Sucht

Ex-Junkie erzählt Geschichte seines Doppellebens

Jörg Böckem führte ein Doppelleben als Journalist und Junkie.

Jörg Böckem führte ein Doppelleben als Journalist und Junkie.

Foto: Lea Liebscher

Wetter.   „Lass mich die Nacht überleben“, hat Jörg Böckem oft gedacht. Der Journalist hat im Gericht in Wetter vor Jugendlichen von seiner Sucht erzählt.

Wer Jörg Böckem heute begegnet, würde wahrscheinlich nicht auf die Idee kommen, dass dieser Mann lange drogenabhängig war. Im Rahmen der Themenwoche „Sucht hat immer eine Geschichte“ war er im Amtsgericht Wetter zu Gast. Dort versammelte sich ein mehr als 30 köpfiges Publikum zu seiner Lesung. Sozialarbeiter begleiteten die Jungen und Mädchen aus der örtlichen sowie zwei weiteren Jugendarrestanstalten.

Sobald Jörg Böckem anfängt zu lesen, ist es still. Er hat Ausschnitte aus zwei seiner insgesamt fünf Werke mitgebracht. Aus dem Aufklärungsbuch „High sein“ hat er den Erfahrungsbericht eines 18-jährigen ausgewählt. Zudem geht er auf die Wirkung von Drogen und die Faktoren bei der Suchtentstehung ein. Dann fährt er mit Auszügen aus seiner Autobiografie „Lass mich die Nacht überleben“ fort. Diesen Satz habe er sich oft gedacht. Jörg Böckem war trotz Drogen weiter als Journalist tätig. Unentdeckt zu bleiben erforderte ständige Achtsamkeit. Es war seine größte Furcht, den Job zu verlieren. Schließlich finanzierte er sich dadurch die Drogen.

Im Anschluss folgt eine Fragerunde. Der Autor antwortet teils humorvoll, spricht offen über damals und heute. „Ein Leben ohne Sucht ist wie ein Mosaik mit vielen Steinen“, sagt er über den Weg hin zu dem Leben, das er seit fast 20 Jahren führt.

„Heute bin ich angekommen“, betont Jörg Böckem, der mittlerweile Vater von zwei Kindern ist. In deren Erziehung will er darauf setzen, Risikokompetenz aufzubauen. Sollten sie doch mal zu einer Droge greifen, würde er sie fragen: „Und, wie war’s?“ und sich nach den Gründen erkundigen – etwas, das er selbst sich früher gewünscht hätte.

Durch seine Lesungen hofft der Autor, das Bild von Sucht und Drogen in der Öffentlichkeit zu verändern und Betroffenen Mut zu machen, dass man auf den richtigen Weg zurück finden kann. So wie er.

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