Ferienaktion

Erfolgserlebnis beim Schnupperangeln: „Ich hab’ einen!“

Vereinsmitglied Shane Stüter (rechts) hilft den Kindern, den Köder richtig an der Angel zu befestigen.

Foto: Jana Peuckert

Vereinsmitglied Shane Stüter (rechts) hilft den Kindern, den Köder richtig an der Angel zu befestigen. Foto: Jana Peuckert

Herdecke/Hagen.   40 Kinder nahmen jetzt am Schnupperangeln, einer Aktion des Ferienfrosches Herdecke und der Ferienmaus Hagen, teil. Dabei lernten sie eine Menge.

Ganz ruhig sitzt die kleine Sophie auf dem Steg. In der Hand hält sie eine pinkfarbene Angelrute. Gebannt beobachtet die Fünfjährige, wie die Pose – ein Schwimmer – von den leichten Wellen der Ruhr auf und ab bewegt wird. Dann plötzlich ein Zucken – die Pose geht unter. Schnell zieht Sophie ihre Angel hoch. „Ich hab’ einen“, ruft sie begeistert.

Die Fünfjährige ist eines von 40 Kindern, die nun bei einer Aktion des Ferienfrosches Herdecke und der Ferienmaus Hagen am Schnupperangeln teilnahmen. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass so viele kommen“, gibt Matthias Gebehenne, Geschäftsführer des Sportfischereivereins Herdecke, Hagen und Umgegend, zu. Aber er freut sich über den Zulauf. Angeln, sagt der Experte, erlebe gerade eine Hochzeit. Das sei auch im Verein zu merken. Dieses Jahr sei das zuwachsstärkste seit langer Zeit.

Die potenziell neuen Mitglieder haben sich schon früh zur Ferienaktion eingefunden. Der Tag beginnt für die Kinder mit Theorie. Sie lernen, dass es 49 heimische Fischarten in Nordrhein-Westfalen gibt. Am häufigsten kommen Grundeln, Rotaugen, Zander, Brassen, Hechte, Barsche und Karpfen vor.

Dann gibt es noch einen Exkurs zu verschiedenen Techniken. An diesem Tag konzentrieren sich die Teilnehmer an der Stadtgrenze Herdecke-Hagen auf das Angeln mit Posen. „Das ist am spannendsten, weil die Pose auf dem Wasser treibt“, sagt Gebehenne. Im Trend liege im Moment aber das Angeln mit der Feederrute: Am Ende der Sehne ist ein Körbchen befestigt. Darin befindet sich Futter. Das liegt direkt am Grund und wartet auf vorbeikommende Fische mit Appetit. Auch Kunstköder kämen oft zum Einsatz. Diese bestehen aus Holz, Kunststoff oder Metall und könnten, je nach Geschick des Anglers, Bewegungen von kranken Fischen nachahmen.

Rund 600 Mitglieder derzeit

Aktuell zählt der Verein etwa 600 Mitglieder. Mehr als zehn von ihnen bringen den Teilnehmern beim Ferienangeln die Grundtechniken des Sports bei. Um ein Gefühl für den Umgang mit Rute, Haken, Blei und Pose zu bekommen, üben die Kinder zunächst an der Casting-Anlage des Vereinsheims das Werfen. Dabei müssen sie ihren Haken auf eine der drei gelben Flächen ablegen.

Nach den Trockenübungen geht es dann endlich zum Wasser. „Eigentlich wollten wir das in mehreren Gruppen machen. Aber die Kinder wollten alle auf einmal loslegen“, erklärt Matthias Gebehenne. Er und seine Kollegen haben ordentlich zu tun. Immer wieder brauchen die Teilnehmer ihre Hilfe. Zum Beispiel beim Anbringen der Köder – in diesem Fall Maden. „Ein Junge hatte erstmal Angst vor den Maden. Ich habe gesagt, als Angler müsste er sie selbst an den Haken bringen. Ich habe ihm dann einfach ein paar Maden auf die Hand gelegt. Und schon hatte er keine Ängste mehr“, erzählt Dieter Gebehenne, verantwortlich für das Grillen in der Mittagspause.

