Verkehr

Fahrgäste aus Wetter kritisieren den Schandfleck Bahnhof

Vandalismus am Bahnhof Wetter; hier wurde eine Wetterschutz-Scheibe zerstört.

Vandalismus am Bahnhof Wetter; hier wurde eine Wetterschutz-Scheibe zerstört.

Foto: Elisabeth SemmE

Wetter.  Schandfleck statt Aushängeschild: Bürger, die regelmäßig die Bahn nutzen, üben heftig Kritik am Zustand des Bahnhofs.

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„Gehen Sie mal zum Bahnhof und schauen sich an, was da wieder los ist. Da hat irgendjemand eine Glasscheibe zerstört; überall liegen die Scherben. Abgesehen von dem ganzen Müll, der da immer herumliegt. Der Bahnhof ist einfach eine Katastrophe“, so eine Wetteranerin jetzt bei einem Anruf in der Lokalredaktion. Wenige Stunden später saß Ina Choinowsk in der Redaktion – mit genau dem gleichen Anliegen.

„Seit einem Jahr fahre ich von Wetter mit der Bahn zur Arbeit nach Bochum, und ich ärgere mich jeden Tag. Ich kann nicht nachvollziehen, dass unser Bahnhof dauerhaft so aussieht“, sagt die 27-Jährige. Eigentlich gehöre sie nicht zu den Menschen, die immer und überall nur nörgeln. „Ganz im Gegenteil; ich bin sehr tolerant und weiß auch, was es bedeutet, wenn man mal feiert. Aber dort liegt nicht nur Müll, sondern auch Erbrochenes und Fäkalien. Der Bahnhof ist doch ein Aushängeschild für die Stadt. Wenn Leute kommen, um sich Wetter mit dem See oder den Burgen anzuschauen und an so einem verdreckten Bahnhof aussteigen müssen, geht das gar nicht“, findet die junge Wetteranerin.

Und sie weiß, dass sie mit ihrer Kritik am Zustand des Bahnhofs nicht allein steht. Auch eine andere Berufspendlerin aus Wetter hat sich bereits mehrfach schriftlich bei der Deutschen Bahn beschwert. In einer ihrer Mails schreibt sie: „Wenn Sie Interesse daran haben, wie ein ebenfalls alter Bahnhof sauber aussehen kann, fahren Sie nach Bochum. Dort wird regelmäßig nass gereinigt. Die Treppenstufen ebenso wie die Seitenwand. Nur das Graffiti zu entfernen, reicht nicht.“ Es könne nicht sein, dass ein baulich halbwegs vernünftiger Bahnhof „wegen mangelnder Reinigung widerwärtig“ sei. Der Bauzustand sei seit der „Sanierung“ auch nicht besser; eine Beendigung der Arbeit und eine anschließende Grundreinigung seien dringend erforderlich.

Ein ganzer Fragenkatalog

Die Lokalredaktion hat sich der Sache angenommen und der Deutschen Bahn gleich einen ganzen Fragenkatalog geschickt, um zu erfahren, wie oft der Bahnhof gereinigt und wann die Sanierung endgültig abgeschlossen wird, warum die DB keine Kameras installiert, um die Verursacher zur Rechenschaft ziehen zu können, wann die zerbrochene Scheibe erneuert wird und wie hoch der Schaden ist, und zuletzt, ob es Ideen gibt, was vernünftige Fahrgäste oder auch die Stadt Wetter tun könnte(n), um an einem attraktiveren Bahnhof Wetter mitzuwirken.

Nun hat eine Sprecherin der Deutschen Bahn ausführlich Antwort gegeben auf all die Fragen. Der Bahnhof in Wetter werde dreimal wöchentlich gereinigt. Fahrgäste könnten Hinweise zu Verschmutzungen zudem direkt an die zuständige 3-S-Zentrale melden. „Für den Bahnhof Wetter ist die 3-S-Zentrale Düsseldorf zuständig, die unter der 0211/36801055 zu erreichen ist. Diese Nummer finden unsere Fahrgäste auch direkt am Bahnhof auf entsprechenden Plakaten“, so die DB-Sprecherin.

Sie betont: „Vandalismus ist bei der DB ein Schwerpunktthema: Allein im Jahr 2018 haben wir rund 2,8 Millionen Euro in die Beseitigung von Vandalismus- und Graffitischäden an den Bahnhöfen in NRW investiert – Geld, das wir lieber für unsere Kunden einsetzen würden.“ Die zerstörte Wetterschutz-Scheibe auf dem Bahnsteig in Wetter werde selbstverständlich ersetzt. „Die Scheibe muss maßangefertigt und bestellt werden – sobald die Anfertigung eintrifft, werden wir diese schnellstmöglich einbauen. Die Kosten für die Erneuerung der Scheibe liegen in einem niedrigen vierstelligen Bereich.“

Videotechnik wird eingesetzt

Die Bahnsprecherin erläutert außerdem: „Um die Sicherheit der Reisenden kümmern sich die Deutsche Bahn und die Bundespolizei gemeinsam: Dabei stellt Videotechnik neben der Präsenz von Sicherheitspersonal eine wichtige Säule des Sicherheitskonzepts dar.“ Videotechnik diene der DB in erster Linie der Beobachtung und Überwachung betrieblicher Abläufe und zur Hausrechtswahrung. Die Abwehr von Gefahren und Strafverfolgung auf Bahnhöfen und in Zügen seien Aufgaben der Bundespolizei. „Allerdings: Einen gewaltbereiten, oftmals im Affekt handelnden Täter kann keine Kamera abhalten“, meint die Bahnsprecherin. Ob ein Bahnhof mit Videotechnik überwacht werde, entscheiden DB und Bundespolizei gemeinsam. Dabei spielten Fahrgastfrequenz, die Anzahl von Zughalten und die polizeiliche Statistik eine zentrale Rolle. Und: „Nur die Bundespolizei hat Zugriff auf gespeicherte Bilder.“

Dass auch immer noch Abschlussarbeiten der Sanierung anstehen, ist bekannt. Dazu heißt es aus der Pressestelle: „Letzte Restarbeiten werden im 1. Quartal 2020 abgeschlossen.“

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