Soziales

Etwas Warmes für den Magen und für das Herz

Markus Schalk (zweiter von links) mit seinem Helferteam: Die einen sorgen fürs Essen, die anderen nehmen sich im  Gespräch der Gäste an.

Foto: Jana Peuckert

Markus Schalk (zweiter von links) mit seinem Helferteam: Die einen sorgen fürs Essen, die anderen nehmen sich im Gespräch der Gäste an. Foto: Jana Peuckert

Wetter.   Im WSG-Café 1898 im Bismarckquartier in Alt-Wetter hat erneut die Suppenküche eröffnet. Nicht nur Bedürftige sind hier willkommen

Ewald Lüling taucht seinen Löffel in die Suppe. „Die wird hier mit Liebe gemacht, davon bin ich überzeugt. Wirklich lecker“, sagt er. Lüling ist Rentner. Wann immer er Zeit hat, kommt er in die Suppenküche. Es sei aber nicht nur das Essen, das ihn lockte: „Man trifft Menschen und lernt neue kennen. Das finde ich so schön.“ Die Suppenküche gibt es jedes Jahr sieben oder acht Mal im November und Dezember im Bismarckquartier. Ehrenamtler der Freien Evangelischen Gemeinde Schöntal und der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Grundschöttel servieren selbst gekochte Suppen. Dabei sind aber nicht nur Bedürftige als Gäste willkommen. Auch, wer gern in Gesellschaft essen möchte, ist angesprochen.

Am vergangenen Samstag eröffnete Initiator Markus Schalk von der evangelischen Gemeinde Schöntal die diesjährige Saison. Dabei kam er mächtig ins Stauen. Bereits vor der Öffnung standen die Menschen vor Tür an. „Wir sind wirklich überrascht“, gibt Schalk zu. Mit den Jahren kenne er die Stammgäste. Am Samstag habe er aber viele neue Gesichter gesehen. So wie Marita und Alfons Fischer. Das Paar sei zunächst etwas unsicher gewesen, da sie nicht bedürftig sind. In der Zeitung hätten sie dann aber gelesen, dass die Suppenküche für Jedermann da ist. Auch, wenn die Suppe kostenlos ist, haben sie dafür eine Spende gegeben. Es sei einfach schön, dass es so eine Möglichkeit gibt. Das sollte auch unterstützt werden.

Bewusst nicht im Gemeindehaus

Marita Fischer genoss den Ausflug ganz besonders. Ihr Mann, so erzählt sie, esse nicht gern scharfe Sachen, weshalb sie entsprechend kochte. In der Suppenküche habe sie daher das erste Mal in ihrem Leben Chili con Carne gegessen. „Das war sehr gut“, schwärmt sie. Für Beide steht fest: „Wir wiederholen das auf jeden Fall.“

Das freut Schalk sehr. 2011 hatte er erstmals den Gedanken, eine Suppenküche zu eröffnen. Zunächst sollte es die auf dem Weihnachtsmarkt geben. Doch das kam nie zustande. „Dabei fehlte der gesellige Aspekt. Die Leute sollen auch zusammensitzen“, erklärt er. Es bedurfte eines festen Ortes mit Sitzgelegenheiten. Wichtig sei ihm aber gewesen, so Schalk, dass es nicht im Gemeindehaus stattfindet. Keiner sollte denken, dass er gläubig sein muss, um Suppe zu bekommen: „Wir wollten in die Stadt, an einen zentralen Ort.“ 2012 war es dann so weit: Der Gedanke konnte im ehemaligen Lederwarengeschäft in Wetter umgesetzt werden. Schnell wurde es dort jedoch zu eng. „Dann kam die WSG auf uns zu und hat uns das Café im Bismarckquartier angeboten“, sagt Schalk. Das war 2013. Seither bestehe ein regelmäßiger Kontakt zur Wohnstättengenossenschaft.

Hilfe geht übers Essen hinaus

Der Ansturm am ersten Tag der Saison 2017 zeigt Schalk, wie gut die Suppenküche ankommt. Zehn Liter Chili con Carne und weitere zehn Liter Puszta-Suppe hatten die Helfer insgesamt vorbereitet. Doch die waren innerhalb kürzester Zeit weg. Schalk überlegt nun, eine dritte Suppe und damit zehn Liter mehr anzubieten. Zubereitet werden die Suppen im Vorfeld von Gemeindegliedern. Während der Öffnungszeit der Küche sind dann jeweils neun Helfer im Bismarckquartier im Einsatz. Darunter auch vier Ehrenamtler unterschiedlichen Alters, die ausschließlich dazu da sind, mit den Gästen zu plaudern. Immer wieder kommen die Besucher mit Problemen. Da diese nicht alle gelöst werden können, hat Schalk mit seinen Mitstreitern einen Flyer mit sämtlichen Kontakten zu Hilfsangeboten erstellt. Den bekommen die Gäste mit nach Hause. „Ich bin weiterhin von der Suppenküche überzeugt“, sagt Schalk. Dann widmet er sich einem älteren Paar zu, dass er schon von den Vorjahren kennt. Entsprechend vertraut und herzlich ist der Umgang miteinander.

Die ganze Zeit über herrscht eine angenehme, freundliche Atmosphäre. Eine Gruppe älterer Frauen hat es sich an einem länglichen Tisch gemütlich gemacht, es wird viel gelacht. Daneben sitzt ein Paar, unterhält sich ruhig, und ein paar Tische weiter lassen sich eine Mutter und drei Kinder die Suppen schmecken. Wer alleine kommt, bleibt das nicht lange. Es ist eben jeder willkommen in der Suppenküche.

>> INFOBOX

Die Suppenküche ist immer ab November geöffnet.

Bis zum 16. Dezember ist sie jeden Samstag von 12 bis 14 Uhr im WSG-Café 1898 an der unteren Bismarckstraße zu finden.

In diesem Jahr geht sie zum fünften Mal an den Start.

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