Geschichte

Ein toter Esel sorgt für Empörung in Wetter

Wetters Freiheit mit der ehemaligen Burgkapelle, die seit dem späten 17. Jahrhundert der evangelisch-reformierten Gemeinde als Kirche diente – Ausschnitt aus einem Stahlstich von 1841 nach einer Zeichnung von Carl Schlickum.

Foto: Gerd Sollbach

Wetters Freiheit mit der ehemaligen Burgkapelle, die seit dem späten 17. Jahrhundert der evangelisch-reformierten Gemeinde als Kirche diente – Ausschnitt aus einem Stahlstich von 1841 nach einer Zeichnung von Carl Schlickum.

Wetter.   1764 fliegt Kadaver über die Mauer des Kirchhofs der reformierten Gemeinde. Das war hässlich – und außerdem von tieferer Bedeutung.

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Eine böse Überraschung: Als die Gläubigen der reformierten Gemeinde in Wetter am Sonntag vor dem Neujahrstag 1765 in ihre Kirche in der Freiheit gehen wollten, machten sie eine böse und zudem noch ausgesprochen widerliche Entdeckung. In der Nacht zuvor hatte nämlich jemand direkt vor der Kirchentür heimlich eine Menge Blut verschüttet. Bei dem Blut handelte es sich um Eselsblut, wie sich schnell herausstellte. Die unbekannte Person hatte nämlich auch noch einen toten Esel über die Mauer auf den Kirchhof geworfen. Dem Tier war außerdem das Fell abgezogen worden. Obendrein hatte man ihm auch noch den Kopf und sämtliche Füße abgeschnitten.

Was heute als eine ebenso unverschämte wie üble „wilde“ Entsorgung eines Tierkadavers verurteilt würde, hatte in der damaligen Zeit der unversöhnlichen konfessionellen Gegensätze noch eine andere, aber besonders schwer wiegende Bedeutung.

Beschimpfung und Verunglimpfung

In der hiesigen Gegend, in der die Bevölkerung seit der Reformation weit überwiegend lutherisch war, gab es nämlich fast ständig Streitereien und Reibereien vor allem zwischen den Lutheranern und Reformierten. So sah dann auch die kleine reformierte Gemeinde in Wetter in dem Geschehen in der Nacht zum Sonntag vor dem Neujahrstag 1765 nicht nur ein Ärgernis, sondern vor allem eine „Beschimpfung“ ihrer Glaubensgemeinschaft.

Dabei spielte auch eine Rolle, dass es sich bei dem über die Kirchhofmauer geworfenen Tierkadaver ausgerechnet um einen Esel handelte. Da dem Esel auch damals schon traditionell negative Eigenschaften wie vor allem Dummheit zugesprochen wurden, fühlten sich die Wetteraner auf diese Weise zudem auch noch verunglimpft.

Folglich erschien am 4. Januar 1765 das Konsistorium der reformierten Gemeinde bei Wetters Bürgermeister, um Anzeige zu erstatten und eine Untersuchung des Vorfalls zu verlangen. Der Bürgermeister hielt den Vorfall für ernsthaft genug, um eine Untersuchung zu veranlassen und eine Bestrafung des Täters herbeizuführen.

Vergleich und keine Bestrafung

Einen Verdächtigen oder vielmehr Täter konnte das Konsistorium bereits präsentieren. Ein gewisser Peter Neuleben sei nämlich der einzige, der im ganzen Ort einen Esel besitze. Der Ratsdiener wurde von dem Bürgermeister beauftragt, Peter Neuleben für den 12. Januar um 10 Uhr vormittags zum Verhör vorzuladen. Außerdem sollte der Ratsdiener Neuleben auffordern, den Eselkadaver unverzüglich von dem Kirchhof der reformierten Gemeinde fortzuschaffen. Das Verhör des Peter Neuleben erbrachte aber offensichtlich keine endgültige Klärung des Vorfalls, weshalb der Bürgermeister die Vorladung von Zeugen anordnete. Doch zur Anhörung der Zeugen kam es nicht.

Auch eine Bestrafung Neulebens erfolgte schließlich nicht. Am 2. März 1765 ließ der reformierte Prediger Sethmann dem Bürgermeister durch den Rektor Graeber mitteilen, dass man sich mit dem Neuleben wegen des vor der Kirchentür verschütteten Bluts und des über die Kirchhofmauer geworfenen Esels „verglichen“ habe. Der Bürgermeister wurde deshalb gebeten, von der weiteren Untersuchung und der geplanten Vorladung der Zeugen Abstand zu nehmen.

Akte heute im Stadtarchiv

Dieser Bitte kam der Bürgermeister – sicherlich auch mit Erleichterung – unverzüglich nach. Noch am selben Tag ließ er durch den Ratsdiener bekanntmachen, dass die Untersuchung des Vorfalls auf dem Gelände der reformierten Kirche in der Nacht zum Sonntag vor dem Neujahrstag 1765 aus „angezeigter Ursache“ nicht fortgeführt werde und auch die Vorladung der Zeugen abgesagt sei.

Darüber, wie sich die reformierten Gemeinde seinerzeit mit dem Täter Peter Neuleben verständigte und was zwischen dem 12. Januar und 2. März 1765 in der Sache geschehen war, enthält die heute im Stadtarchiv Wetter aufbewahrte betreffende Akte allerdings nichts.

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