Denkmal-Tag

Evangelische Dorfkirche Wengern mit speziellem Mittagsgeläut

Bärbel Böving führt Besucher wie Jürgen Tennié beim  „Tag des offenen Denkmals“ durch die Evangelische Dorfkirche in Wengern.  

Bärbel Böving führt Besucher wie Jürgen Tennié beim  „Tag des offenen Denkmals“ durch die Evangelische Dorfkirche in Wengern.  

Foto: Jana Peuckert

Wengern.  Am Tag des offenen Denkmals (8.9.) kamen auch einige Besucher in die Evangelische Dorfkirche Wengern. Dort erklärte Bärbel Böving Hintergründe.

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Es ist sein Interesse an der Geschichte im Allgemeinen und an der Kirchengeschichte im Besonderen, das Jürgen Tennié dazu veranlasst hat, am Tag des offenen Denkmals in der Evangelischen Dorfkirche in Wengern vorbeizuschauen. Gemeinsam mit weiteren Besuchern nahm er an einer von Bärbel Böving geleiteten Führung teil.

Böving wusste viel über die einzelnen, oft bei normalen Kirchenbesuchen kaum wahrgenommenen Details zu berichten. Nach einem kurzen Abstecher nach draußen ging es um die vielen Bestandteile des Hausinneren. „Das ist das älteste Stück hier“, erklärte Böving, während sie auf einen romanischen Taufstein zeigte. Er stamme aus der Zeit um 1200 herum. Benutzt würde er nicht mehr. In der stillen Ecke, gleich rechts nach dem Betreten der Kirche, sei er aber gut aufgestellt, so Böving. Die Ecke würde gern von Besuchern genutzt, um in sich zu gehen oder eine Kerze anzuzünden.

Spätmittelalterliche Fresken

Dann lenkte Böving die Blicke der Besucher nach oben zur Holzdecke. Die einzelnen, mit Blumenornamenten besetzten Kassetten seien erst 1936 eingefügt und farblich dem Rest der Kirche nachempfunden worden. Nur ein kleines Stückchen an einem der Fenster an der Südwand offenbare, was bei den letzten Renovierungsarbeiten 1995 unter dem Putz entdeckt wurde – spätmittelalterliche Fresken. Aus finanziellen Gründen, sagt Böving, sei auf die Restaurierung und Konservierung der Wandmalerei verzichtet worden.

Als wertvollstes Stück der Dorfkirche zeigte Böving den Gästen das Triumphkreuz über dem Altar. Jesus sei in diesem Fall nicht als schwacher, leidender Mensch mit Dornenkranz, sondern als über den Tod triumphierender Gottessohn mit Königskrone dargestellt.

Anhand alter Fotos zeigte Böving noch die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Dorfkirche. Es sei eine der ersten Kirchen gewesen, die evangelisch geworden sei. Und zwar am 29. April 1543 um 11 Uhr. Als Erinnerung daran, so Böving, erklinge bis heute das Mittagsgeläut um 11 statt um 12 Uhr.

Ein Teilnehmer stellte die Frage, warum es keinen Friedhof um die Kirche herum gebe. Einst sei es so gewesen, erläuterte Böving. Doch 1823 sei eine Verordnung von Preußen erlassen worden, die es untersagte, Friedhöfe um das Gotteshaus anzulegen. Daher habe ein neuer Standort her gemusst.

Als es auf Nachfrage noch einmal um die stillen Ecke und der sich darin befindlichen Steinplatten ging, ließ Böving die Besucher an einer ihrer Kindheitserinnerungen teilhaben. „Es war im 7. Schuljahr. Wir mussten alle zur Kirche runter“, erinnerte sie sich. Alle mussten dabei helfen, den Boden für die Heizung vorzubereiten. Dabei seien dann die Grabplatten entdeckt worden.

Jürgen Tennié bereute es nicht, zur Führung gekommen zu sein. Er findet den „Tag des offenen Denkmals“, an dem die Dorfkirche schon seit vielen Jahren teilnimmt, sehr gut. „Die Kirche ist tagtäglich da, aber man weiß nicht, was im Detail in ihr steckt“, so Tennié.

Die Dorfkirche in Wengern ist seit Ostern bis Mitte Oktober jeden Tag von 15.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet

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