Bildung

Eltern sorgen sich um Zukunft der Realschule in Herdecke

Die Realschule am Bleichstein in Herdecke platzt aus allen Nähten. Eine Erweiterung zum Schulhof im Eingangsbereich ist nicht möglich. Unter der Erde verlaufen wichtige Versorgungsleitungen.

Die Realschule am Bleichstein in Herdecke platzt aus allen Nähten. Eine Erweiterung zum Schulhof im Eingangsbereich ist nicht möglich. Unter der Erde verlaufen wichtige Versorgungsleitungen.

Foto: Klaus Görzel

Herdecke.  Kein Konzept, zu wenig Personal für Förderschüler, Raumnot, zusätzliche Aufgaben: Eltern-Vertreter der Realschule Herdecke sind in Sorge.

Immer mehr Kinder mit besonderem Förderbedarf werden in der Realschule am Bleichstein aufgenommen. Die Schule ist dafür vom Land nicht ausreichend ausgerüstet. So sehen es Vertreter der Elternschaft. Jetzt hatten sie die Herdecker Ratsfraktionen am Tisch. Die Schulverwaltung war der Einladung nicht gefolgt. Markus Stremmel-Thoran gehörte zu den Gastgebern und hat den Eindruck, dass die Sorgen und Nöte der Eltern bei den Politikern gut aufgehoben sind.

Schon in der Einladung waren die Lokalpolitiker auf den aktuellen Stand gebracht worden: Schüler mit diagnostiziertem Inklusionsbedarf werden auf der Schule angemeldet. Daneben gibt es sozial auffällige Kinder, die einer zusätzlichen Betreuungsdichte bedürfen, hat Pflegschaftsvorsitzender Marc Eicker seinen Gästen schon vorab geschrieben. Verschärft werde das Ganze dadurch, dass sich die Gymnasien durch die schwarz-gelbe Landesregierung „aus dem Solidaritätsprinzip der Verpflichtung zur Inklusion verabschiedet haben“. Sie müssen künftig Schüler nicht mehr aufnehmen, wenn klar ist, dass sie die Bildungsabschlüsse des Gymnasiums nicht anstreben.

Auswirkungen unklar

Was das in Zahlen für die Realschule in Herdecke bedeutet, ist nicht klar zu benennen. Wer weiß schon genau zu sagen, wie groß die Zahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf in den nächsten Jahren sein wird. Aber auch für Anke Lohscheidt von der Schulleitung „ist klar, dass die Belastung auf jeden Fall steigt.“ Ihre Schule gilt künftig als inklusive Schwerpunktschule.

Lohscheidt ist froh, dass eine Extra-Stelle für einen Diplom-Pädagogen eingerichtet und auch besetzt worden ist. Er ist für die Förderung von Kindern außerhalb des Unterrichts eingestellt. Ansonsten kann sie die Ängste der Eltern verstehen. „Wir wissen noch nicht, was auf Dauer auf uns zukommt“, sagt Anke Lohscheidt. Keine Schule habe bisher den vom Land angepeilten Schlüssel von Sonderpädagogen erreicht“, sagt Anke Lohscheidt. Und: „Der Markt an Sonderpädagogen ist leer gefegt.“

Das ist auch bei Markus Stremmel-Thoran angekommen. Und so beklagt der Vater fehlende Konzepte, zu wenig Personal und den bekannten Mangel an Räumen im Schulzentrum. In der Klasse seiner Tochter hat er die Ängste anderer Eltern gespürt, das Niveau der Bildung könnte leiden. In der Schulpflegschaft ist das aufgenommen worden, jetzt gab es die Einladung an die Politiker. Noch seien die Eltern zufrieden, sagt er: „Es geht um perspektivische Sorgen.“ Die Schulleitung scheint sie teilen zu können, auch wenn Anke Lohscheidt zuversichtlich ist, „dass wir das weiter im Sinne der Kinder gemanagt bekommen“.

Das Gespräch mit den Politikern hat den Elternvertretern Auftrieb gegeben. Markus Stremmel-Thoran hat den Eindruck: Die haben verstanden und werden die schwieriger werdende Lage der Realschulen in ihre Gremien und auch auf höhere Ebenen tragen.

Weitere Einladung der Eltern

Zu dem Gespräch eingeladen war auch ein Vertreter der städtischen Schulverwaltung. Der Stuhl dafür blieb allerdings leer. Begründung auf Nachfrage der Redaktion: „Es geht aus Sicht des Schulamts um die Sensibilisierung von Parteien für innerschulische Probleme“, so die städtische Pressestelle. Ende des Jahres soll es erneut eine Einladung von den Elternvertretern geben. Um zu sehen, was aus den Befürchtungen der Eltern und den Hilfsangeboten der Politiker geworden ist.

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