Doch an die denkt noch keines der Kinder. Viel zu aufregend ist es, Fische zu fangen. Grund für den massenhaften Erfolg der Nachwuchsangler ist die Grundelplage. Diese Fische, so Matthias Gebehenne, gehörten gar nicht in die Ruhr: „Sei kommen im Schwarzen Meer vor.“ Über den Rhein, Main und die Donau seien sie bis nach Herdecke/Hagen gelangt. „Wir wissen gar nicht wie, weil es keine Fischtreppe gibt“, sagt der Geschäftsführer. Vermutlich hat jemand einige Exemplare ausgesetzt. Die haben sich dann ruckzuck vermehrt – fünf Mal im Jahr kommt Nachwuchs.

Für die Kinder ein Glücksfall, hat doch nun fast jeder Erfolg. Bei Merdan Suna dauert es. Andauernd hat er Probleme mit seiner Angel. Schon wieder steht er vor Vereinsmitglied Shane Stüter: „Du hast gar keinen Posenstopper. Wir müssen deine Pose aber stoppen, sonst kriegst du noch öfter einen Tütel.“ Tütel, das sind Knoten. Aber die stören den Zwölfjährigen nicht. Er hat Spaß bei seinen ersten Versuchen und würde gerne wieder angeln: „Aber mit weniger Leuten.“

Die große Anzahl an Interessierten lässt die Vereinsmitglieder kaum zur Ruhe kommen. Heißt es doch oft: „Ich brauche Hilfe.“ Oder: „Ich hänge fest.“ Ebenfalls zu hören: „Meine Made ist weg.“ Oder auch: „Ich bekomme den Fisch nicht vom Haken.“ Die Erwachsenen reagieren gelassen und helfen jedem geduldig. Auch der eine und andere Verlust von Utensilien kann die Angler nicht stressen. „Die Hälfte der Posen hängt im Baum. Dort bleiben sie auch erstmal. Im Herbst holen wir sie dann wieder runter“, erklärt Matthias Gebehenne lachend.

25 Voranmeldungen

25 Voranmeldungen gab es, 40 Kinder kamen. „Wir wollten niemanden nach Hause schicken. Also haben wir sämtliches Material herausgeholt“, sagt der Geschäftsführer. Das Ferienangeln findet zum fünften Mal hintereinander statt. Früher sei das nicht möglich gewesen, da der Vorstand lediglich aus zwei Mitgliedern bestanden habe. Inzwischen seien es 14. „Es ist ein sehr gute Gruppe“, lobt Gebehenne die Zusammenarbeit im Vorstand. Auch einige Mitglieder der Jugendabteilung haben sich bereit erklärt, bei der Ferienaktion zu helfen.

Die neigt sich langsam dem Ende entgegen. Silas Brummel und seine Schwester Luna sind mit ihrer Leistung zufrieden. Neben einigen normalen Grundeln gingen ihnen auch die etwas größeren Schwarzmaulgründeln an den Haken. Der Zehnjährige ist schon zum dritten Mal beim Schnupperangeln dabei und kein Anfänger mehr. „Ich gehe manchmal mit meinem Patenonkel zum Fischen“, berichtet er. Der habe ihm einiges beigebracht. Aber auch während der Ferienaktion habe er noch etwas dazu gelernt.

Die Vereinsmitglieder zeigen den Kindern aber nicht nur Techniken. Ihnen ist auch der schonende Umgang mit den Fischen wichtig. „Auch wenn die Grundeln eine Plage sind, handelt es sich um Lebewesen“, sagt Matthias Gebehenne. Auf dem Weg nach Hause haben die jungen Angler ihren Eltern viel zu erzählen. Und manch einen werden die Vereinsmitglieder im nächsten Jahr wohl wiedersehen. Dann soll es die Aktion nämlich erneut geben.

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