Stadtentwicklung

Esborner neugierig auf „Laden im Dorf“

Regionalmanagerin Sofia König (links) im Gespräch mit Bürgern aus Esborn. Wünschen diese sich einen Laden im Dorf? Und sind sie bereit, sich ehrenamtlich dort einzubringen? Das wollte Sofia König herausfinden.

Regionalmanagerin Sofia König (links) im Gespräch mit Bürgern aus Esborn. Wünschen diese sich einen Laden im Dorf? Und sind sie bereit, sich ehrenamtlich dort einzubringen? Das wollte Sofia König herausfinden.

Foto: Elisabeth Semme

Esborn.   Bürger informieren sich über das förderfähige Projekt „All-Inn-Station“. Bereitschaft zum Mitmachen eher verhalten.

Es gibt Hof Sackern und das Naturfreundehaus, den Verkaufswagen von Landwirt Dirk Behrendts, den Werkstattladen des Frauenheims und den Lieferservice des Volmarsteiner Cap-Marktes, und es gibt die Ehrenamtstenne Dieters Deele. Möglichkeiten zum Einkaufen und Einkehren sind also im ländlichen Esborn durchaus vorhanden – wenn auch in eher begrenztem Ausmaß. Könnte eine sogenannte All-Inn-Station, ein unkonventioneller Dorfladen mit Café und diversen weiteren Angeboten, das Leben auf dem Land verbessern? Und ist es überhaupt das, was sich die Bürger wünschen? Und was wären sie selbst bereit, dafür zu tun? Um erste Antworten auf diese Fragen zu bekommen, hatte Regionalmanagerin Sofia König für Dienstagabend ins Vereinsheim des TuS Esborn eingeladen. Sie ist Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, vor Ort Projekte auf die Beine zu stellen, die vom Förderprogramm VITAL.NRW zur Stärkung des ländlichen Raumes profitieren können.

Regionalmanagerin und Studenten

Weit über 30 Bürger fanden den Weg zum Böllberg. Sie erfuhren zunächst von Sofia König Fakten und Rahmenbedingungen zum Förderprogramm und eine kurze Vorstellung dessen, was eine All-Inn-Station sein soll bzw. kann: „Das ist so etwas wie eine Erweiterung des klassischen Dorfladens, wo man eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen bündeln kann. Angebote regionaler Waren kann es dort ebenso geben wie Hilfestellung für ältere Bürger.“ Anschließend stellte eine Studentengruppe der Technischen Universität (TU) Dortmund, Fachrichtung Raumplanung, die unter Leitung von Christina Haubaum das Projekt begleitet, erste Ergebnisse vor. Die Studenten hatten bei ihrer Untersuchung u.a. Albringhausen als Standort-Favoriten ausgemacht, nachdem sie Verkehrsanbindung, Einwohnerzahl und Erreichbarkeit der nächsten Supermärkte und Discounter gecheckt hatten.

Immer wieder meldeten sich zwischendurch Bürger zu Wort, die nach Konkretem suchten: Wie soll der Laden aussehen? Wie kann das finanziert werden? Soll die regionale Gastronomie einbezogen werden? Sofia König musste mehr als einmal erklären: „So weit sind wir noch nicht. Das muss sich alles aus der Gemeinschaft entwickeln.“ Gemeinschaft war denn auch das Stichwort für Gisela Fischer und Ines Siri Trost. Beide engagieren sich bereits in der Bürgergemeinschaft Esborn und wollen auch das Projekt All-Inn-Station tatkräftig unterstützen. „Ein Dorfladen wäre wunderschön, aber da muss man viel Zeit reinstecken. Das geht nicht allein und auch nicht zu zweit“, machte Gisela Fischer den Anwesenden klar. Und weiter: Einen Laden, in dem man unverpackt Waren kaufen könne, um den Hausmüll zu reduzieren, „das will ich“. Und Ines Siri Trost ergänzte, dass man mit Hof Sackern ins Gespräch kommen wolle, um etwa von dessen Erzeugnissen etwas aufzunehmen und zu verkaufen. „Ich möchte im Ort Strukturen stärken und Erzeugnisse zum fairen Preis weitergeben. Schwerpunkt des Ladens soll unverpacktes Verkaufen werden.“

Bedarf und Bereitschaft

Dieser Ausblick löste Kritik aus. „Also entweder ist jetzt noch alles offen oder nicht“, wunderte sich ein Bürger, während eine andere Teilnehmerin meinte: „Also Konventionelles ist wohl nicht angesagt. Aber es gibt auch Leute, die sich nach ihrer Geldbörse richten müssen. Und ich würde keine losen Sachen kaufen, sondern nur hygienisch Verpacktes.“ Ihre Vorstellung von dem geplanten Projekt gehe eher in Richtung Cap-Markt: „Da kann man gut und unterstützend einkaufen, und die alten Leute bekommen ihre Waren nach Hause geliefert.“

Etwas mehr Struktur kam erst in das Gespräch, als der Vorschlag gemacht wurde, zunächst einmal den Bedarf und danach die Bereitschaft zum Engagement abzufragen. Da wurden Wünsche wie „ein Bäcker“, „ein Verkaufswagen, der nach seiner Tour im Café steht“ und „ein Treffpunkt“ geäußert. Angeregt wurde auch eine Kooperation mit dem Frauenheim. Von den über 200 dort lebenden Frauen würden sich sicherlich einige auch ehrenamtlich für ein solches Projekt engagieren.

„Wir brauchen auf jeden Fall einen Ort“, meinte Gisela Fischer. Das sahen offenbar viele Anwesende auch so. Und sie schlug vor, das Projekt als Genossenschaft zu verwirklichen – an einem mietfreien Ort und mit einem monatlichen Beitrag von zehn Euro. „Es sollte Café und Kneipe werden, ohne frische Ware, aber mit Lagerware wie Reis, Nudeln und Zucker.“ Aber: Die Frage nach den Finanzen blieb für viele „zu nebulös“, vor allem vor dem Hintergrund einer Zweckbindungsfrist der Fördermittel von zwölf Jahren. „Deswegen ist es wichtig, dass sich Menschen finden, die so etwas mit Verantwortung tragen“, betonte Sofia König.

Viele unbeantwortete Fragen, viele Bedarfe, aber am Ende kaum eine Handvoll Leute, die bereit sind, etwas für die neue Idee zu tun - Sofia König stellte am Ende der Veranstaltung einen Workshop Ende März in Aussicht, bei dem es mehr Antworten auch zum Finanziellen geben soll. Und sie versicherte: „Andere Projekte dieser Art laufen schon ein paar Jahre, und die laufen gut.“

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