeignetes Dach über dem Kopf suchen.

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