(Un)Ruhestand

Erwin Fiegenbaum kann nicht ohne Ehrenamt und Vereine

Erwin Fiegenbaum, vielfach ehrenamtlich engagierter Wetteraner, in seinem Kellerbüro.

Erwin Fiegenbaum, vielfach ehrenamtlich engagierter Wetteraner, in seinem Kellerbüro.

Foto: WP

Wetter.   Erwin Fiegenbaum (82) aus Wetter muss etwas für andere tun, um glücklich zu sein: „Ich bin zu 99 Prozent ein Vereinsmeier“, sagt der Ehrenamtler.

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Erwin Fiegenbaum muss einfach etwas tun. Am Besten für andere. Bei den Falken fing das unmittelbar nach Kriegsende an. Für kleinere Dienste in der Hausgemeinschaft an der Großejohann­straße in Alt-Wetter gilt das noch heute. Dazwischen liegt eine nahezu unüberschaubare Fülle von Ämtern, Posten und Aufgaben im Dienst der Allgemeinheit.

„Ich bin halt ein neunundneunzigprozentiger Vereinsmeier“, sagt Erwin Fiegenbaum wie zur Erklärung. Der Parteinachwuchs der SPD war sein erster Verein. „Die Falken haben damals viel unternommen“, erinnert sich der heute 82-Jährige. Fahrten mit Kindern zählten dazu. Die Lebensmittel zur Verpflegung wurden vorher eingesammelt, auf einer LKW-Pritsche, dann ging es auf große Fahrt. Unter den Betreuern: Erwin Fiegenbaum.

Rückzug für die Familie

Bei den Kanuten ist er ebenfalls in jungen Jahren eingestiegen. Sein erstes Vorstandsamt war das des zweiten Kassierers. „Damals wurden die Beiträge noch zuhause abgeholt“, erinnert sich der Ruheständler. Wenige Jahre später wurde er 1. Vorsitzender, bekleidete das Amt 13 Jahre und steigerte in dieser Zeit die Mitgliederzahl von 108 auf 208. „Da hatten wir viel Arbeit und Gedöhne“, erinnert sich Margarete Fiegenbaum. Viele Aktionen waren Gemeinschaftsaktionen mit seiner Ehefrau.

Für den Kanuclub musste viel Schreibkram erledigt werden. Oft saß Erwin Fiegenbaum bis tief in die Nacht in der „kleinen Büroecke“, die er sich im Keller eingerichtet hatte. Gleich neben den Vorratsregalen mit Konserven und Eingekochtem. Einen Telefonanschluss hat er sich hier hin gelegt, eine elektrische Schreibmaschine steht am Rande und doch griffbereit auf der Arbeitsplatte. An den Wänden hängen hinter Glas Ehrenurkunden und Dankesschreiben, und immer wieder ziert sie das rote Logo der SPD. Lange Jahre hat er für sie im Rat und in den Ausschüssen gesessen. Bis 1980. „Da habe ich Schluss gemacht“, sagt Fiegenbaum über diese Zäsur. „Meine Tochter hat bald schon Onkel zu mir gesagt.“

Kann so einer wirklich von heute auf morgen alle Ehrenämter an den Nagel hängen? Jawohl. Weil ja doch schnell wieder neue Aufgaben auf einen warten. Beim Spinnclub Wetter etwa. Acht Jahre lang war Erwin Fiegenbaum hier Vorsitzender. Mindestens 50 Mark im Monat mussten beiseite gelegt werden. Für die Zinsen wurde gereist. Als immer mehr Mitglieder starben, wurde aus dem Spinnclub ein Stammtisch. Am Ende reichte es nicht mal mehr dafür.

Warum gibt jemand wie Erwin Fiegenbaum so viel von seiner eigenen Zeit für andere ab? „Ich bin nicht kontaktscheu, finde schnell Anschluss und freue mich, wenn ich etwas für andere machen kann.“

Beichtvater und Haushaltshelfer

Fast klingt es, als tue er etwas für sich, wenn er sich um die Probleme der anderen kümmert, als Beichtvater im Verein oder als beinahe tägliche Haushaltshilfe für ein befreundetes Ehepaar.

Mittlerweile hat Erwin Fiegenbaum Probleme beim Laufen, und auch die Lungen machen nicht mehr richtig mit. In sein Kellerbüro schafft er es aber immer noch. Vielleicht kommen ja noch ein paar Urkunden der SPD hinzu. Denn auch ohne Ämter sind er und seine Frau der Partei treu.

Und immer noch geht Erwin Fiegenbaum zum Jahresende in die Harkortapotheke und holt Kalender für das ganze Haus – mit dem jeweiligen Eintrag, wer mit welcher Hausarbeit wann dran ist. Erwin Fiegenbaum kann eben nicht anders. Er muss etwas tun.

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